Saubere Investmentfonds Test

Saubere Fonds achten auf mehr als auf Umwelt­schutz. Etwa darauf, dass Firmen keine Kinder ausbeuten.

Fonds mit Anspruch finden alle super, aber nur wenige kaufen sie. Wir zeigen, wie sich eine gute Idee in bare Münze verwandelt.

Blöder Fehler. Die Gletscher schmelzen lang­samer als vorhergesagt. Nicht 2035 wird das ewige Eis im Himalaya verschwunden sein, sondern erst im Jahr 2350. Ausgerechnet der Welt­klimarat der Vereinten Nationen hat geschlampt. Andere Forscher haben den Klimawandel gleich absicht­lich dramatischer dargestellt, als er ist, und Daten gefälscht. Sie haben der Sache einen Bären­dienst erwiesen.

Aber selbst wenn der Klimawandel nicht so schnell statt­findet, wie oft behauptet – es gäbe genügend andere Gründe, sein Geld sauber anzu­legen. So gut wie keiner findet es gut, wenn die Umwelt kaputt­geht. Und die wenigsten mögen ihr Geld in Verbindung mit Waffen­produktion wissen oder mitschuldig sein an Kinder­ausbeutung.

Saubere Investmentfonds Test

Die Zielgruppe von sauberen Geld­anlagen ist riesig. Aber noch sind nach­haltige Fonds Außenseiter auf den Märkten. Die Branche schaffte es bisher nicht, viele Leute für ihre Produkte zu begeistern. Das liegt schon am Begriff „Nach­haltig­keit“. Irgendwie stellt sich jeder etwas darunter vor und doch versteht ihn keiner so richtig. In Bezug auf saubere Fonds heißt nach­haltig, dass die Auswahl der Aktien und Anleihen für die Fonds außer nach wirt­schaftlichen auch nach ökologischen oder ethischen Gesichts­punkten geschieht (siehe Infografik).

Ein weiterer Grund für die Skepsis mag sein, dass einige Fonds gar nicht so grün sind, wie es scheint, oder dass die Anleger nicht darin finden, was sie sich vorstellen .

Finanztest legt die Kriterien offen

Es ist nicht einfach so, dass ein sauberer Fonds ein sauberer Fonds ist. In Wahr­heit legen die Anbieter bei der Auswahl ökologischer, sozialer oder ethischer Aktien und Anleihen teil­weise hunderte Kriterien an. Da durch­zubli­cken ist schier unmöglich.

An dieser Stelle setzt unsere Unter­suchung an. Wir haben aus über hundert Kriterien rund zwei Dutzend heraus­gefiltert und in unseren Tabellen dargestellt. Zur besseren Über­sicht haben wir die Auswahl­kriterien der Fonds zudem in zwei Gruppen unterteilt, „grüne“ und „blaue“. Grün steht für Ökologie, blau für Ethik.

Zudem haben wir den Anla­geschwer­punkt des Fonds angegeben. Ein Fonds ist „öko“, wenn er vor allem Wert auf Umwelt­belange legt. Solche Fonds schließen zum Beispiel Branchen wie die Atom-, Öl- oder Luft­fahrt­industrie von vorn­herein aus.

Über­wiegen ethische Kriterien, haben wir den Fonds unter dem Schwer­punkt „Ethik“ einge­stuft. Dann kommt es zum Beispiel bei der Aktien­auswahl auf offene Gewerk­schafts­arbeit oder Gleichberechtigung in Unternehmen an.

Ein ganzes Depot sauber bestü­cken

Saubere Investmentfonds Test

Die Depots zeigen, wie Anleger ihre saubere Geld­anlage vernünftig gestalten können. Den größten Anteil machen mit 60 Prozent die Rentenfonds aus. Sie investieren in sichere Zins­papiere. Den Rest haben wir mit Aktienfonds bestückt, vor allem mit breit streuenden, welt­weit anlegenden Fonds, dazu je zwei Themenfonds zur Beimischung.

Die Depots zeigen, wie Anleger ihre saubere Geld­anlage vernünftig gestalten können. Den größten Anteil machen mit 60 Prozent die Rentenfonds aus. Sie investieren in sichere Zins­papiere. Den Rest haben wir mit Aktienfonds bestückt, vor allem mit breit streuenden, welt­weit anlegenden Fonds, dazu je zwei Themenfonds zur Beimischung.

