Wird nach Blech­schaden neu lackiert, müssen oft Neben­teile „beila­ckiert“ werden, damit die Farben über­einstimmen.

Wer unver­schuldet einen Auto­unfall hat, muss seinen Wagen nicht reparieren lassen. Es ist auch erlaubt, sich auf Basis eines Gutachtens oder eines Kosten­vor­anschlags per „fiktiver Abrechnung“ das Geld für die Beseitigung des Schadens von der gegnerischen Versicherung erstatten zu lassen. Auch eine Beila­ckierung kann mit abge­rechnet werden, so der Bundes­gerichts­hof in einem neuen Urteil.

Auch Beila­ckierung wird bezahlt

Bisher war umstritten, ob eine sogenannte Beila­ckierung bei einer fiktiven Abrechnung mitzählt. Ja, hat nun der Bundes­gerichts­hof geur­teilt. Die Beila­ckierung ist in den meisten Fällen nötig, wenn ein Teil neu lackiert wird. Meist weicht beispiels­weise ein neu lackierter Kotflügel ein wenig vom Farbton der benach­barten Teile ab. Diese werden daher ein wenig mitlackiert. Auch wenn bei fiktiver Abrechnung der Wagen gar nicht lackiert wird und daher keine Beila­ckierung nötig ist, muss die Versicherung die Kosten dafür erstatten (Az. VI ZR 396/18).

Kosten­vor­anschlag für Erstattungs­summe

Basis einer fiktiven Abrechnung nach einem unver­schuldeten Unfall­schaden muss kein Gutachten sein, obwohl die gegnerische Versicherung einen Sachverständigen bezahlen muss. Auch der Kosten­vor­anschlag einer Auto­werk­statt eignet sich. Das kann der einer Vertrags­werk­statt sein, etwa wenn das Auto nicht älter als drei Jahre ist oder wenn der Besitzer es bisher immer in eine Vertrags­werk­statt brachte.

Werk­statt muss gut erreich­bar sein

In anderen Fällen darf die Versicherung auf eine freie Werk­statt verweisen. Die ist meist billiger, sodass es auch weniger Schaden­ersatz gibt. Voraus­setzung dafür ist aber, dass der Geschädigte diese Werk­statt mühelos erreichen kann. Liegt sie zu weit von seinem Wohn­ort entfernt, kann er doch wieder die Sätze der Vertrags­werk­statt verlangen (Ober­landes­gericht Karls­ruhe, Az. 1 U 135/14). In diesem Fall betrug die Distanz zur Vertrags­werk­statt nur 4 Kilo­meter, die zur freien Werk­statt hingegen 22 Kilo­meter.

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