Russ­land­krise Special

Kämpfe in der Ukraine und Sanktionen gegen Russ­land sorgen auch bei Anlegern für Unruhe. Jetzt hilft ein gut sortiertes Depot. Bloß keine Panik!

Härtere Sanktionen? Oder doch Waffenruhe? Die Nach­richten ändern sich zuweilen stündlich. Auch Anleger schauen besorgt auf die Entwick­lungen in der Ukraine. Die Börsen sind hin und her gerissen zwischen Angst und Euphorie.

Am ärgsten gebeutelt hat es die Börsen Russ­lands und Osteuropas – und zwischen­durch den Dax: Nach dem Juli-Rekord von 10 000 Punkten sackte er im August auf fast 9 000 Punkte ab. Im Vergleich zum Jahres­beginn liegt er mit 0,9 Prozent im Minus (Stand 29. August). Russ­land hat 11  Prozent verloren, Osteuropa 7 Prozent (siehe Grafik).

Russ­land­krise Special

Finanztest wollte wissen, wie die Manager von Fonds mit Russ­land­anteil auf die Krise reagieren, und hat im August eine kleine Umfrage unter einigen Fonds­gesell­schaften gestartet. Die Deka, Fonds­gesell­schaft der Sparkassen, bringt auf den Punkt, was viele so oder ähnlich antworten: Aufgrund der hohen Unsicherheit seien sie „noch vorsichtig bei Investitionen in Russ­land“.

Stimmung war schon schlechter

Wirk­lich düster waren die Einschät­zungen der Fonds­manager Mitte August jedoch nicht. Mark Mobius, Investment-Legende von Frank­lin Templeton, sagt: „Die lang­fristige Prognose für den russischen und den ukrai­nischen Markt ist trotz der ziemlich negativen Nach­richten positiv.“ Nach der Einschät­zung von Union Investment seien „abge­sehen von den geopolitischen Brandherden“ die Perspektiven an den Kapitalmärkten gar nicht so schlecht.

Im Früh­jahr, kurz vor dem Referendum auf der Krim, brachen die russischen Aktien gegen­über Jahres­beginn um 25 Prozent ein. Bis Anfang Juli machten die Märkte ihre Verluste fast wieder wett, doch nach dem Absturz der malaysischen Passagier­maschine spitzte sich die Krise wieder zu. Dennoch lagen die Kurse weiterhin deutlich über dem Stand von März.

Vorsicht, Panikfalle

Für Anleger heißt in solchen Phasen die Devise: nicht in Panik verfallen. Hektisches Handeln führt zu unnötigen Verlusten. Erfahrungs­gemäß verkaufen private Anleger oft zum denk­bar schlechtesten Zeit­punkt. Wer sich zurück­ziehen will, sei es ganz oder nur, um seinen Bestand herunter­zufahren, verkauft am besten nicht alles auf einen Schlag. Das verringert das Timingrisiko.

Russ­land­fonds mit Dividenden­werten

Aktienfonds Russ­land kaufen per se nur russische Papiere und können der Krise kaum ausweichen. Bisher halten sich ihre Verluste jedoch in Grenzen. Auf Fünf­jahres­sicht steht per Ende Juli ein Plus von 6 Prozent pro Jahr zu Buche, im vergangenen Jahr ein Minus von knapp 5 Prozent – gemessen am MSCI Russia Tabelle.

Angelika Millen­dorfer von Raiff­eisen Capital Management (RCM) aus Österreich sagt mit Blick auf die aktuelle Lage: „Die drohende gegen­seitige Sanktions­spirale könnte erhebliche Risiken für die gesamte Welt­wirt­schaft bedeuten.“ Millen­dorfer leitet bei RCM das Emerging Markets Aktien-Team.

