Sat- und Kabelempfänger Test

Unterschiede bei der Ausstattung und Handhabung teilen die HD-Receiver in Luxus- und Mittelklasse. Sie kosten 110 bis 645 Euro.

Ein Satellitenreceiver kann richtig ins Geld gehen: Fast 650 Euro kostet der Testsieger Humax iCord HD+. Doch wer bei der Ausstattung Abstriche macht, der bekommt einen guten Receiver auch schon für weniger als ein Drittel. Dann muss er aber auf etwas Luxus verzichten.

Erster Luxus: Eingebaute Festplatte

Wichtigste Unterschiede zwischen der Luxus- und Mittelklasse bei Sat-Receivern: Die teuersten verfügen über ein zweites Empfangsteil und eine interne Festplatte. Die kann programmierte Sendungen aufzeichnen und ermöglicht zudem zeitversetztes Fernsehen – auch „Time-Shift“ genannt. Damit kann der Nutzer das laufende Programm per Pausetaste anhalten und später weiterschauen. Sehr praktisch, wenn während des Tatorts das Telefon klingelt.

Zweiter Luxus: Doppelter Empfang

Dank des zweiten Empfangsteils können die Oberklassereceiver zwei Programme zugleich aufnehmen oder eines aufnehmen und ein anderes auf den Schirm bringen. Allerdings brauchen sie dafür zwei Kabel zur Sat-Antenne, und der Signalumsetzer (siehe Glossar) muss für zwei Empfänger tauglich sein. Alternative: Wenn LNB und Receiver den Einkabelstandard SCR (siehe Glossar) unterstützen, können sich mehrere Empfänger ein gemeinsames Kabel zur Schüssel teilen. Dafür gibt es verschiedene Varianten, die bekannteste heißt Unicable.

Preiswerter: Mit externer Festplatte

Sat- und Kabelempfänger Test

Die Sat-Receiver ohne interne Festplatte können auf externe Platten aufnehmen.

Die Sat-Receiver ohne interne Festplatte können auf externe Platten aufnehmen.

Auch die günstigeren Sat-Receiver ermöglichen Festplattenaufnahmen und zeitversetztes Fernsehen – wenn der Nutzer eine externe Festplatte anschließt. Dafür haben sie einen USB-Anschluss, wie er auch bei Computern üblich ist. Als Aufnahmemedium empfehlen sich kompakte Festplatten im 2,5-Zoll-Format. Die arbeiten leise und holen sich Strom über den USB-Anschluss, brauchen also kein zusätzliches Netzteil. Eine solche USB-Platte mit 500 Gigabyte Speicher gibt es ab rund 70 Euro (siehe auch Festplattentest in test 8/10). Sie bietet Platz für rund 100 Stunden Aufnahmen in HD-Qualität und sogar 300 Stunden in herkömmlicher Standardauflösung.

Im Test funktionieren die Festplattenaufnahmen weitgehend problemlos. Nur beim Wisi muss der Nutzer die Festplatte zunächst am Receiver neu formatieren. Danach ist sie am PC nicht mehr lesbar. So lassen sich Aufnahmen nicht auf den Rechner übertragen, um sie dort zu schneiden oder auf DVD zu brennen. Wegen der teils exotischen Dateiformate ist das allerdings auch bei den anderen Geräten eher etwas für Computerexperten als für Laien.

Weniger Aufnahmemöglichkeiten

Neben den Sat-Receivern haben wir auch Receiver für das digitale Kabelfernsehen DVB-C geprüft (siehe „Exklusive Kisten“). Diese Kabelreceiver bieten keine Möglichkeit für direkte Aufnahmen auf Festplatte. Wer mit ihnen dennoch aufzeichen will, kann zum Beispiel einen externen DVD-Rekorder anschließen. Das wiederum geht bei den Sat-Receivern ohne Festplatte nicht ohne weiteres: Allein der Smart hat einen zweiten Scart-Anschluss, doch ausgerechnet bei ihm funktioniert der Einschalt-Timer nicht richtig, der das Gerät für eine externe Aufnahme rechtzeitig aus dem Standby wecken müsste.

