Ende April schalten Satelliten­betreiber das analoge Fernseh­signal ab. Wer sein Signal über eine Sat-Anlage empfängt, muss auf digitalen Empfang umsteigen. Betroffen sind noch etwa zwei Millionen Haushalte in Deutsch­land. test.de sagt, was tech­nisch zu tun ist – und wann Vermieter in der Pflicht sind.

Kabelnutzer sind nicht betroffen

Ende April wird das analoge Satelliten­signal abge­schaltet. Davon betroffen ist nur, wer über den Satelliten Astra (19,2 Grad Ost) fern sieht. Die Kabelgesell­schaften speisen weiterhin ein analoges Signal ein – und der terrestrische Antennen­empfang ist bereits seit Jahren digital (DVB-T). Schät­zungs­weise noch zwei Millionen Haushalte müssen bis Ende April nach­rüsten – sonst bleibt ihr Fernsehgerät anschließend schwarz.

Was tech­nisch zu tun ist

Antenne und Empfänger der meisten Geräte sind bereits digitaltauglich. Ob das der Fall ist, zeigt ein einfacher Test: Öffnen Sie die Video­text­seite 198 der Fernseh­programme Das Erste, ProSieben, RTL, SAT.1 oder ZDF. Wenn Sie dort den Satz „Sie empfangen bereits digital“ lesen, gibt es keinen Hand­lungs­bedarf. Ansonsten müssen Sie Antenne, Empfänger oder beides ersetzen. Richt­wert: Machen Sie alles neu, was 20 und mehr Jahre auf dem Buckel hat – bei sehr alten Anlagen sollte dann auch das Antennen­kabel erneuert werden. Bei Anlagen für mehrere Teilnehmer muss die Wartungs­firma ran. Eine Einzel­anlage können Sie hingegen auch in Eigen­regie umbauen:

  • Antenne. Der Signal­umsetzer, das sogenannte LNB sitzt am Ende des Trag­armes und „guckt“ in den Reflektor (umgangs­sprach­lich die „Schüssel“). Ist die Antenne von 1997 oder älter, müssen Sie den analogen Signalgeber mit hoher Wahr­scheinlich­keit gegen ein Universal-LNB austauschen. Es kostet um die 15 Euro. Vorsicht bei der Montage eines neuen LNB – die Ausrichtung der Antenne darf sich nicht ändern. Gegebenenfalls müssen Sie den Reflektor neu justieren.
  • Empfänger. In Einzel­anlagen steht der Empfänger (auch Receiver genannt) neben dem Fernseher. Gute Digitalmodelle gibt es ab etwa 70 Euro. Empfänger mit interner Aufzeichnung auf Fest­platte und Doppeltuner können mehr als 500 Euro kosten. Gute und güns­tige Receiver zeigt der aktuelle Test Sat-Empfänger.
  • Anschluss. Ein Flach­bild­fernseher zeigt die hohe Bild­qualität des digitalen Fernseh­signals nur, wenn er über HDMI ange­schlossen wird. Das HDMI-Kabel ersetzt dann das Scart-Kabel. Das ist nur noch erforderlich, wenn Sie einen Röhrenfernseher nutzen. Achten Sie darauf, dass der neue Digitalreceiver auch diesen Anschluss hat.
  • Integrierte Tuner. Wenn Sie erst jetzt auf Sat-Empfang umsteigen wollen oder von analogem Sat-Empfang auf digitalen umstellen, haben Sie eine Alternative zum neuen Receiver: Sie können sich einen neuen Fernseher mit integriertem Sat-Tuner kaufen. Diese Über­legung ist gerade bei Röhrenfernsehern ratsam, sie lohnt sich aber auch bei Flach­bild­schirmen der ersten Generation. Die neueren Geräte zeigen ungleich bessere Bilder. Mehr dazu finden Sie im Produktfinder Fernseher. Er liefert Ihnen Test­ergeb­nisse und Ausstattungs­listen für 486  Fernseher.

