Sat-Empfänger Test

Mit der Winterolympiade starten Zuschauer von ARD und ZDF ins Zeitalter des hochauflösenden Fernsehens HDTV. Wir haben 15 HD-taugliche Satellitenempfänger geprüft.

Wer möchte, kann versuchen, die einzelnen Besucher zu zählen, die am 12. Februar das BC Place Stadion im kanadi­schen Vancouver füllen. Oder er genießt einfach das bunte Eröffnungsspektakel in bisher ungekannter Detailfülle. Denn wenn das olympische Feuer entzündet wird und Sportler aus mehr als 80 Nationen ins Stadion einlaufen, starten die öffentlich-rechtlichen Sender den Regelbetrieb des hochauflösenden Fernsehens (High Definition, HD) in Deutschland.

Flächendeckend empfangen lässt sich das hochauflösende Fernsehen nur über Satellit – mit einem HD-fähigen Fernseher und HD-fähigen Sat-Empfänger. Falls der Fernseher Letzteren nicht an Bord hat, kann man zu einem einfachen externen Empfänger für um die 100 Euro greifen, aber auch einen Doppelempfänger mit interner Festplatte für mehr als 700 Euro wählen. Der kann eine Sendung aufnehmen und zugleich ein anderes Programm wiedergeben.

Fast alle mit knackig scharfem Bild

Bei optimalem Antennensignal liefern fast alle Empfänger ein perfektes hochauflö­sendes Bild. Die tatsächliche Bildqualität hängt vor allem vom verwendeten Fernseher und natürlich vom Ausgangsmaterial ab. Selbst nach Start des HD-Regelbetriebs werden noch große Teile des Programms von der Standardqualität auf die hohe Auflösung hochgerechnet. Beste Qualität darf der Zuschauer daher nur bei Sendungen erwarten, die auch in HD produziert wurden.

Kleinere Schwächen beim HD-Sehtest zeigt nur der Comag: Sein Bild ist etwas dunkler und in den Rottönen leicht übersättigt. Da er keine Bildeinstellungsmöglichkeiten bietet, müsste der Nutzer Korrekturen am Fernseher vornehmen.

Alle HD-Empfänger können natürlich auch Sendungen in Standardauflösung (Standard Definition, SD) empfangen. Die Unterschiede zwischen den Geräten sind auch hier gering. Die meisten erreichen die Note „gut“, lediglich Comag, Technisat Digit HD8-S und Telestar schaffen nur ein „Befriedigend“. Bilder in Standardauflö­sung wirken bei ihnen etwas unscharf. Ein „Sehr gut“ wurde nicht vergeben, um der generell deutlich höheren Bildqualität von HD-Bildern gerecht zu werden.

Bild und Ton nicht lippensynchron

Klanglich konnten unsere Prüfpersonen keine Unterschiede zwischen den Empfängern ausmachen – bei Verwendung hochwertiger Standlautsprecher. Störend waren aber die Synchronitätsprobleme des Humax HD-Fox, die bei Sendungen mit Dolby-Digital-Ton auftraten: Bei einigen Programmen klafften Bild und Ton bei ihm merkbar auseinander. Das fällt aber nur bei Großaufnahmen sprechender Personen auf. Strahlt der Sender zusätzlich normalen Stereoton aus, hilft es, im Menü Dolby Digital abzuschalten. Bild und Ton können beim Kathrein UFS 903 ebenfalls auseinanderlaufen – hier allerdings nur bei analogem Videoanschluss über Scart und Verwendung des digitalen Tonausgangs. Über ein HDMI-Kabel mit dem Fernseher verbunden waren Bild und Ton synchron.

Tipp: HDMI ist die für HD-Wiedergabe erforderliche Verbindung zwischen Fernseher und Empfänger. Ein Scart-Kabel überträgt nur analog und in Standardauflösung.

