S-Pedelecs Das Risiko radelt mit

9
S-Pedelecs - Das Risiko radelt mit

Normale E-Bikes unterstützen den Fahrer bis 25 Stunden­kilo­meter. Wer schneller fahren möchte, findet entsprechende Räder: so genannte S-Pedelecs. Sie unter­stützen bis zu 45 Sachen, brauchen aber eine Zulassung mit Moped­kenn­zeichen, und auch ein Helm ist Pflicht. Doch das Plus an Motor­kraft strapaziert Rad und Fahrer. Der ADAC – Test­partner der Stiftung Warentest – hat sich exemplarisch drei S-Pedelecs vorgenommen – und kam zu kritischen Ergeb­nissen.

Tempo wie bei der Tour de France

45 Stundenkilo­meter, das stellt völlig neue Heraus­forderungen an Rahmen, Bremsen und den Fahrer des Bikes – aber auch an die anderen Verkehrs­teilnehmer. Kaum jemand erwartet nämlich, dass ein Fahr­rad mit einer Geschwindig­keit unterwegs ist, die sonst nur die Profis bei der Tour de France erreichen. Und die sitzen auf extrem teuren, für hohe Geschwindig­keiten gebauten Renn­maschinen und nicht auf Stadt­rädern mit Elektromotor. Wie also halten Rahmen und Bremsen der S-Pedelecs der zusätzlichen Belastung stand? Dieser Frage ist der ADAC, Partner der Stiftung Warentest bei Tests von Auto­reifen, Pedelecs und Auto­kinder­sitzen, nachgegangen und hat die Qualität dreier exemplarisch ausgewählter Modelle geprüft.

S-Pedelecs

Anbieter und Modell

Preis in Euro ca.

ADAC-Testnote

Bulls Green Mover E45
www.greenmover.de

3 500

gut

Kalkhoff Pro Connect S10-36
www.kalkhoff.de

3 400

ausreichend

Raleigh Stoker B40 Premium
www.raleigh.de

3 200

ausreichend

Hohen Geschwindig­keiten nicht gewachsen

Mit kritischem Ergebnis: Bei zwei der Stadt­flitzer traten nach wenigen Kilo­metern Fahrt beim Bremsen deutlich spür­bare Vibrationen auf. Nach wenigen weiteren Kilo­metern fing die Vorderradgabel zu schla­ckern an. An ihrem Tauch­rohr trat Schmier­fett aus. Offen­bar ist die Gabel dem hohen Tempo nicht gewachsen.

(Zu) kräftige Bremsen

S-Pedelecs - Das Risiko radelt mit
Raleigh Stoker B40. Schwache Gabel. Wiegt nur 22 Kilo. Mittel­motor, gute Gewichts­verteilung. 38 km Reich­weite.

Fast schon zu kräftig reagieren hingegen die Bremsen der drei Pedelecs. Wer das erste Mal fährt, sollte die Bremsen Stück für Stück erproben. Zieht der Fahrer in einer Schreck­sekunde die Hebel zu heftig, landet er sonst buch­stäblich auf der Nase.

Risiko andere Verkehrs­teilnehmer

S-Pedelecs - Das Risiko radelt mit
Kalkhoff Pro Connect S10-36. Schwache Gabel. Durch Mittel­motor gute Gewichts­verteilung. 50 km Reich­weite.

Womit der Pedelec-Fahrer noch rechnen muss: mit der Verwunderung der anderen Verkehrs­teilnehmer. Kaum einer erwartet ein so schnell heran­sausendes „Fahr­rad“. Insbesondere Fußgänger nehmen die auf leisen Sohlen nahenden Bikes kaum wahr. Zudem kann sich der Pedelec-Fahrer darauf gefasst machen, von Auto­fahrern angehupt zu werden, weil er wie auf einem Mofa trotz vorhandenem Fahr­radweg vorschrifts­mäßig auf der Straße fährt.

