Satelliten­fernsehen Ein Kabel für mehrere Empfänger

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Satelliten­fernsehen - Ein Kabel für mehrere Empfänger
Antennenbauer. Schwer erreich­bare Sat-Schüsseln und komplexe Anlagen über­fordern Heim­werker schnell. © Mauritius Images

Darf es ein Rekorder oder Fernseher mehr sein? Der Wechsel eines 40-Euro-Bauteils ermöglicht den Anschluss zusätzlicher Empfänger.

Satelliten­fernsehen Testergebnisse für 5 Ein­kabel-Emp­fangs­module für Satellit (LNC) 08/2016

Inhalt

Besitzer einfacher Satelliten-Anlagen sind oft ein wenig unglück­lich: Sie können viele Hundert Programme ansehen – aber nur an einem Fernsehgerät. Wer einen zweiten Fernseher nutzen will oder gleich­zeitig eine Sendung sehen und eine andere aufnehmen möchte, muss neue Kabel quer durchs Haus bis hoch zur Sat-Antenne ziehen. Bisher.

In klassischen Sat-Anlagen mit Universal­anschluss braucht jeder Empfänger ein eigenes Kabel. Eine recht neue Anschluss­variante vermindert die Bauarbeiten erheblich. Die Einkabel­technik – synonym: Single Cable Router, SCR – versorgt mehrere Empfänger über ein einziges Kabel mit dem vollen TV-Programm. Dafür muss an der „Schüssel“ aber eine Baugruppe erneuert werden: das Empfangs­modul, ein rausch­armer Signal­umsetzer, eng­lisch Low Noise Converter, kurz LNC. Im einfachsten Fall stellt der Sat-Anlagen-Besitzer im Wohn­zimmer einen Fernseher mit zweifach vorhandenem Empfänger auf. Das Ausstattungs­merkmal heißt Doppel- oder Twin-Tuner. Schon können die Bewohner gleich­zeitig Nach­richten gucken und beispiels­weise eine Kinder­sendung aufnehmen. Kaum aufwendiger ist der Anschluss eines Sat-Recei­vers. Dazu ist nur eine zusätzliche Anschluss­dose erforderlich.

Einkabel­technik ohne Macken

Die Einkabel­technik startete bereits vor rund zehn Jahren. Nicht alles lief reibungs­los. Wir wollten wissen, ob die Technik ihre Kinder­krankheiten über­wunden hat. So viel vorweg: Sie funk­tioniert reibungs­los.

Für den Test installierten wir eine Sat-Anlage mit mehreren Fernsehern und Recei­vern. Daran prüften wir fünf exemplarisch ausgesuchte Signal­umsetzer: vier Einkabel-LNC mit und eines ohne Universal­anschluss für ältere Empfänger. Sie kosten zwischen 38 und 76 Euro und bieten durchweg hohe Empfangs­leistungen. Unterschiede fanden wir vor allem beim Wetter­schutz und bei der Zahl der Anschlüsse.

Stabiles Bild auch bei Regen

Die Signal­umsetzer holen das Satelliten­fernsehen besser ins Haus, als das noch vor wenigen Jahren möglich schien. Beispiel Regen und Schnee: Zu viel Wasser in der Atmosphäre verpixelt das Bild, im Extremfall friert es ganz ein. Früher montierten Sat-Besitzer in solch einem Fall einen größeren Parabolspiegel mit besserer Schlecht­wetterre­serve. Das ist mit den geprüften aktuellen LNC wohl nicht mehr erforderlich. Sie bieten viel Empfangs­reserve und entschärfen das Schlecht­wetter­problem. Der Austausch des LNC lohnt also in jedem Fall.

Dicht bei Wind und Wetter

Satelliten­fernsehen - Ein Kabel für mehrere Empfänger
Wetter­schutz. Nach der Montage des Sat-Kabels lässt sich die zunächst versenkte Abdeck­kappe heraus­ziehen. Beim Fuba-LNC reicht sie weit über den Stecker hinaus (rechts). © Stiftung Warentest

Regen stört nicht nur den Empfang. Er treibt im Verlauf der Jahre auch Feuchtig­keit in undichte Stecker. Darunter könnte auf Dauer der Empfang leiden. Wasser und Strom vertragen sich nun mal nicht. Deswegen verfügen die geprüften Einkabel-LNC über eine Abdeck­kappe. Sie wird nach der Montage nach unten gezogen und schützt die Anschlüsse, so der Plan. Die Abdeck­kappe des Technisat-Moduls über­deckt die sogenannten F-Stecker des Sat-Kabels aber nur teil­weise. Das ist ein Fall für den Antennenbauer. Er montiert mit einer Spezialzange Kompressions­stecker. Die schließen das Antennen­kabel dauer­haft dicht ab.