Trotz aller Probleme gebe es jedoch auch positive Aspekte, die teils hohen Dividendenrenditen etwa, die zum Beispiel im Energiesektor zu finden sind. Die – in Russ­land übliche – konventionelle Ölför­derung war von den im Juli beschlossenen Sanktionen nicht betroffen, nur Spitzen­technologie.

Sollte es zu einer Ausweitung der Sanktionen kommen, könnte sich das ändern. „Ich glaube, dass trotz des schwierigen wirt­schaftlichen Umfelds viele Unternehmen weiterhin in der Lage sein werden, attraktive Dividenden zu zahlen“, sagt Millen­dorfer. Der Anfang September ausgehandelte Waffen­still­stand, sollte er nach­haltig sein, wäre ein Schritt in Richtung Deeskalation.

Der Fonds Raiff­eisen Russ­land-Aktien gehört zu den besten seiner Gruppe. Auf fünf Jahre betrachtet liegt der Fonds mit 8,6 Prozent pro Jahr im Plus Tabelle.

Noch besser war im fünf­jährigen Unter­suchungs­zeitraum der Parvest Equity Russia Opportunities mit einem Plus von 9,4 Prozent pro Jahr. Bemerkens­wert die Einjahres­rendite: Während Index und Fonds­konkurrenz im Minus liegen, verzeichnet der Parvest ein Plus von knapp 10 Prozent.

Der Fonds setzte seit Anfang des Jahres einen starken Fokus auf export­orientierte dividenden­starke Firmen etwa aus der Öl- und Gasbranche. Ende Juli lagen 45 Prozent des Fonds­vermögens in Energie­aktien. Der Finanzsektor dagegen war unterge­wichtet.

Auch Manager Odeniyaz Dzhaparov kauft für seinen DWS Russia (Isin LU 014 686 479 7) bevor­zugt dividenden­starke Titel.

Osteuropafonds nur leicht im Minus

In Osteuropafonds liegen ebenfalls viele russische Papiere: Rund 70 Prozent beträgt der Anteil Russ­lands im Index MSCI EM Eastern Europe. Polnische Papiere machen 23 Prozent aus, tsche­chische und ungarische je 3. Auch für diese Fonds­gruppe sieht die Bilanz per Ende Juli 2014 nicht schlecht aus. Die Einjahres­wert­entwick­lung des Indexes liegt mit 2,2 Prozent nur leicht im Minus Tabelle.

Während Fonds wie der UniEM Osteuropa (LU 005 473 438 8) sich auf eine Variante des MSCI EM Eastern Europa beziehen, vergleichen sich andere gemanagte Osteuropafonds wie der Schroder ISF Emerging Europe oder der Fonds DWS Osteuropa (LU 006 275 664 7) mit einer Variante des Indexes MSCI EM Europe. Dieser Index umfasst auch die Türkei und Griechen­land.

Bric im Plus

Plus 17,1 Prozent – das ist die Einjahres­bilanz des Indexes MSCI Bric. Das Kürzel steht für Brasilien, Russ­land, Indien und China. Mit einem Anteil von 11 Prozent ist Russ­land in diesem Index ein Leicht­gewicht. Vor allem Brasilien und Indien haben die Probleme Russ­lands mehr als wett­gemacht.

Der Fonds Schroder ISF Bric hat etwas weniger russische Aktien im Fonds als vom Index vorgegeben. Manager Edward Evans sagt: „Wir beob­achten die Situation genau.“ Falls nötig würden sie ihre Strategie anpassen. Der andere Fonds in der Tabelle, der UBAM Equity Bric, gewichtet die vier Bric-Länder zu je 25 Prozent und passt die Gewichtung halb­jähr­lich an.

Auf der Hut

Lang­fristiges Investieren ist schwer, wenn die Nach­richten sich über­schlagen. Alexander Dimitrov von der österrei­chischen Erste Asset Management sagt: „ Wir achten auf eine entsprechende Liquidität der Aktien, um das Portfolio gegebenenfalls rasch neuen Gegebenheiten anpassen zu können.

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