Macken bei der Handhabung

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Dem Kathrein und dem Wisi liegen externe Infrarotempfänger für die Fernbedienung bei. So kann die Empfangsbox selbst versteckt montiert werden.

Dem Kathrein und dem Wisi liegen externe Infrarotempfänger für die Fernbedienung bei. So kann die Empfangsbox selbst versteckt montiert werden.

Auch sonst gibt es Macken bei der Handhabung, die vor allem bei den billigsten Empfängern die Fernsehfreude trüben. So kann zum Beispiel der elektronische Programmführer EPG (siehe Glossar) einen praktischen Überblick über das Fernsehprogramm aller empfangbaren Sender bieten – wenn die Empfangsgeräte den Dienst ordentlich umsetzen. Doch bei den günstigeren hapert es hier meist. So zeigt der Wisi nur eine Programmübersicht des aktuellen Senders, keine für mehrere Sender. Und der Skymaster schickt den Nutzer beim Druck auf die EPG-Taste zunächst auf den kostenpflichtigen Programmservice „more.tv“. Der normale, kostenlose EPG ist nur mühsam zu erreichen und dann auch noch unübersichtlich. Unerfreulich sind auch die langen Startzeiten einiger Empfänger. So braucht der Comag 36 Sekunden, bis er vom Standby erwacht ist und ein Bild zeigt, der Kabel BW-Receiver von Humax benötigt sogar 44 Sekunden.

Digitalbild in guter Qualität

Bei der Bildqualität liegen die Receiver recht nah beieinander. Unterschiede zeigen sich vor allem dann, wenn die Geräte ganz altmodisch über den analogen Scart-Anschluss mit dem Fernseher verbunden sind. Bei Comag, Kathrein, Logisat und Wisi wirkt das Bild dann unschärfer als bei den übrigen. Comag, Logisat und Wisi zeigen zudem einen leichten Farbstich. Diese Probleme verringern sich, wenn man die Geräte über den digitalen HDMI-Anschluss verbindet – was bei Flachbildfernsehern ohnehin sinnvoller ist. Fürs hochaufgelöste Fernsehen HDTV braucht der Nutzer einen solchen Fernseher ohnehin. HDTV-Bilder zeigen die meisten Receiver tadellos, nur Logisat und Wisi fallen auch hier gegenüber der Konkurrenz etwas ab.

50 Euro für ProSieben, Sat1, RTL

Allerdings hält sich das Angebot an hochaufgelösten Programmen noch in Grenzen. Unverschlüsselt stehen per Astra-Satellit die öffentlich-rechtlichen Sender ARD, Arte und ZDF sowie die Privatsender Anixe und Servus TV zur Verfügung. Wer auch die Sender der ProSiebenSat1- und der RTL-Gruppe in HD sehen will, muss das verschlüsselte Programmpaket HD+ kaufen. In den Humax iCord und den Comag, sowie den baugleichen Receiver von Boca ist ein Entschlüsselungsmodul für HD+ bereits eingebaut. Eine Smartcard für ein Jahr HD+ liegt den Geräten bei, danach kostet das Paket 50 Euro im Jahr. Der Technisat kann zum Empfang von HD+ nachgerüstet werden, denn er bietet einen Einschub für den neuen Modulstandard CI+. Im Test klappte der Empfang von HD+ mit diesen Geräten, zeigte aber auch die Einschränkungen des Pakets beim Aufnehmen (siehe HD+).

Technotrend schluckt zu viel Strom

Eine Überraschung gab es beim Stromverbrauch. Der Empfänger von Technotrend verbraucht in der Voreinstellung im Standbymodus fast 14 Watt – zwanzig- bis dreißigmal so viel wie üblich. Wer ihn in den „Eco“-Modus umschaltet, verringert den Standbyverbrauch auf auch nicht gerade niedrige 1,8 Watt – die Startzeit verdoppelt sich dann auf 20 Sekunden. Der mit 395 Euro zweitteuerste Receiver im Test schneidet so insgesamt nur befriedigend ab. Teuer ist also auch hier nicht immer gut.

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