Zum ersten Mal ist eine in Deutschland aktive Fondsgesellschaft aufgrund eines unvollständigen Verkaufsprospekts zu Schadenersatz verurteilt worden. Gleich zwei Niederlagen erlebte die Schweizer Kapitalanlagegesellschaft Julius Bär vor dem Landgericht Frankfurt am Main: Ende November verurteilte sie das Gericht, einem Anleger Schadenersatz in Höhe von 3,526 Millionen ­Euro zu zahlen. Ende Dezember verlor die Gesellschaft erneut und wurde zu 160 000 Euro Schadenersatz verurteilt.

Das Gericht kam in beiden Prozessen zu dem Schluss, dass der Verkaufsprospekt des JB Creativ Fonds (WKN 978 500) die Risiken des Fonds nicht ausreichend und vollständig beschreibt. Im Prospekt fehlt die Information, dass der Fonds seinen Anlageschwerpunkt am Neuen Markt hat. Es reiche nach Meinung des Gerichts nicht aus, eine Reihe von Kriterien in den Prospekt zu schreiben, aus denen sich der Anleger das Anlageziel selbst erschließen muss. Julius Bär kündigte in beiden Fällen Berufung an.

Tipp: Prospekthaftungsansprüche verjähren, sechs Monate nachdem der Anleger Kenntnis vom Fehler im Prospekt hat. Im Falle Julius Bär endet die Frist am 22. Mai 2003. Anleger sollten bei ihrer Rechtsschutzversicherung nachfragen, ob sie die Kosten für einen Rechtsstreit trägt. Anleger, die hier eine Abfuhr kassieren, sollten sich gut überlegen, ob sie die hohen Kosten tragen wollen.

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