Schadenfrei­heits­klassen So funk­tioniert der Rabatt in der Kfz-Versicherung

Schadenfrei­heits­klassen - So funk­tioniert der Rabatt in der Kfz-Versicherung
Verkehrs­unfall. Wer von seinem Kfz-Versicherer einen Schaden in der Kfz-Haft­pflicht oder Voll­kasko regulieren lässt, fällt im Jahr darauf in eine schlechtere SF-Klasse. © Getty Images / tommaso79

Mitt­lerweile geht die Rabatt­staffel bei den meisten Auto­versicherern bis SF 50, teils sogar bis SF 60. Was Sie zum System der Schadenfrei­heits­klassen wissen müssen.

Schadenfrei­heits­rabatt: Belohnung für unfall­freies Fahren

Jedes Jahr ein biss­chen mehr Rabatt – darüber freut sich, wer im vergangenen Jahr unfall­frei geblieben ist. Als Belohnung kommen die Versicherten am Jahres­ende meist in eine güns­tigere Schadenfrei­heits­klasse. Dann fällt die Rechnung nied­riger aus. Je länger man unfall­frei fährt, desto höher ist die Schadenfrei­heits­klasse (SF-Klasse). Jeder Klasse ist ein Prozent­satz zuge­ordnet. Das ist der Anteil der Grund­prämie, den Versicherte tatsäch­lich zahlen. Das sind je nach System in der Kfz-Haft­pflicht häufig 16 bis 120 Prozent.

Keine Schadenfrei­heits­klassen in der Teilkasko

Das gilt aber nur für die Kfz-Haft­pflicht­versicherung sowie für die Voll­kasko. In der Teilkasko gibt es keine SF-Klassen, da sie in erster Linie für Schäden einsteht, auf die die individuelle Fahr­weise keinerlei Einfluss hat, beispiels­weise Sturm, Hagel, Feuer, Glasbruch, Diebstahl.

Beispiel: Nach 23 unfall­freien Jahren werden Versicherte in der Kfz-Haft­pflicht im Regelfall in die SF 23 einge­stuft. Das entspricht einem Beitrags­satz von zum Beispiel 27 Prozent. Dann ist nur etwa ein Viertel der Grund­prämie fällig. Führer­scheinneulinge hingegen, die zum ersten Mal ein Auto anmelden, kommen meist in die SF-Klasse 0 mit oft 100 Prozent – unter bestimmten Voraus­setzungen auch in eine güns­tigere SF-Klasse.

Unser Rat

Neuvertrag.
Wer die Versi­cherung wechselt, wird meist in dieselbe Schadenfrei­heits­klasse einge­stuft wie beim bisherigen Anbieter. Es ist jedoch nicht vorgeschrieben, welche Prozentsätze zu welcher SF-Klasse gehören. Das hand­haben die Versicherer unterschiedlich.
Günstig.
Entscheidend sind letzt­lich weniger die Prozentsätze, sondern das Ergebnis: die Jahres­prämie. Bei einem güns­tigen Tarif kann sie trotz eines höheren Prozent­satzes nied­riger sein als anderswo.

Teure Rück­stufung nach Unfall

Umge­kehrt gilt: Wer einen Unfall verursacht, wird in eine schlechtere SF-Klasse zurück­gestuft – meist nicht nur eine Stufe, sondern gleich mehrere. Man braucht dann einige Jahre, um wieder die alte SF-Klasse zu erreichen. Auch die Rück­stufungs­praxis hand­haben die Versicherer unterschiedlich. Bei einigen gibt es sogar inner­halb ihrer Tarif­struktur Unterschiede: In teuren Tarifen ist die Rück­stufung manchmal nicht so drastisch wie in preisgüns­tigen. Mehr zum Thema in unserem Special Rückstufung nach Unfall - so langen Versicherer zu.

