Digitaler TV-Empfang: Aus für Analog

In weniger als zwei Jahren schalten die Sender das analoge Satellitenfernsehen ab. Von da an strahlen sie per Satellit ausschließlich digitale TV-Signale aus. test sagt, wer betroffen ist, und was er für den Umstieg braucht.

Als am 4. August 2003 in Berlin das analoge Antennenfernsehen ausgeschaltet wurde, titelte eine Boulevardzeitung: „20 000 Berliner sehen nur noch schwarz“. Wer zu diesem Zeitpunkt noch keinen digitalen Empfänger besaß, der sah buchstäblich in die Röhre. In den nächsten sechs Jahren wurde beim erdgebundenen Fernsehen deutschlandweit auf DVB-T (siehe Glossar) umgesattelt. Nun steht auch beim analogen Satellitenfernsehen das Aus an. Der späteste Abschalttermin ist der 30. April 2012. Damit diesmal niemand „schwarz sehen“ wird, sollten Nutzer von analogem Satelliten-TV möglichst rasch aufs digitale System DVB-S umsatteln.

Was bringt digitales Fernsehen?

Verglichen mit der analogen Übertragung ermöglicht DVB bei gleicher Sendekapazität in etwa die vierfache Programmanzahl. Die digitale Fernsehübertragung ist zudem Voraussetzung für das hochauflösende HDTV (siehe Glossar). Gegenüber der analogen Übertragung ist sie außerdem weniger störungsanfällig. Auch für die Betreiber von Bezahlfernsehen hat Digitalfernsehen Vorteile, da sie ihre Programme nun einfacher und kostengünstiger verschlüsseln können.

Wie findet die Umstellung statt?

Im Unterschied zum Antennenfernsehen, das regionsweise umgestellt wurde, wird das analoge Satellitenfernsehen flächendeckend abgeschaltet. Die ARD, das ZDF, die Mediengruppe RTL und die ProSiebenSat1-Gruppe konzentrieren sich dabei gemeinsam auf den vereinbarten Termin, den 30. April 2012. Doch einzelne Programme haben die analoge Satellitenübertragung bereits jetzt beendet. Das betrifft zum Beispiel die Satellitenübertragung von Das Vierte, CNN oder einzelne regionale Angebote der Dritten.

Was ändert sich dabei für Sie?

Wenn Sie bereits jetzt digitales Satellitenfernsehen, also DVB-S, empfangen, ändert sich für Sie nichts. Doch in Deutschland gibt es laut dem letzten Digitalisierungsbericht der Landesmedienanstalt ungefähr vier Millionen Haushalte, die Satellitenfernsehen noch analog empfangen. Falls Sie betroffen sind, sollten Sie Ihren Fernseher fit für den digitalen Empfang machen.

Tipp: Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie schon einen digitalen oder noch einen analogen Satellitenreceiver besitzen, hilft ein Blick ins Fernsehprogramm weiter. Denn analog werden per Satellit weniger als 40 Sender übertragen. Zum Beispiel senden ARD und ZDF neue Programmangebote wie EinsExtra oder ZDFneo per Satellit ausschließlich digital. Empfangen Sie diese Programme nicht, so sind Sie sehr wahrscheinlich von der Umstellung betroffen.

Brauche ich einen neuen Fernseher?

Ihren Fernseher können Sie weiterhin so nutzen wie bisher – selbst wenn es sich um ein Röhrengerät handelt. Haben Sie aber vor, HDTV zu empfangen, brauchen Sie dafür einen Flachbildfernseher, der mit „HD“ oder „HD ready“ gekennzeichnet ist. Wichtig ist vor allem ein Receiver für den digitalen Satellitenempfang. Übrigens: Einige moderne Flachbildfernseher werden schon mit einem eingebauten DVB-S-Receiver angeboten.

Was muss ich noch beachten?

Selbst nach dem Ende des analogen Satellitenfernsehens ist die bisherige Schüssel noch zu gebrauchen. Lediglich der Signalumsetzer (LNB) im Zentrum der Schüssel sowie der Receiver müssen für digitales Satellitenfernsehen geeignet sein.

Mit einem neuen Receiver oder einem satellitentauglichen Fernsehgerät ist es noch nicht getan. Der Signalumsetzer im Zentrum der Satellitenschüssel, LNB genannt (siehe Glossar), muss ebenfalls ausgetauscht werden. Schüsseln, die mehr als zehn Jahre auf dem Buckel haben, sind davon eher betroffen als neuere. Für DVB-S geeignete Signalumsetzer sind ab etwa 5 Euro erhältlich. Erkundigen Sie sich aber bei einem Fachmann, bevor Sie selber aufs Dach steigen. Die Schüssel selbst muss übrigens nicht ausgewechselt werden, wenn sie frei von Rostspuren ist.

Tipp: Wollen Sie einen Rekorder, der unabhängig vom Fernseher aufnimmt, oder ein zweites Fernsehgerät verwenden, so ist zusätzliche Elektronik notwendig. Denn mehrere Empfangsgeräte können nicht ohne weiteres an die Satellitenschüssel angeschlossen werden. Lassen Sie sich über die richtige Verkabelung vorher von einem Fachhändler beraten.

Bleibt Analogkabel weiter bestehen?

Im Gegensatz zum Satellitenfernsehen wird das Kabelfernsehen zunächst noch nicht umgestellt. Denn in Deutschland empfangen nahezu 70 Prozent der Haushalte mit Kabelempfang noch analog. Zum Vergleich: Unter all den Nutzern von Satellitenfernsehen empfängt nur noch ungefähr jeder vierte analoges Fernsehen.

Auch wenn sich für die Kunden von analogem Kabel-TV zunächst nichts ändert, so beeinflusst die Abschaltung von analogem Satellitenfernsehen die analogen Angebote im Kabel langfristig doch. Die fünf großen deutschen Kabelanbieter empfangen einige Sender ausschließlich per Satellit und schicken die Signale dann weiter ins Kabelnetz. Wenn 2012 aus dem Orbit nur noch digital gesendet wird, wandeln die Kabelanbieter die digitalen Satellitensignale in analoge um. Diese sogenannte „Reanalogisierung“ findet schon heute bei Sendern statt, die per Satellit nicht mehr analog senden. Die doppelte Belegung mit analogen und digitalen Signalen möchten sich die Anbieter aber möglichst bald sparen.

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