Engagement: Wer Aktien hat, darf mitbestimmen

„Wenn ich Aktien kaufe, dann kommt das Geld den Firmen doch gar nicht zugute. Was soll denn daran ein ethisches oder ökologisches Investment sein?“, das fragen uns viele Anleger.

Es stimmt, wer Aktien an der Börse kauft, gibt dem Unternehmen direkt kein neues Geld. Aber der Börsen­wert, der mit dem Kurs der Aktien steigt, ist für das Unternehmen durch­aus von Bedeutung, etwa bei Über­nahmen. Aktionäre sind zudem am Gewinn beteiligt. Da kommt es einigen schon darauf an, ob dieser fair erwirt­schaftet wird.

Entscheidenden Einfluss haben Aktionäre aber auf der Haupt­versamm­lung. Hier können sie direkt auf die Unter­nehmens­führung einwirken. Fonds­manager, die ein großes Aktien­kapital vertreten, können sich durch­aus Gehör verschaffen – und tun das auch. In der Regel schließen sie sich dazu mit anderen Investoren zusammen.

Wir haben die Fonds­gesell­schaften ­gefragt, ob das Management seine Mitbestimmungs­rechte aktiv nutzt (siehe Tabelle: Die zehn besten Aktienfonds Welt, die sauber anlegen). Ein Beispiel:

Die Schweizer Bank Sarasin hat sich an einer Initiative der Pensions­kassen­stiftung Ethos zur Haupt­versamm­lung des Pharma­konzerns Novartis beteiligt. Sie wollten erreichen, dass die Aktionäre über die Vorstands­gehälter abstimmen dürfen. Erfolg hatte diese Initiative zwar nicht, aber der Druck auf Novartis und in der Folge auch auf andere Konzerne hat sich erhöht und der Maßlosig­keit somit Grenzen gesetzt.

Viel öfter noch als öffent­lich auf Haupt­versamm­lungen sprechen die Fonds­gesell­schaften vertraulich mit den Unter­nehmens­vorständen. Oder sie bitten sie um schriftliche Stellung­nahmen. Auch auf diese Weise können sie dazu beitragen, dass die Unternehmen Miss­stände aus der Welt schaffen. Wenn ­alles nichts nützt, dann kann es auch schon mal sein, dass eine Aktie aus dem Fonds fliegt.

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