Sauna Meldung

Ob finnische Sauna oder türkischer Hamam – das heiß-kalte Vergnügen ist gerade im Winter das Richtige. Es stimuliert die Abwehrkräfte, pflegt die Haut und ist Balsam für die Seele.

Sie springen beherzt in Eislöcher, peitschen sich genussvoll mit Birkenzweigen und setzen sich freiwillig Temperaturen kurz unter dem Siedepunkt aus: Die Rede ist von Saunagängern. Die Lust auf Hitze macht bei keinem Breiten- oder Längengrad Halt: In der russischen Banja, in der Sweat Lodge der Indianer oder im japanischen Furo-Bad wird ebenso gern geschwitzt wie hierzulande. Die Wiege der deutschen Saunakultur liegt allerdings weiter nördlich – in Finnland. Dort bedeutet Sauna so viel wie „Raum aus Holz“.

Die erste finnische Sauna gelangte 1936 nach Deutschland, als Mitbringsel der finnischen Nationalmannschaft zur Olympiade in Berlin. Nachdem die schwitzerprobten Sportler überaus erfolgreich waren, galt die Sauna als „das“ Geheimrezept aus dem hohen Norden.

Inzwischen besuchen in Deutschland über 26 Millionen Menschen mehr oder weniger regelmäßig eine Sauna und geben an, dabei „uneingeschränktes Wohlbefinden“ zu empfinden.

Saunabaden wirkt auf Körper und Seele gleichermaßen. Die körpereigenen Abwehrkräfte werden durch die extremen Temperaturreize stimuliert. Und stressgeplagte Zeitgenossen erleben mitten im hektischen Alltag ein seltenes Phänomen: Die Zeit scheint ihre Bedeutung verloren zu haben, der Geist kommt zur Ruhe, allein der erhitzte Körper bestimmt den Gang der Dinge.

Abwehr: Abwechslung regt an

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Der Hamam dient der Reinigung, dem Wohlbefinden und der Entspannung.

Die Wirkungsweise der finnischen Sauna beruht auf dem gezielten Wechsel von extremen Wärme- und Kältereizen. Bei einer trockenen Hitze von bis zu 100 Grad Celsius steigt die Hauttemperatur im Laufe eines 10- bis 15-minütigen Saunagangs auf etwa 42 Grad an. Dieser Temperaturanstieg ist gewünscht – er verstärkt die Bildung von weißen Blutkörperchen und Zytokinen, Substanzen, die für die körpereigene Abwehr zuständig sind. Bei fleißigen Saunabadern haben deshalb Erkältungs- und Grippeviren nur wenig Aussicht auf Erfolg.

Während andere Menschen joggen, um Kreislauf und Herz zu trainieren, erreicht der Saunagänger diesen Effekt bequem im Sitzen. Bei fast 100 Grad Saunatemperatur schlägt das Herz schneller. Da sich jedoch die Blutgefäße des Körpers durch die Hitze erweitert haben, muss gegen einen geringeren Widerstand angepumpt werden. Ein Puls von 120 in der Sauna belastet den Kreislauf weniger als der gleiche Puls beim Sport.

Auf Hochtouren arbeiten auch rund drei Millionen Schweißdrüsen, um die erhitzte Haut zu kühlen. Bis zu 1,5 Liter Schweiß produziert ein Erwachsener bei drei Saunagängen und wird dabei neben Wasser eine Reihe von belastenden Stoffen los – Rückstände von Medikamenten, Koffein, Nikotin, Alkohol und Stoffwechselreste. Allerdings werden auch wichtige Salze, das heißt Mineralstoffe und Spurenelemente, ausgeschwitzt. Die kann man sich jedoch mit einer Saftschorle oder einem Gemüsesaft nach den Saunagängen rasch wieder einverleiben.

Bei der anschließenden Abkühlung mit kaltem Wasser verengen sich die Blutgefäße wieder. Insbesondere der kalte Guss sorgt dafür, dass sie sich zusammenziehen, dadurch nimmt die Spannung der Gefäßwände zu. Dieses „Gefäßtraining“ führt zu einer besseren Regulation des Wärmehaushalts und schützt den Saunagänger im Alltag gegen negative Einflüsse von Wetter- und Temperaturschwankungen.

Kältereiz: Ein Kick für die Psyche

Der Kältereiz löst im vegetativen Nervensystem und in verschiedenen Hormondrüsen außerdem einen Impuls aus, der den Organismus unter milden Stress setzt. Um dem entgegenzusteuern, schüttet der Körper vermehrt Endorphine aus, die so genannten Glückshormone. Gerade in der dunklen Jahreszeit, in der viele Menschen mit Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit kämpfen, hat sich diese Saunawirkung als Heilmittel für die Psyche sehr bewährt.

Hartgesottene Saunagänger schwören auf den euphorisierenden Hitze-Kick durch einen Aufguss. Dabei wird Wasser über die heißen Steine des Ofens gegossen, eine Dampfwolke schießt zur Decke und lässt sich dann wieder in Form von Wassertropfen auf der Haut nieder. In vielen Saunabädern wird dies als Höhepunkt eines Bades zelebriert. Neben dem traditionellen finnischen Birkenaufguss oder dem Aufguss mit ätherischen Ölen werden auch so exotische Varianten wie Honig- oder Salzaufguss angeboten.

