Saubere Geld­anlage: Sauberes Know-how

Saubere Investmentfonds Test

Die Herstellung der Autos und das Recycling von BMW gelten als umwelt­schonend. Deshalb halten viele saubere Fonds Aktien des Konzerns.

Aktienfonds Welt. Für viele Anleger gehören große Konzerne nicht in ethisch-ökologische Fonds. Warum nicht? Es lohnt ein näherer Blick.

Die Investitionen mancher Nach­haltig­keits­fonds klingen wie eine Liste von Tank­stellen und ihrer Zulieferer: BP, Total, Royal Dutch Shell. Was soll denn an Ölkonzernen öko sein? Auch der Auto­bauer BMW findet sich da, der Misch­konzern Unilever, der wegen genver­änderter Substanzen in Kritik geraten war, oder das Berg­bau­unternehmen Rio Tinto, das zu den welt­größten Uran­förderern gehört.

Der Eindruck, dass die Manager jede x-beliebige Aktie zulassen, täuscht aber. Ehe sich ein Titel qualifiziert, durch­läuft er ein ausgeklügeltes Auswahl­verfahren. Die Nach­haltig­keits­forscher filtern die Firmen nach teil­weise hunderten von Kriterien. Sie verschi­cken Fragebögen, ziehen die Erkennt­nisse von Greenpeace oder Attac zurate oder werten Medienbe­richte aus.

Für viele Anleger bleibt die Titel­auswahl der Fonds trotzdem ein Rätsel. Damit Nach­haltig­keit keine Sache für Einge­weihte bleibt, zeigen wir an ein paar Beispielen, worauf es ankommt.

Die Bösen scheiden aus

Am leichtesten können Anleger noch die Ausschluss­kriterien nach­voll­ziehen. „Böse“ Branchen scheiden aus. Einige Fonds kaufen eben gerade keine Aktien von Ölkonzernen. Das sind aber nur vier der zehn besten sauberen Aktienfonds Welt (siehe Tabelle: Die zehn besten Aktienfonds Welt, die sauber anlegen). Breiteren Widerstand erfährt die Atombranche, die für sechs von zehn Fonds nicht infrage kommt.

Ethische Fonds schließen Kinder­arbeit, Alkohol, Waffen oder Tier­versuche aus.

Auf der Gold­waage

Ganz so einfach ist es dann aber oft doch nicht. Tier­versuche, sagen einige, seien nicht per se schlecht, und erlauben medizi­nisch notwendige. Andere, wie Swiss­canto oder die Schweizer Bank Sarasin, schließen nicht jedwede, sondern nur ausbeuterische Kinder­arbeit aus. Mitunter sei der Beitrag der Kinder zum Familien­einkommen lebens­notwendig, sagt auch die Kinder­hilfs­organisation Terre des Hommes.

Die Rüstungs­industrie wirft wieder andere Probleme auf. Alle zehn dargestellten Welt­aktienfonds schließen Unternehmen, die Waffen bauen, ganz oder teil­weise aus. Einige Fonds tolerieren aber einen kleinen Umsatz­anteil – weil es nicht anders möglich sei. Alles, was mit Rüstung zu tun hat, finde im Verborgenen statt. Es sei nicht sicher auszuschließen, dass eine Firma über eine Beteiligung irgendwo auf der Welt doch etwas mit Waffen mache, heißt es.

Über­haupt, die Töchter der Firmen. Es genügt nicht, bei der Nach­haltig­keits­prüfung nur die Unternehmen selbst ins Visier zu nehmen. Dafür ist die Welt viel zu vernetzt. Schließt ein Fonds bestimmte Branchen oder Praktiken aus, dann sollte sich das auch auf Tochter­unternehmen, Beteiligungen und auch die Zulieferer beziehen.

Am weitesten gehen an dieser Stelle der Fonds Green Effects, unser Tabellen­erster, sowie der Ökovision von Ökoworld. Er ist der älteste Ökofonds und war lange Zeit ­unter den besten Aktienfonds Welt. Zurzeit gehört der Ökovision allerdings nicht zu den Besten und ist deshalb nicht in der Top-Ten-Tabelle aufgeführt.

Was an Ölkonzernen öko ist

Während Ausschluss­kriterien die Welt in gut und böse aufteilen, erlauben Positivmerkmale eine feinere Betrachtung. So kommen die Ölkonzerne ins Spiel.

Natürlich fördern BP, Total und Shell fossile Brenn­stoffe. Aber sie zählen auch zu den großen Produzenten erneuer­barer Energien – und weil das so gut ist, schaffen sie es doch in nach­haltige Fonds.

So ähnlich funk­tioniert das bei Autos, die ja auch stinken. BMW zum Beispiel. Die Schweizer Rating­agentur SAM Group, die die Dow-Jones-Sustainability-Indizes zusammen­stellt, hat die Bayern in ihrer Branche zum führenden Nach­haltig­keits­unternehmen gekürt.

Aber auch ihre Plus­punkte verteilen die Nach­haltig­keits­forscher auf ganz unterschiedliche Art. Bei Sarasin zum Beispiel hat BMW unter anderem wegen schlechter Noten für die Forschung wenig Chancen. Die Basler zählen Peugeot zu den besten.

Eine Firma, die zu den Stars der Nach­haltig­keit gehört, muss das nicht dauer­haft bleiben. Toyota ist dafür ein Beispiel. Sarasin hat die Japaner herab­gestuft. Auch für den DWS Responsibility kommt Toyota nicht infrage

Von Besten und Klassen­besten

Von den zehn Welt­aktienfonds aus unserem Test wählen acht die Titel nach der Best-in-Class-Methode aus. Sie teilen die Aktien zunächst in Branchen ein und suchen sich aus der jeweiligen Branche die Besten heraus. Das Auswahl­verfahren ist umstritten, weil auf diese Weise nicht nur Firmen sauberer Branchen in den Fonds landen – wie Rio Tinto, das zwar nicht wirk­lich sauber ist, aber besser als andere in der Rohstoff­branche, oder Unilever, das bei SAM sogar Klassen­bester ist.

Wo das Know-how herkommt

Fonds­manager kennen sich gemeinhin mit Zahlen besser aus als mit Nach­haltig­keit. Die meisten kaufen sich das „Research“, die Markt­forschung zur Nach­haltig­keit, deshalb ein, etwa von SAM oder Oekom ­Research aus München. Sarasin und Ökovision haben eine haus­eigene Abteilung, die vom Fonds­management getrennt ist.

Manchem Anleger ist eine solche Trennung von sauberen und wirt­schaftlichen Faktoren lieber. Ein Manager, der beides macht, könnte womöglich in Interes­sens­konflikte geraten.

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