Steiffteddys sind mittlerweile zu begehrten und teuren Sammelobjekten geworden.

170.000 Mark, 190.000 Mark oder gar 270.000 Mark für einen alten Teddy? Vielleicht lohnt es sich doch, noch einmal in den alten Kisten auf dem Speicher zu kramen. Plüschbären, für die auf Auktionen Summen in dieser Höhe gezahlt werden, stammen aus dem ersten Drittel des zwanzigsten Jahrhunderts. Und allesamt haben sie einen kleinen Knopf im Ohr.

1902 wurde der erste Teddy von dem schwäbischen Familienunternehmen Margarete Steiff GmbH hergestellt und gab damit den Anstoß für die Erfolgsstory dieses Stofftiers. Heute haben Steiffteddys eine sehr große, weltweite Sammlergemeinde und gelten als etablierte Sammlerstücke, erklärt Leyla Maniera, Teddybär-Spezialistin des traditionsreichen englischen Auktionshauses Christie's.

Christie's bekannter Konkurrent Sotheby's führt auch regelmäßig Auktionen durch, die ausschließlich dieser Stofftiergattung gewidmet sind. Es gibt außerdem Teddymessen, Teddyclubs, Teddyläden, Teddyverlage, Teddybücher ­ wie es scheint einfach alles, was das wahre Sammlerherz begehrt.

60 Jahre alt und gut in Form

Sowohl solche Preise als auch diese Leidenschaft der Anhänger erreichen sonst nur Märklin-Eisenbahnen, altes Metallspielzeug und bestimmte Puppenarten, zum Beispiel von Käthe Kruse oder Jumeau. Oft erhielten Sammler bei Versteigerungen 200 bis 300 Prozent mehr als den geschätzten Wert ihres Teddys, betont Günther Pfeiffer, der jährlich im Geburtsort der Teddys, Giengen an der Brenz, im Sommer eine Steifftierauktion durchführt. Sogar ein Bundesbankdirektor und ein Vorstandsmitglied von DaimlerChrysler seien unter den begeisterten Teddysammlern zu finden.

Bei der letzten Steifftierauktion in Giengen wurden im Schnitt 4.177 Mark pro Tier erzielt. Für das teuerste fiel bei 160.000 Mark, für das billigste bei 240 Mark der Hammer. Schätzungen nehmen die großen Auktionshäuser meistens kostenlos und unverbindlich vor. Oft reicht es, ein Foto des Lieblings einzureichen. Wird der Teddy erfolgreich versteigert, erhält der Auktionator sowohl vom Käufer als auch vom Verkäufer im allgemeinen eine Provision in Höhe von 10 bis 15 Prozent des Hammerpreises zuzüglich Mehrwertsteuer.

Soll der Teddy tatsächlich finanziell in der obersten Liga mitspielen, muss er einige Voraussetzungen erfüllen. Wenn er nicht einzigartig ist, so sollte er doch zumindest einer kleineren Produktlinie entstammen. Auch sollte er mindestens 60 Jahre alt sein, wenn er dem Club der Hochgehandelten beitreten will. Am besten aber, er stammt aus den Anfängen der Teddyproduktion um 1900.

Trotz des hohen Alters muss er gut in Form und darf ­ so das Fachwort ­ "nicht abgeliebt" sein. Es erfordere von einem Sammler viel Know-how, investitionswürdige Topware zu erkennen, warnt Christina Schroeter-Herrel, Leiterin der Abteilung Kunstberatung bei der Deutschen Bank Trust. Auch herrscht laut Wirtschaftsanalyse der Dresdner Bank oftmals Uneinigkeit über Qualität, Echtheit und angemessenes Preisniveau auf dem Kunstmarkt. Dies erhöht vor allem bei weniger erfahrenen Sammlern natürlich das Risiko einer Fehlinvestition.

Doch sind die Steifftiere während der achtziger und neunziger Jahren zu einem sehr intensiv beobachteten Feld geworden, sodass sich der potenzielle Anleger hier anhand von Auktionspreislisten und Sammelbüchern einen relativ guten Überblick über Angebot und Nachfrage verschaffen kann.

Christina Schroeter-Herrel schätzt die längerfristigen Gewinnchancen beim antiquarischen Steiffteddy durchaus positiv ein. Allerdings sei dies ein Sammelgebiet, bei dem das Herz des Anlegers wohl eine größere Rolle spielte als dessen Gewinnorientierung.

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