Andere Rabatt­staffel bei Altverträgen

Welche SF-Klassen und welche Prozent­sätze gelten, kann jeder Versicherer für sich selber fest­legen. Inzwischen gehen viele Auto­versicherer dazu über, ihre Rabatt­staffel zu verlängern. Zuvor war meist nach 35 unfall­freien Jahren Schluss, also mit SF 35. In vielen Tarifen waren dann nur noch 20 Prozent des Grund­beitrags fällig – ein erheblicher Rabatt also. Wer dann weiter ohne Unfall bleibt, wird nicht besser einge­stuft.

Längere Staffel nicht immer güns­tiger

Nun gehen einige Gesell­schaften weiter bis SF 50, Verti sogar SF 60. Das kann vor allem älteren Kunden eine Ersparnis bringen – muss aber nicht: Es gibt durch­aus Versicherer, bei denen Kunden in SF 35 einen güns­tigeren Preis bekommen als anderswo in SF 50.

Tipp: Zur güns­tigsten Police führt nur ein individueller Preis­vergleich, wie ihn unser Kfz-Versicherungsvergleich bietet.

Rabattretter und Rabatt­schutz

Wer schon lange bei derselben Versicherung ist, sollte vor einem Wechsel auf den Rabattretter achten. In manchen alten Verträgen gibt es diese Klausel noch. Sie bedeutet: Wer in der güns­tigsten SF-Stufe ist und einen Unfall baut, wird zwar in eine ungüns­tigere SF-Klasse zurück­gestuft, behält aber den bisherigen Beitrags­satz, zahlt also nicht mehr als zuvor. Diese Zusatz­leistung ist kostenlos. In neuen Verträgen gibt es sie kaum noch. Nach einem Unfall folgt die Rück­stufung in eine ungüns­tigere SF-Klasse – und dann eine höhere Rechnung. Als Ersatz für den fehlenden Rabattretter bieten die meisten Versicherer zwar einen Rabatt­schutz. Aber der ist in der Regel nicht gratis wie der Rabattretter, sondern kostet Aufpreis.

Auto abge­meldet – Schadenfrei­heits­klasse bleibt

Hat jemand vorüber­gehend kein Auto angemeldet, geht der einmal erreichte SF-Rabatt nicht sofort verloren. Bei den meisten Versicherern bleibt er dann sieben Jahre erhalten, bei anderen sogar zehn Jahre. Auch bei einem Wechsel des Versicherers können Versicherte die SF-Klasse in der Regel mitnehmen. Dauert es länger als sieben beziehungs­weise zehn Jahre, bis die Betreffenden wieder ein Fahr­zeug versichern, werden sie meist wieder in die SF-Klasse 1/2 einge­stuft.

SF-Klasse auf Partner, Kinder, Enkel über­tragen

Wenn die Familie zwei Autos hat. Eine einmal erreichte güns­tige SF-Klasse ist bares Geld wert. Wer das Auto­fahren aufgibt, kann die güns­tige Klasse inner­halb der Familie auf Angehörige über­tragen, zum Beispiel auf Ehemann, Ehefrau oder Kinder. Dafür halten die Versicherer spezielle Formulare bereit, oft auch auf ihren Internet­seiten. Eine Familie mit zwei Autos kann auch den Rabatt von einem Pkw auf den anderen über­tragen.

Wenn Oma den Führer­schein abgibt. Häufig sind es Groß­eltern, die sich entscheiden, endgültig das Auto­fahren aufzugeben und ihre SF-Klasse auf die Enkel zu über­tragen. Das ist in der Regel problemlos möglich. Eine gemein­same Nutzung des Pkw muss aber üblicher­weise nachgewiesen werden. Die Empfänger können außerdem nur so viele SF-Rabatt­jahre bekommen, wie sie bereits den Führer­schein haben. Wenn Oma ihre SF 35 – also 35 unfall­freie Jahre – ihrer Enkelin geben will, die erst seit fünf Jahren Auto fährt, kann die Enkelin nur fünf SF-Klassen bekommen. Mit der Über­tragung ist die Groß­mutter ihren kompletten SF-Rabatt los. Der Rest verfällt endgültig.