Schnell mal umbauen

Versierte Heim­werker können ihre Sat-Anlage in drei Schritten auf die neue Einkabel­technik umbauen (Umbau in 3 Schritten). Sie installieren auch eventuell erforderliche Anschluss­dosen. Haupt­sache, das Sat-Kabel ist lang genug. Bei unzugäng­lichen Sat-Schüsseln in gefähr­licher Höhe ist allerdings der Fachmann gefragt. Das ist schlicht eine Frage des Arbeits­schutzes. Seine Grenzen erreicht der Heim­werker wohl auch, wenn bereits die vorhandene Sat-Anlage mehrere Empfänger versorgt – jeweils mit eigenem Kabel und passender Verteiler­technik. Auch dann ist ein Antennenbauer nötig.

Eine Regel für Antennenbauer und Heim­werker: Nach dem Wechsel des Empfangs­teils müssen Fernseher und Sat-Receiver über ihr Bedienmenü umge­stellt werden, sonst bleiben sie ohne Bild. Alle Empfänger, die am Einkabel­anschluss hängen, müssen die neue Technik unterstützen und umge­stellt werden. Viele in den letzten Jahren hergestellte Geräte beherr­schen sie schon. Das ist der Fall, wenn in den Geräte­unterlagen ein Hinweis steht auf „Einkabel“ – synonym: SCR oder Unicable – mit Bezug auf die ursprüng­liche Norm DIN EN 50494 oder die aktuelle DIN EN 50607.

Satelliten­fernsehen Testergebnisse für 5 Ein­kabel-Emp­fangs­module für Satellit (LNC) 08/2016

Antennenbauer machen mehr daraus

Ein Kabel, vier Empfänger – das ist wohl die Grenze des Eigenbaus. Wer mehr will, sollte einen Fachmann beauftragen. Wir haben in unserer Unter­suchung auch kompliziertere Varianten ausprobiert. Wir koppelten zum Beispiel Radio­signale über eine Einspeiseweiche ein und integrierten ein LNC mit neuester Einkabel­technik für 24 statt 4 Empfänger. Alles funk­tionierte tadellos. Es ist auch möglich, Fernseh­signale im Doppel­haus oder in Wohnungen eines Mehr­familien­hauses zu verteilen.

Der Fachmann wird zunächst genau die Bedürf­nisse seines Kunden erfragen: Wie viele Wohnungen oder Zimmer soll er mit welchen Anschlüssen versorgen? Er installiert neue Bauteile nebst Strom­versorgung, wählt Dosen mit passender Anschluss­dämpfung aus, weist den Empfängern Kennungen und Frequenzen zu und schützt die Sat-Anlage vor Störungen.

Wer klug ist, ordert gleich den Radio- und den Fernseh­empfang über Antenne mit. Wenn ein heftiger Regenschauer den Satelliten­empfang stört, verfolgen die Zuschauer das Programm dann in aller Ruhe über ihre DVB-T-Antenne oder lauschen wie früher dem Rund­funk­reporter.

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LeChat am 08.03.2021 um 13:01 Uhr
SAT>IP Server bzw. Umsetzer

Es ist nach einer Dekade an der Zeit sich mit SAT over IP zu beschäftigen!
Leider sind die SAT>IP Server trotz ihrer fortschrittlichen Technologie bis heute ungestestet. Nachdem ich ein nach sechs Wochen mangelhaftes Gerät (Haupauge PCTV Broadway S2) in den Elektroschrott werfen muss, fehlen mir Tests, welche mich vor Fehlinvestitionen bewahren können.
Sicher ist jedoch ist, dass ich auf diese fantastische Empfangstechnik nicht mehr verzichten möchte; und so wieder auf der Suche nach einem zuverlässigeren Server bin.
Zur Info, damit Sie wissen wovon ich spreche, habe ich Ihnen einige Links beigefügt:
https://www.satip.info
ASTRA (von 2012 !) "So funktioniert die Zukunft des Satellitenfernsehens über ASTRA"
https://www.youtube.com/watch?v=LOnGa0TWVmc
Computer:Club2 (Leider nicht mehr im ARD-Programm vertreten !!!)
https://www.youtube.com/watch?v=aG4XOZvIKJA
https://www.otto.de/updated/ratgeber/satellitenfernsehen-auf-dem-smartphone-tablet-oder-pc-so-gehts-mit-sat-ip-36039/