Mietrecht: Wer für die Umrüstung zahlt

Die Umrüstung einer Sat-Anlage kostet Geld. In Miets­häusern stellt sich die Frage: Wer muss tätig werden – und zahlen? Es gilt: Vermieter müssen aktiv werden und die Sat-Anlage umrüsten, wenn es sich um eine Gemeinschaft­anlage handelt, über die mehrere Miet­parteien im Haus die Fernseh­signale empfangen. Er muss allerdings auf seine Kosten nur dafür sorgen, dass das digitale Signal bis zur Anschluss­dose in den einzelnen Wohnungen gelangt. Den Receiver für das digitale Signal müssen Mieter selbst anschaffen, wenn sie noch keinen haben und auch das Fernsehgerät nicht damit ausgestattet ist. Diese Kosten tragen Mieter allein. Wer eine Sat-Anlage ausschließ­lich für sich nutzt, muss sämtliche Kosten für das Umrüsten selbst aufbringen.
Tipp: Wenn Ihr Vermieter die Umrüstung verschläft und Sie ab Mai kein Fernseh­signal mehr empfangen, können Sie die Miete mindern. „Für einen vollen Monat Ausfall können Mieter die Zahlung um fünf bis zehn Prozent mindern“, sagt Ulrich Ropertz, Presse­sprecher des Deutschen Mieter­bundes. Ganz wichtig: Bevor Sie die Miete kürzen, müssen Sie dem Vermieter den Mangel melden, damit er ihn beheben kann. Tun Sie das nicht und mindern Sie die Miete trotzdem, droht recht­licher Ärger.

Mehr Miete für digitales Fernsehen?

Durch das Umrüsten von analogen auf digitalen Sat-Empfang erhalten Mieter nicht mehr Fernseh­programme als bislang. Sie empfangen die Programme aber in besserer Bild­qualität. Genau dieser Unterschied kann entscheidend werden, falls Vermieter die Kosten für das Umrüsten auf digitalen Empfang als Modernisierungs­maßnahme an die Mieter weitergeben wollen – immerhin kann der Vermieter bei Modernisierung elf Prozent der Kosten auf die Jahres­miete umlegen. „Es gibt Gerichts­urteile, nach denen zusätzliche Fernseh­programme eine Wohn­wert­verbesserung darstellen“, sagt Ropertz. Ob dies aber auch der Fall ist, wenn durch das Umrüsten nur das Bild schärfer wird, sei fraglich. Noch gebe es dazu keine Recht­sprechung.
Tipp: Will Ihr Vermieter die Kosten für das Umrüsten der analogen Sat-Anlage an Sie weitergeben, sollten Sie das nicht ohne weiteres akzeptieren und zunächst einmal mit ihm reden. Bleibt er stur, können Sie der Miet­erhöhung wider­sprechen. In so einem Fall ist ratsam, sich vom Mieterbund oder einen Rechts­anwalt beraten zu lassen.

Vom Kabel zum Satelliten wechseln

Wer das Fernseh­programm bislang über Kabel empfängt und als Mieter einen eigenen Vertrag mit einer Kabelgesell­schaft hat, kann diesen Vertrag kündigen und auf Satelliten­empfang wechseln. Das spart lang­fristig Geld und bringt mehr Programme ins Wohn­zimmer. Zu beachten ist allerdings das übliche Verbot, eine „Schüssel“ sicht­bar am Haus zu montieren. Hier sollten Mieter in Ihren Miet­vertrag schauen. Unter güns­tigen Bedingungen (Südausrichtung, freie Sicht zum Satelliten) lässt sich eine mobile Sat-Antenne auf Balkon und Terrasse unterbringen, ohne dass sie wahr­genommen wird. Solche Anlagen können auch an einem Gestell auf dem Boden stehend montiert werden. Hier kommen beispiels­weise die flachen, für Camper entwickelten, Planarantennen infrage. Sie gibt es ab etwa 100 Euro.

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