Im Streit mit dem Bezahlfernsehsender Premiere hat sich die Verbraucherzentrale Hamburg durchgesetzt. Premiere hat eingelenkt und erstattet 86 Ex-Kunden jeweils 75 Euro. Das Unternehmen hatte dieses Geld als Ersatz für angeblich verloren gegangene Smartcards kassiert, obwohl die Kunden unisono versicherten: Wir haben die Chipkarte nach Kündigung des Vertrags ordnungsgemäß zurückgeschickt. Bei Premiere kamen die Karten jedoch angeblich nie an. Das Unternehmen schaltete ein Inkasso-Büro ein. Für die Ex-Premiere-Kunden sprang die Verbraucherzentrale Hamburg in die Bresche und initiierte einen Sammelklage.

86 Ex-Kunden klagten

Laut Premiere-Geschäftsbedingungen sind Kunden nach der Kündigung verpflichtet, die Smartcard für die Entschlüsselung des Bezahlfernsehens zurück zu schicken. Andernfalls sind 35 Euro Schadenersatz fällig. In zahlreichen Fällen verlangte Premiere Schadenersatz von Kunden, die hoch und heilig versicherten, sie hätten die Karte ordnungsgemäß auf den Weg gebracht. Als Premiere ein Inkassobüro einschaltete und die Forderung dadurch auf 75 Euro stieg, schaltete sich die Verbraucherzentrale Hamburg ein. Premiere blieb jedoch zunächst hart. Die Verbraucherschützer initiierten daraufhin eine Sammelklage. 86 Ex-Premiere-Kunden erhoben Klage auf Rückzahlung der 75 Euro Schadenersatz.

Gerichtstermin fällt aus

Der Termin für die mündliche Verhandlung über die Sammelklage vor dem Landgericht München war für Mittwoch, 30. Mai, angesetzt. Kurz vorher lenkte Premiere ein. Die Kläger erhalten ihre 75 Euro zurück. Außerdem übernimmt Premiere sämtliche Gerichts- und Anwaltskosten. Das habe allerdings rein wirtschaftliche Gründe, erklärte Premiere-Sprecher Stefan Vollmer. Die Klageforderung in Höhe von insgesamt rund 6 000 Euro stehe in keinem Verhältnis zum Aufwand. Obwohl Premiere sich nach wie vor im Recht sieht, habe sich das Unternehmen entschlossen, den Forderungen nachzugeben.

Hoffnung für weitere Betroffene

Auch sonst Betroffene können auf Entschädigung hoffen, wenn sie bereits Schadenersatz gezahlt haben. Premiere-Sprecher Stefan Vollmer erklärte: Wer glaubhaft versichert, er habe die Smartcard korrekt losgeschickt, werde nicht zur Kasse gebeten. Bereits gezahlte Entschädigungen erstatte Premiere in solchen Fällen. Betroffene bittet er, sich an die Premiere-Hotline 0 180/5 11 00 00 (14 Cent pro Minute aus dem deutschen Festnetz) zu wenden.

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