Zwei sind etwas laut

Stören könnte auch das etwas laute Betriebsgeräusch zweier Sat-Empfänger: Der Topfield erzeugt mit seinem eingebauten Lüfter einen in ruhiger Umgebung wahr­nehmba­ren Geräuschteppich. Beim Kathrein UFS 922 ist es die bei eingeschaltetem Gerät permanent drehende Festplatte. Sie sorgt dafür, dass das gewählte Programm laufend aufgezeichnet wird. So kann der Nutzer auch noch nachträglich entscheiden, ob er die Sendung speichert – eine Besonderheit des Kathrein.

Multimedial begabt

Sat-Empfänger Test

Netzwerk- und USB-Anschluss gehören bei den meisten Empfängern zur Ausstattung.

Aufnahmefähig sind auch die meisten Empfänger ohne eingebaute Festplatte – sofern ein externes Laufwerk über die USB-Buchse angeschlossen wird (siehe „Aufzeichnen auf Festplatte“).

Tipp: Besonders geeignet sind USB-Festplatten im 2,5-Zoll-Format. Sie sind leise und werden meist über USB mit Strom versorgt. Etwa 80 Euro kostet eine Festplatte mit 500 Gigabyte – genug Platz für über 100 Stunden Aufnahmen in HD-Qualität oder 300 Stunden in Standardauflösung.

Überhaupt sind Sat-Empfänger mittlerweile kleine Computer. Viele können von einem angeschlossenen USB-Datenträger Fotos und MP3-Musik abspielen, jeder zweite auch Videos im Mpeg-Format. Der Comag kann nur Jpeg-Fotos wiedergeben. Humax HD-Fox, Kathrein UFS 903 und Technotrend haben gar keine USB-Wiedergabe. Die Empfänger von Technisat und Telestar können über ihren Netzwerkanschluss auf Mediendateien zugreifen, die auf einem Netzlaufwerk gespeichert sind. Sie werden damit zur Abspielstation fürs Heimnetzwerk im Wohnzimmer.

Sat-Empfänger Test

Mit dem Topfield lassen sich Youtube-Videos auf den Fernseher holen – die Titeleingabe via Fernbedienung ist aber fummelig.

Mit dem Topfield lassen sich Youtube-Videos auf den Fernseher holen – die Titeleingabe via Fernbedienung ist aber fummelig.

Noch weiter geht der Funktionsumfang beim Kathrein UFS 922 und beim Topfield. Beide können auch als Server genutzt werden und so für andere Rechner im Heimnetzwerk Dateien bereitstellen. Der Topfield kann außerdem Youtube-Videos, Flickr-Fotoalben und Wettervorhersagen aus dem Internet abrufen – trotz mitgelieferter kabelloser Tastatur aber nur mühsam über die Fernbedienung. Die Tastatur steuert nur ein eingebautes Spiel.

Lange Leitung, hoher Stromverbrauch

Sat-Empfänger Test

Der Kathrein UFS 922 zeigt Sender, Titel der Sendung, Anfangs- und Endzeit im Display an. Das ist ideal für den Radioempfang über Satellit.

Zwei Sat-Empfänger genehmigen sich zum Einschalten fast so viel Zeit wie ein Computer: Erst nach über 30 Sekunden sind der Hirschmann und der Kathrein UFS 922 betriebsbereit. Ähnlich träge sind sie auch beim Zappen. Für zehn Programmwechsel brauchen sie fast eine halbe Minute. Flotte Empfänger wechseln die Programme doppelt so schnell.

Auch unter Sat-Empfängern gibt es noch Stromfresser: Fast jeder zweite verbraucht im Standby mehr als ein Watt. Der Technotrend etwa genehmigt sich in Werkseinstellung rund 8 Watt – Strom für fast 12 Euro im Jahr. Vorbildlich sparsam hingegen ist der Technisat Digit HD8-S. Sein Standbyverbrauch verursacht jährlich nur Kosten in Höhe von 30 Cent.

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