Sauerstoffangereicherte Wässer Test

Frentzen trinkt's, Heidfeld auch: Wasser mit einer Extraportion Sauerstoff. Die Adelholzener Alpenquellen beliefern das Formel 1 Team von Sauber Petronas. Vilsa Brunnen sponsert dagegen die Kicker von Werder Bremen. Sauerstoffwasser soll die Leistung steigern. Wissenschaftlich ist das nicht hinreichend belegt. Im Test: sechs Trendwässer mit Sauerstoff.

Powerstoff mit Sauerstoff

Der Trend kam aus Österreich, Ende der neunziger Jahre: Mineralwasser mit einer Extraportion Sauerstoff. Neue Frische für Körper und Geist, versprechen die Anbieter. „Powerstoff mit Sauerstoff“, nennt Adelholzener sein Sauerstoffwasser Active O2. Dazu ein Bild der Alpen. „Müde, träge, schlapp?“, fragt dagegen die Oxivit-Homepage. Eine Flasche Sauerstoffwasser sprengt den grauen Bildschirm. Voll im Trend: Nun schwappt der Atlantik direkt auf den Schreibtisch. „Oxivit Sauerstoff Wasser, immer dort, wo Power gebraucht wird“.

Effekte nur im Einzelfall

Immerhin sind die Anbieter vorsichtig geworden. Vor ein paar Jahren noch wurde den Sauerstoffwässern sogar heilende Wirkung zugeschrieben. Dafür müssten sie als Arzneimittel zugelassen sein. Heute setzen die Wassermacher auf hippe Werbeplakate, Alpenbilder und Atlantikwellen. Ob die Sauerstoffwässer überhaupt eine positive Wirkung haben, ist wissenschaftlich nicht hinreichend belegt. Die Anbieter zitieren meist aus selbstbeauftragten Studien. Danach soll Sauerstoffwasser die Herz-Kreislauf-Funktion optimieren und das Herz ruhiger schlagen lassen. Was die Anbieter verschweigen: Es sind Effekte im Einzelfall, die sich bisher nicht wiederholen ließen. Erst die Reproduzierbarkeit gilt als wissenschaftlicher Beleg.

Leitungswasser reicht

Dabei sind die Fakten klar: Der Mensch braucht Sauerstoff. Er atmet ihn ein. 20 bis 500 Gramm pro Stunde. Zum Vergleich: Die getesteten Sauerstoffwässer enthalten höchstens 226 Milligramm Sauerstoff pro Liter. Wasser braucht der Mensch: mindestens 1,5 bis 2 Liter am Tag. Die Flüssigkeit hält den Stoffwechsel in Gang. Ein Minus im Wasserhaushalt kann müde machen. Folge: Kopfschmerzen, Schwäche und Kreislaufstörungen. Wer regelmäßig trinkt, hat mehr Power und Vitalität. Aber dafür reicht Leitungswasser, Mineralwasser oder ungesüßter Tee.

Schnee von gestern

Geschmacklich sind die Trendwässer eher Schnee von gestern: leicht flach, abgestanden und wenig spritzig notierten die Experten bei der Verkostung. Der Sauerstoff macht das Wasser zwar weicher und sanfter, hinterlässt aber mitunter ein kratziges, pelziges Mundgefühl. Keine Spur von neuer Frische. Ogo still, Oxivit, Oxygizer und MineralcO2 schmeckten überdies nach Kunststoff. In vier Wässern fanden die Chemiker der Stiftung Warentest Acetaldehyd. Ein Abbauprodukt aus den Kunststoffflaschen. Es riecht und schmeckt fruchtig und leicht nach Wein. Besonders ausgeprägt ist der Acetaldehyd-Geschmack beim Vilsa Vital O2. Das Wasser enthält 142 Mikrogramm Acetaldehyd pro Liter. Keine Gefahr für die Gesundheit, aber ein dickes Minus für den Geschmack.

Teurer Glaube

Wer an Sauerstoffwässer glaubt, wird trotz Kunststoffgeschmack nicht auf sie verzichten wollen. Und da der Glaube bekanntlich Berge versetzt, können die Trendwässer sogar glücklich machen. Nur billig ist dieser Glaube nicht: Ein Liter Sauerstoffwasser kostet bis zu 4,55 Euro. Am billigsten im Test ist Oxivit mit 65 Cent pro Liter. Nachteil der Trendwässer: Sie werden fast ausschließlich in Einwegflaschen angeboten. Und da die PET-Flaschen sehr leicht sind, gibts auf dem Weg zur Recyclingtonne noch nicht mal Muskeln.

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