Es gibt eine breite Auswahl an welt­weit anlegenden Aktienfonds, einige wenige Rentenfonds, ein paar Misch­fonds und zahlreiche Themenfonds, die sich mit erneuer­baren Energien, Klimawandel oder mit Technologien rund um den Rohstoff Wasser beschäftigen. Die Produktpalette ist so groß, dass Anleger alle ihre Geld­anlage­ideen sauber umsetzen können.

Einfach drauflos­kaufen geht aber nicht. Dafür sind viele der ethisch-ökologischen Fonds noch zu klein oder zu speziell. Damit das saubere Depot in Bezug auf Chancen und Risiken den Grund­sätzen herkömm­licher Geld­anlage genügt, haben wir beispielhaft zwei Depots zusammen­gestellt, eines mit ökologischem Akzent und eines mit Schwer­punkt Ethik (siehe Infografik).

Das Ökodepot hat in den vergangenen fünf Jahren eine Rendite von 4,6 Prozent pro Jahr erzielt. Es war besser als ein Vergleichs­depot aus normalen Marktindizes, das nur 3,9 Prozent pro Jahr erreicht hat. Das Ökodepot hat aber stärker geschwankt.

Das Ethikdepot war schlechter. Es hat nur 3,4 Prozent pro Jahr geschafft.

Beim Zusammen­stellen der Depots haben wir darauf geachtet, dass die Fonds in unserem Dauer­test der Fonds­qualität eine gute Finanztest-Bewertung erreicht haben. Sie müssen breit gestreut sein und offen darstellen, was sie machen. Indexfonds sind nicht dabei, weil es keine gibt.

Unsere zwei Musterdepots

Als sichere Basis für beide Depots haben wir die Rentenfonds Espa Vinis Bond und Kepler Ethik Renten gewählt. Beide investieren in Staats- und Unter­nehmens­anleihen.

Der Espa ist der beste im Test, der Kepler gefällt uns, weil er auch an Staats­papiere strenge Kriterien anlegt. Der KCD Union kam nicht infrage, weil er sich nicht in die Karten blicken lässt. Die anderen Rentenfonds aus der Tabelle: Ökologische und ethische Rentenfonds Eurosind zu schlecht.

Der Aktien­anteil im Ökodepot besteht haupt­sächlich aus dem Pioneer Global Ecology. Er legt welt­weit an und hat die breiteste Streuung. An zweiter Stelle steht der Green Effects. Er enthält Aktien aus dem Natur­aktien­index (NAI), der ein sehr strenges Nach­haltig­keits­konzept verfolgt. Der Green Effects hat von allen nach­haltigen Welt­fonds die beste Finanztest-Bewertung, kann das Geld aber maximal auf 30 Werte verteilen – für eine Basis­anlage ist das zu wenig. Den Dritten im Bunde bildet der Öko-Aktienfonds der DZ-Bank, der über­wiegend in Deutsch­land­aktien investiert.

Im Ethikdepot haben wir den Aktien­anteil mit dem Espa Vinis Global und dem Kepler Ethik Aktienfonds bestückt.

Die Beimischungen

Aktienbranchenfonds bilden eine kleine Beimischung. Für das Ökodepot haben wir die Fonds Smart Energy und Sustainable Water der SAM Group Zürich ausgewählt. Sie belegen in ihrer Gruppe den ersten Platz. Die beiden Themenfonds von KBC für erneuer­bare Energien und Wasser legen mehr Wert auf ethische Kriterien. Sie sind deshalb Teil des Ethikdepots.

Allmählich wachen die Großen auf

In den Tabellen finden sich wenige Fonds großer deutscher Gesell­schaften. Sie haben das Feld lange den Kleinen über­lassen. Deutsche Wurzeln hat der Pioneer Global Ecology, er hieß früher Activest Ecotech. Nur die Allianz ist sonst noch unter den zehn besten sauberen Aktienfonds Welt vertreten.

Doch allmählich kommt der Gedanke auch bei den Großen an. Immer mehr Konzern­vorstände bekommen ihre Boni danach, wie gut ihr Unternehmen im Nach­haltig­keits­rating abschneidet. Die DWS ist schon seit einiger Zeit dazu überge­gangen, in ihren internen Programmen zu den ­Finanz­analysen der Unternehmen auch deren Nach­haltig­keits­bewertung zu stellen.

Auch die Finanz­krise hat der guten Sache einen Schub verpasst: Viele Anleger haben den Zocker­bankern die rote Karte gezeigt und ihr Giro­konto und ihr Tages­geld zu ­einer Bank mit ethischem Anspruch verlegt. Rendite um jeden Preis ist out.

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