Profilbild Stiftung_Warentest am 17.11.2016 um 12:49 Uhr
Fachbetrieb befragen

@ Radiowaves: Wir danken Ihnen für die fachliche Bereicherung unseres Testberichtes. Ihre Kommentare geben einen Einblick in die Problemfelder, die eine fachkundige Realisierung vermeiden kann.
@alle: Fachbetriebe sind in der Planung, im Aufbau und im Betrieb von Kabel- oder Satellitenempfangsanlagen der sinnvolle Ansprechpartner. Bei technischen Anfragen unsere Leser können wir immer nur den Kontakt zu einem Fachbetrieb empfehlen. Der Fachbetrieb sollte die Anforderungen an Blitzschutz, Erdung, elektrische Sicherheit, Wetterschutz, Kabellegung und Anschlussdosen kennen und beachten. (Bu)

Radiowaves am 16.11.2016 um 17:28 Uhr
Für j.kisters

"Quad-LNB" = Quattro-Switch-LNB mit eingebautem Multischalter, also 4 Geräte an 4 Kabeln klassisch direkt betreibbar?
Versuchen könnten Sie: das Kabel zu dem Raum, in dem der Twin-Receiver stehen soll, auftrennen. Dort einen 2-auf-1-Unicable-Schalter anschließen. Schalter z.B.:
Dur-Line UCP-20 http://www.durasat.de/unicable/einkabel-umsetzer-ucp-20.html
(Steckernetzteil beiliegend, wird offenbar auch generell benötigt)
Spaun SUS 21 F http://www.spaun.de/files/0ebd1_de_SUS_21_F.pdf
(Netzteil optional, wenn Receiver nicht den Schalter und das LNB speisen kann, Schalter zieht 130 mA)
An Eingang 1 das Kabel, das vom LNB kommt. An Eingang 2 ein anderes der 3 verbliebenen Kabel vom LNB. Sie müssen dafür die Versorgung eines anderen Raumes "opfern". Die Dose im "Twin-Raum" gegen eine 12 oder 15-dB-Sat-Durchgangsdose mit DC-entkoppeltem Abschlusswiderstand im Stammdurchgang ersetzen, den Receiver mit einem Kabel anschließen und auf Twin-SCR-Betrieb konfigurieren.
Ohne Gewähr!

Radiowaves am 16.11.2016 um 17:09 Uhr
Ergänzungen und Anmerkungen zum Test, Teil 10

Übrigens: das TV-Bild kann man nicht "verbessern", wenn man die Signaldämpfung minimiert. Wir haben seit 2012 ausschließlich Digital-TV via Satellit. Das einzige, was man verbessern kann, ist die Signalqualität, indem man Unter- oder Überpegel vermeidet. Damit optimiert man den Toleranzbereich gegen Empfangsprobleme aller Art, verschiebt also die Grenze des Beginns von Empfangsstörungen in den Bereich geringerer Häufigkeit. Solange der Empfang fehlerfrei möglich ist (und das ist sehr abhängig vom verwendeten Empfänger), ist die Bildqualität stets optimal. Eine schleichende Verschlechterung gibt es bei Digitalempfang nicht.
Nicht nur zu geringer, sondern auch zu hoher Signalpegel führt zu Empfangsstörungen (Klötzchenbildung, einfrierendes Bild, blubbernder Ton)! Kurze Leitungen vom LNB, zu geringe Auskoppeldämpfungen in den Dosen, große Antennen (für den Empfang gut!) können hier schnell zu zuviel Pegel führen. Signalstärke "100%" am Receiver sind oft zu viel, eher 75-90% sind ok.

Radiowaves am 16.11.2016 um 17:04 Uhr
Ergänzungen und Anmerkungen zum Test, Teil 9

Das Einkabel-Protokoll ermöglicht auch Erweiterungen bestehender "klassischer" Anlagen. So existieren z.B. am Markt Geräte, die 2 oder 3 einzelne "klassische" Receiver-Ausgänge eines vorhandenen Multischalters auf ein Kabel zusammenführen können zum Anschluss von 2 oder 3 Empfangsgeräten an diesem einen Kabel. Damit kann man auch einzelne Räume einer Wohnung, die nur mit einem Kabel versorgt werden, auf Nutzung mit mehreren Unicable-Empfängern erweitern, ohne die komplette Hausverkabelung umstellen zu müssen. An den übrigen "klassischen" Anschlüssen im Haus können weiterhin konventionelle Geräte ohne Unicable-Protokoll betrieben werden. Beispiele für so etwas: Dura-Sat UCP 20 bzw. UCP 30. Damit gelingt u.U. auch im Mehrfamilienhaus eine Erweiterung eines Anschlusses, wenn noch freie Ausgänge am existierenden Multischalter und eine Steckdose für das Netzteil vorhanden sind.