Tipps

  • Versicherungs­schutz. Für ein S-Pedelec brauchen Sie eine Versicherung. Einen Über­blick über Policen und was sonst noch zu beachten ist bietet der Artikel Versicherung für Elektro-Rad und Moped: Policen für schnelle E-Bikes.
  • Helm­pflicht. Grund­sätzlich empfiehlt die Stiftung Warentest allen Fahr­radfahrern einen Helm zu tragen, seien sie nun ausschließ­lich mit Muskel­kraft unterwegs oder mit Motor­unterstüt­zung Test Fahrradhelme: 7 von 15 Helmen sind gut. Bei normalen Pedelecs besteht aber keine Pflicht zum Tragen eines Helmes. Für S-Pedelecs wird diese Frage seit längerem diskutiert. Die Bundes­regierung bejahte jüngst aber die Frage der Helm­pflicht für diese Räder in einer Antwort auf eine kleine Anfrage im Bundes­tag (Bundestags-Drucksache 17/8929 vom 26.03.2012, siehe Antwort auf Fragen 29, 31 und 32).
  • Test „normaler“ E-Bikes. Falls Sie mit dem Gedanken spielen sich ein normales E-Bike zuzu­legen: Im Test aus dem August 2011 finden Sie 12 führer­schein- und versicherungs­freie Elektrofahr­räder für eine Motor­unterstüt­zung bis maximal 25 Stundenkilo­metern. Aktuell getestete E-Bikes finden Sie in unserem Test E-Bikes im Test.
9

Mehr zum Thema

  • Unfall­forschung E-Bikes nicht riskanter als Fahr­räder

    - Laut einer neuen Studie sind E-Bikes nicht gefähr­licher als Fahr­räder ohne Motor. Lesen Sie, wer dennoch gefährdet ist und was schützt.

  • E-Bikes im Test SUV-E-Bikes – teuer und zumeist gut

    - Für Asphalt und Schotter: Sieben der neun E-Bikes im Test sind gut, aber nicht alle sind wirk­liche Allrounder. Welche der teuren SUV-E-Bikes sind ihr Geld wert?

  • Fahr­rad und E-Bike im Winter Sicher Radeln bei Eis und Schnee

    - In den Wintermonaten Fahr­rad zu fahren, kann Spaß machen und sicher sein – wenn Reifen und Fahr­weise der Jahres­zeit angepasst sind. Wir sagen, worauf es ankommt.

9 Kommentare Diskutieren Sie mit

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Bitte melden Sie sich an. Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice.

Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Profilbild Stiftung_Warentest am 11.01.2016 um 11:57 Uhr
S-Pedelecs

@HotFirefly: Vielen Dank für die Testanregung, die wir an unser Planungsgremium und das zuständige Untersuchungsteam gerne weiterleiten. (Se)

HotFirefly am 10.01.2016 um 20:21 Uhr

Kommentar vom Autor gelöscht.

HotFirefly am 10.01.2016 um 20:21 Uhr
Aktueller Test - OHNE ADAC

Leider gibt es seit dem ersten Kommentar vom 10.07.2012 keine Reaktion von Seiten der test-Redaktion. Schön wäre es, wenn der "Kommentar-Bereich" regelmäßig "beantwortet" wird - und wenn es nur 1 x jährlich wäre. So bleiben wir test-Leser leider auf der Strecke.
Fazit: Aktueller Test 2016 bitte - und ohne ADAC. Danke!

HotFirefly am 16.12.2015 um 21:52 Uhr
Zeitpunkt der Veröffentlichung und Antriebstypen

- Prima wäre es, wenn - nach dem wohl seit 11-2015 laufenden Prüfmustereinkauf der evtl. bis 2-2016 abgeschlossen sein wird - der Test schon in der Mai-2016-test-Ausgabe erfolgen würde. So hätten wir test-Leser mit Beginn der Fahrradsaison (bei diesem lauen Winter und frühen Osterferien in 2016 wohl auch deutlich früher) einen attraktiven und wichtigen Test beim Radkauf bei der Hand.
- Neben den erwähnten und wünschenswerten Tests von günstigen E-Rädern unter 1500 Euro und der Mittelklasse von etwa 2500 Euro, wäre es auch prima, sog. S-Pedelecs von Ihnen (nicht ADAC!) getestet zu sehen. Sind diese Räder ja im Bereich bis 20 km tatsächlich alternative Fahrzeuge für Einzelpersonen (ohne großem Gepäck) zum Pkw und somit ökologisch wie ökonomisch wünschenswerte "Zukunfts"-Fahrzeuge. Dies bei Preisen ab 2500 Euro (bspw. Raleigh Stoker Impuls S10) in preislicher Konkurrenz zum 25er Pedelec
- Nach Rückrufaktionen wg. u.a. Boschmotor und Akkus: Bitte alternativen aufzeigen! Danke!

thomas.allner-kiehling am 27.07.2015 um 23:26 Uhr
Die Autolobby testet die Fahrradkonkurrenz!

Sehr lustig, dass Stiftung Warentest so naiv ist und den Autofahrerlobbyverband ADAC die neuesten Spitzen-E-Bikes testen läßt, die aus dem Stand mit Strom entsprechend 1 Liter Sprit 100 km fahren können!
Wer soll diese Testergebnisse ernst nehmen?