Mit Fotos edler Wasser­flaschen und feinem Ambiente wirbt die Sanpuro Vertrieb GmbH aus Düssel­dorf in einer Broschüre für ihre nach­rangige Schuld­verschreibung mit 8 Prozent Zinsen pro Jahr bis Ende Oktober 2021. „Nicht der Massenmarkt für Wasser“ verspreche hohe Rendite, „sondern das Luxussegment“. Das „Mineral­wasser der Extraklasse“ sei mit Sauer­stoff angereichert. „Kenner vergleichen es mit Champagner“, frohlockt Sanpuro. Klingt toll. Trotzdem ist Sanpuro ein Fall für die Warnliste Geldanlage.

In zwei Fällen Einwilligung nicht einge­holt

Los geht es mit Problemen bei der Werbung für die Geld­anlage. Werbeanrufe sind verboten, wenn Verbraucher nicht zuvor einwilligen. Doch die hübsche Broschüre schickte ein Mitarbeiter von Sanpuro Vertrieb per E-Mail nach einem Werbeanruf an eine Interes­sentin – zusammen mit dem Wert­papier-Informations­blatt (WIB), dem Zeichnungs­schein und den Anleihebedingungen. Sie konnte sich nicht erinnern, zuvor einge­willigt zu haben. Sasan Ghiassi, Chef der britischen Muttergesell­schaft Sanpuro Holding, erläuterte auf Finanztest-Anfrage dazu, dass der Vertriebs­partner versichert habe, vor Anrufen die Einwilligung einge­holt zu haben: „Wir haben in zwei Fällen fest­stellen müssen, dass er die Einwilligung nicht einge­holt hatte.“ Die Zusammen­arbeit sei beendet worden.

Anderes Produkt als beschrieben

Neben dem problematischen Vertriebs­beispiel offen­baren sich auch Unklarheiten im Angebot. So stellt Sanpuro in der Broschüre zunächst klar, dass das dreiseitige Wert­papier-Informations­blatt (WIB) maßgeblich für die Anleihe ist. Demnach will Sanpuro Wasser­dosen im Massenmarkt wie bei Tank­stellen, Edeka und Rewe einführen – mit einem erwarteten Verkaufs­preis von 22 bis 25 Cent pro Dose. Das ist sonderbar, wo doch in der Werbebroschüre erläutert ist, dass das Luxussegment hohe Renditen verspricht und gerade nicht der Massenmarkt. Auf Finanztest-Nach­frage erklärt Sasan Ghiassi, dass man ein Erfri­schungs­getränk „für das gehobene Segment“ in Dosen in neuartigem Design „launchen“ wolle – mit Kollagen als zusätzlichem Inhalts­stoff. Sasan Ghiassi fügt hinzu, der Zusatz Kollagen sei aus Wettbewerbs­gründen „nicht deutlich erwähnt“. Ghiassi behauptet: „Wir werden die ersten in Deutsch­land sein, die diese Art Getränk anbieten“. Kollagen-Drinks an sich gibt es allerdings bereits auf dem Markt. Das Angebot wirft Fragen auf. Ein anderes Getränk, ein anderes Markt­segment – warum wurde das Wert­papier-Informations­blatt nicht aktualisiert? Für Sasan Ghiassi kein wirk­liches Problem: „Im Hinblick auf die Mittel­verwendung wurde an dem avisierten Produkt nichts weitgreifendes geändert“.

Verweis auf alten Jahres­abschluss aus dem Jahr 2016

Interes­senten für nach­rangige Schuld­verschreibungen sollten sich ein Bild von der wirt­schaftlichen Lage des Unter­nehmens machen, um einzuschätzen, ob das Unternehmen das Geld plus Zinsen wohl tatsäch­lich zurück­zahlen kann. Dazu dienen zum Beispiel Jahres­abschlüsse. Dem Wert­papier-Informations­blatt von Sanpuro sollte der Jahres­abschluss für 2016 angehängt sein. Das Jahr 2016 liegt allerdings schon lange zurück. Ghiassi dazu: „Zum Zeit­punkt der Gestattung des WIB lag kein aktuel­lerer Jahres­abschluss vor. Wir über­senden den Anlegern auf Anfrage auch den jeweils aktuellsten Jahres­abschluss, halten uns aber zunächst an die Vorgaben des veröffent­lichten Wert­papier­informations­blattes, welcher auf den Jahres­abschluss 2016 verweist.“

Der Jahres­abschluss sieht nicht gut aus

Zumindest in der E-Mail an die Interes­sentin fehlte der Jahres­abschluss ebenso wie auf der Webseite. Dort erschien er erst nach einer Nach­frage von Finanztest. Er sieht nicht gut aus, zeigt negatives Eigen­kapital, hohe Verbindlich­keiten und einen Verlust. Auch 2017 und 2018 machte Sanpuro Vertrieb laut den Abschlüssen der Muttergesell­schaft Sanpuro Holding Verlust. Laut Werbebroschüre sollen immerhin unter anderem Hotel­anlagen Sanpuro absichern: „Starke Sicherheit: Luxushotel­lerie und eigene Brunnen als Sicherheit für Anleger.“ Erkenn­bar sind sie in den Abschlüssen nicht. Noch hat Sanpuro sie auch nicht. Ghiassi erklärt dazu: „Wir verfügen über mehrere Kauf­optionen für sowohl Hotel­anlagen als auch eine Quelle, die beide bis Mitte kommenden Jahres gelten.“

Sanpuro hatte Ärger mit der Aufsichts­behörde

Im Mai 2019 hatte die Sanpuro Vertrieb GmbH wegen ihrer Schuld­verschreibung bereits Ärger mit der Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht (Bafin). Es handelt sich um eine nach­rangige Schuld­verschreibung. Anleger treten also im Insolvenzfall hinter erst­rangigen Gläubigern zurück. Sie kommen erst an die Reihe, wenn alle erst­rangigen Gläubiger befriedigt sind. In der Regel ist dann nichts mehr übrig für sie. „Aufgrund eines Form­fehlers hatten wir die Anleihe ohne das Merkmal der Nach­rangig­keit angeboten“, erläutert Ghiassi. Die Bafin wertete dies als Einlagen­geschäft ohne zugehörige Erlaubnis und verpflichtete Sanpuro, die Geschäfte rück­abzuwickeln. Das hat Sanpuro auch „unver­züglich und voll­ständig“ getan, versichert Ghiassi. All das ist bedenk­lich, das Angebot ist ein Fall für die Warnliste Geldanlage.

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