Auch bei Dienst­wagen möglich

Auch Angestellte mit Dienst­wagen können den damit gewonnen SF-Rabatt später bei Abgabe des Pkw auf sich über­tragen. Dafür muss allerdings die Firma zustimmen. Es empfiehlt sich, dies schon vor Über­nahme des Dienst­wagens zu klären. Mehr zum Thema Dienst­wagen in unserem Special Dienstwagen: Wie Sie die private Nutzung am günstigsten versteuern.

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7 Kommentare Diskutieren Sie mit

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wolfgang_54 am 20.02.2022 um 02:03 Uhr
Versichererwechsel als Senior

Im Alter über 65 sollte man sehr vorsichtig sein, wenn man den Versicherer wechseln will. Bei der HUK z. B. zahlt man keinen höheren Beitrag, solange man dasselbe Fahrzeug versichert hat. Bei einem Fahrzeug- oder Versichererwechsel wird man dann entsprechend dem aktuellen Alter hochgestuft. Da die Versicherer unterschiedliche Altersstufen haben, sollte man bei einem Versicherungsvergleich sein Alter ganz genau angeben.

Profilbild Stiftung_Warentest am 25.11.2021 um 16:35 Uhr
Schadenfreiheit/Ausland

@Klaus_Asia: Wie schadenfreie Jahre, die Sie im Ausland gesammelt haben im Einzelnen bei inländischen Versicherern berücksichtigt werden, entzieht sich unserer Kenntnis. Ihr neuer Versicherer bemänglt nach Ihren Ausführungen nicht die Anerekennung an sich, sondern teilt Ihnen mit, dass das von Ihnen eingereichte Dokument kein Originaldokument und nicht vollständig sei. Wir möchten Sie bitten, sich an die Zürich zu wenden und darum zu bitten, Ihnen die schadenfreien Jahre unmissverstänglich zu bescheinigen. Fragen Sie auch bei der Europa nach, welche Angaben Ihnen hier noch fehlen. Vielleicht kann Ihnen auch die deutsche Niederlassung der Zürich weiter helfen.

Klaus_Asia am 23.11.2021 um 22:47 Uhr
Versicherung akzeptiert Schadenfreiheit nicht

Ich hatte bis vor 2 Jahren ein Auto in der Schweiz versichert. Neu habe ich eine Fahrzeug- und Hafpflichtversicherung bei der Europa Deutschland abgeschlossen. Nun kommt aber die böse Überraschung: Die Europa-Versicherung weigert sich, die Bonusbestätigung aus der Schweiz anzuerkennen. Angeblich weil das Dokument kein "Originaldokument" und "nicht vollständig" sei. Die bisherige Versicherung in der Schweiz, die Zürich, die ja auch in Deutschland tätig ist, hat mir einen automatische gedruckte und genau für solche Fälle angefertigte Bonusbestätigung gegeben, und mir bestätigt, dass ihre Kunden damit noch nie Schwierigkeiten bei der Anerkennung in Deutschland hatten. Darf und kann die Versicherung die Anerkennung der bisherigen Schadensfreiheit ohne triftigen Grund verweigern?

Profilbild Stiftung_Warentest am 27.02.2020 um 15:23 Uhr
SF Klasse

@Testdedanke: Bei einem Versicherungswechsel werden diese Daten von dem Vorversicherer an den neuen Versicherer übermittelt. Sie können natürlich auch selbst noch einmal bei der Bavaria nachhaken. (dda)

Testdedanke am 27.02.2020 um 13:53 Uhr
SF Klasse

Grüße sie,
Fahre nunmehr seit zweiundsechzig Jahren ohne Unterbrechung unfallfrei und hänge mit meinem SF Rabatt bei SF35 herum, wie kann ich meiner neuen Versicherung der Bavaria die hochgeht bis SF45 den Beweis über die Unfallfreien Jahre erbringen.
Besten Dank für die Bemühung