Dabei kann sich der Saunagast mit dem jeweiligen Elixier auch einreiben, mit Honig, japanischem Solesalz oder sogar mit gemahlenem Eis. Temperaturempfindlichen und weniger experimentierfreudigen Gästen sei jedoch versichert, dass ein Saunagang auch ohne Aufguss voll wirksam ist.

Hitze: Auch die Haut profitiert

In den Stunden nach der Sauna sei die Frau am schönsten, behaupten die Finnen. Auch hierzulande haben vor allem die weiblichen Saunagäste die natürliche Kosmetik des Saunabades für sich entdeckt. Die trockene Hitze sorgt für eine intensive Durchblutung der Haut, die Versorgung mit Nährstoffen und Sauerstoff ist dadurch optimal. Wärme wirkt auf die Haut auch wie ein „Sesam-öffne-dich“: Die Poren weiten sich, Hautunreinheiten und alte Hornschichten verflüssigen sich einfach. Die Haut im Gesicht und am ganzen Körper wird rosig und straff. Regelmäßiges Saunabaden kann, meinen Hautärzte, sogar die Haut­alterung verlangsamen.

Biosauna: In Farbe schwelgen

Eine Alternative zur finnischen Sauna ist die Biosauna. Das Zusammenspiel von Temperaturen um 55 Grad, einer 45-prozentigen Luftfeuchte, Aromadüften und Einsatz farbigen Lichts kennzeichnen diese Art des Saunabades. Durch die Beanspruchung aller Sinne sollen im Körper Stoffwechselvorgänge und Heilprozesse angeregt werden. So gilt die Farbe Blau als beruhigend, blutdrucksenkend und hilfreich bei Schlaflosigkeit oder Angstzuständen. Grün soll Schmerzen lindern, gereizte Nerven besänftigen und sogar auf Wunden desinfizierend wir-ken. Gelblicht, heißt es, regt den Magen an, vertreibt Trübsinn und stärkt die Konzentrationsfähigkeit. Mit intensiven Rottönen sollen Hautleiden, Durchblutungsstörungen und Rheuma behandelt werden. Eine ähnliche Therapiewirkung haben auch ätherische Öle.

Kritiker dieser „sanften“ Saunamethode befürchten jedoch, dass die Farb- und Duftberieselung bei einer relativ geringen Saunatemperatur die Gäste zu einer allzu langen Verweildauer verführt, was wiederum eine große Belastung für den Kreislauf sein kann. Außerdem bemängeln sie das fehlende Training für den Kreislauf, die Abhärtung durch den schnellen Hitze-Kälte-Wechsel der klassischen finnischen Sauna.

Hamam: Die Sauna des Orients

Hamam, eine orientalische Variante der Sauna, kommt auch hierzulande immer mehr in Mode. Hamam heißt auf Türkisch Wärme. Gemessen an den Temperaturen in der finnischen Sauna geht es bei etwa 45 Grad im Hamam in puncto Hitze moderat zu. Dafür ist die Luftfeuchtigkeit mit etwa 90 Prozent sehr hoch. Vielen erscheint dieses Klima angenehmer als die trockene Hitze in der finnischen Sauna. Allerdings kann der Schweiß der hohen Luftfeuchtigkeit wegen nicht verdunsten und seine kühlende Wirkung entfalten. Dadurch wird der Kreislauf trotz geringerer Temperaturen mindestens genauso stark belastet wie in der Sauna.

Das Ambiente ist orientalisch-üppig: Marmorne Wasserbecken, handbemalte Fliesen, Säulen und Ruhenischen mit Sitzkissen prägen die Atmosphäre. Warme Wassergüsse aus Kupferschalen über Arme und Beine erhitzen den Körper, bevor er auf einem geheizten Marmortisch vom Hamamgehilfen, dem Tellak, mit einem Spezialhandschuh aus Seide oder Ziegenhaar ordentlich abgerieben wird. Dieses Ganzkörper-Peeling öffnet die Poren der Haut und hilft ihr, Giftstoffe auszuscheiden. Zum Abschluss wird heißer Tee gereicht und nach Lust und Laune geruht oder kommuniziert. Wer ein paar Stunden Zeit für solch ein Hamam-Ritual mitbringt, wird auf das orientalische Schwitzkonzept ähnlich positiv reagieren wie auf die nordische Sauna.

Übrigens: Im türkischen Dampfbad muss sich niemand nackt fühlen. Obwohl Männer und Frauen traditionell getrennt baden, wird jedem Gast das Pestamal gereicht, ein Wickeltuch aus Leinen.

Für welche Variante des Schwitzens man sich auch entscheidet: Wer alles richtig gemacht hat, fühlt sich danach entspannt, erfrischt, gut gelaunt und hat viel für die eigene Gesundheit getan.

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