Schadenersatz für Lehmann-Anleger Meldung

Lehman-Anleger haben Chancen, ihr Geld zurückzubekommen. Doch nicht jede Rettungsidee hat Hand und Fuß.

Käufer von Zertifikaten der amerikanischen Pleitebank Lehman klammern sich zurzeit an jeden Strohhalm. Doch die Hinweise, die sie erhalten, widersprechen sich zum Teil. Finanztest gibt Orientierung.

Ansprüche. Die Verbraucherzentrale in Hamburg hat Ende vergangenen Jahres behauptet, fast alle Käufer von Lehman-Zertifikaten hätten Anspruch auf Schadenersatz. Das ist so nicht richtig. Die Anleger haben keinen automatischen Anspruch auf Entschädigung durch die Bank, bei der sie die Papiere gekauft haben.

Beraterhaftung. Jeder einzelne Kunde muss nachweisen, dass die Bank ihn beim Kauf der Zertifikate falsch beraten hat.

Verbraucherzentralen und Anlegeranwälte haben festgestellt, dass die meisten Käufer von Lehman-Zertifikaten die 60 bereits überschritten haben und nach sicheren Anlagen gefragt hatten. Dann war der Rat, Lehman-Zertifikate zu kaufen, schlecht.

Hinweise auf eine mögliche Falschberatung gibt es auch in folgenden Fällen:

  • Das Geld sollte als Sicherheit fürs Alter angelegt werden.
  • Der Anleger hat bestehende sichere Anlagen in Lehman-Zertifikate umgeschichtet.
  • Die Zertifikate der Pleitebank wurden noch nach März 2008 empfohlen.
  • Der Berater hat nach März 2008 vom Verkauf der Papiere abgeraten.
  • Der Anleger hat nichts von den Vertriebsprovisionen für die Bank erfahren.
  • Der Berater hat unaufgefordert angerufen und Lehman-Zertifikate empfohlen.

Urteile. Die Schlagzeile weckte Hoffnung: „Erste Lehman-Opfer erhalten Geld zurück“. Doch Vorsicht: Die vorliegenden Urteile haben meist nichts mit der Pleite von Lehman zu tun, sondern mit weiter zurückliegenden Klagen gegen die Verkäufer von Lehman-Zertifikaten.

Es gibt bei weitem noch nicht genug Urteile, um ein Bild davon zu gewinnen, in welche Richtung sich die Rechtsprechung bewegen wird. Prozesse sollten im Moment nur die Besitzer von Lehman-Zertifikaten führen, bei denen die Beweislage eindeutig ist. Alle anderen warten besser noch.

Sammelklage. Anwälte und Interessengemeinschaften werben im Internet um Beitritt zu Sammelklagen gegen die Banken, die in Deutschland Lehman-Zertifikate verkauft haben. Doch das deutsche Recht kennt gar keine Sammelklage. Die Anwälte können nur Fälle sammeln und auf Übereinstimmungen untersuchen. Das kann für Einzelne die Beweislage verbessern.

Einlagensicherung. Die amerikanische Einlagensicherung SIPC wird nicht für die deutschen Zertifikatekäufer tätig, auch wenn es gelegentlich anders zu lesen war. Nur wer Konten bei der amerikanischen Bank Lehman Brothers Inc. (nicht Lehman Brothers Holdings Inc.) hatte, hat eventuell Ansprüche auf Erstattung der Einlagen oder eines Teils davon. Die muss er bis 30. Januar anmelden und bis 30. Juni vollständig erklärt haben (www.sipc.com).

Die deutsche Einlagensicherung greift bei spekulativen Anlagen nicht.

Insolvenzverfahren. Für Besitzer von Zertifikaten der Lehman Brothers Holding und der Lehman Brothers Treasury C. B. V., Amsterdam, brennt im Augenblick nichts an.

Die Holding mit Sitz in den USA steht unter einem besonderen Schutz für insolvente Unternehmen. Gläubiger dürfen derzeit keine Forderungen stellen.

Für das Insolvenzverfahren bei dem holländischen Ableger und größten Emittenten von Lehman-Zertifikaten können sich Anleger per E-Mail unter
info.lbtreasurybv @houthoff.com registrieren lassen.

Hilfe im Insolvenzverfahren. Einige der Banken, die Lehman-Zertifikate verkauft haben, bieten ihren Kunden Hilfe im Insolvenzverfahren an: Die Dresdner Bank, die Postbank, die Hamburger und die Frankfurter Sparkasse und nun auch die Citibank, die dies bei unserer letzten Anfrage noch verneint hatte.

Anleger sollten nichts unterschreiben, womit sie auf weitere Ansprüche zum Beispiel aus einer Klage auf Beraterhaftung verzichten. Sie sollten die Bank um eine schriftliche Bestätigung bitten, dass die Verjährungsfrist für eine Klage gegen die Bank wegen möglicher Falschberatung solange gehemmt wird, bis das Insolvenzverfahren zu einem Abschluss gekommen ist.

Verjährung. Die Verjährungsfrist von drei Jahren beginnt mit dem Tag des Kaufs. Im Jahr 2009 verjähren also die Ansprüche bei Papieren, die 2006 gekauft wurden. Wendet sich der Kunde zunächst an den Ombudsmann der privaten Banken, der Genossenschaftsbanken oder an einen der Schlichter der Sparkassen, ist die Verjährung für die Dauer des Verfahrens gehemmt (Kontakt siehe Ombudsmann im Artikel Bankgebühren). Das Schlichtungsverfahren ist kostenlos und schmälert die Chancen vor Gericht nicht.

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