Rürup-Vertrag Test

In einen Rürup-Vertrag können Kunden Zusatzversicherungen einbauen und zwischen verschiedenen Varianten wählen.

Auf den letzten Drücker hat Christiane Hauschildt Ende Dezember noch einen Rürup-Vertrag abgeschlossen. „Ich wollte die Steuervorteile für 2006 mitnehmen“, sagt sie. Investiert hat die selbstständige Berliner Anwältin einen vierstelligen Betrag als Einmalbeitrag für eine klassische Rürup-Rentenversicherung.

Hauschildt gehört zur Hauptzielgruppe der Rürup-Rente: Selbstständige, Freiberufler und Gewerbetreibende, die nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Für sie ist die Rürup-Rente – von den Versicherungsunternehmen auch „Basisrente“ genannt – die einzige Möglichkeit, steuerbegünstigt fürs Alter zu sparen. Aber auch Angestellte und Beamte können einen Vertrag abschließen und die Steuervorteile nutzen.

62 Prozent ihres Beitrags konnten Rürup-Sparer 2006 von der Steuer absetzen. In diesem Jahr sind es bereits 64 Prozent, maximal 12 800 Euro für Singles und 25 600 Euro für Ehepaare. Und Jahr für Jahr wird es mehr. 2025 werden 100 Prozent der Beiträge steuerfrei sein, bis zur Höchstgrenze von 20 000 Euro im Jahr für Singles und 40 000 Euro für Ehepaare.

Natürlich müssen es nicht ein paar Tausend Euro auf einen Schlag sein. Auch kleine monatliche Raten sind möglich. Die können Sparer selbst festlegen.

Zusatzschutz kostet extra

Der Rürup-Vertrag dient in erster Linie der Altersvorsorge. Doch Kunden können Zusatzversicherungen mit abschließen. Bis zu 49 Prozent vom Beitrag können in Hinterbliebenen- und Berufsunfähigkeitsschutz oder in eine dieser beiden Zusatzleistungen fließen. Das hat den Vorteil, dass Rürup-Sparer steuerbegünstigt Hinterbliebene absichern oder für den Fall der Berufsunfähigkeit vorsorgen können.

Dafür müssen sie allerdings Abstriche bei der Altersrente in Kauf nehmen, wie unser Beispiel zeigt (siehe Tabelle „Fünf Verträge im Vergleich“). Unser Modellkunde ist bei Vertragsbeginn 40 Jahre alt und zahlt 25 Jahre lang jeden Monat 150 Euro Beitrag. Schließt er gar keinen Zusatzschutz ab, bekommt er in unserem Beispieltarif eine garantierte Altersrente von 210,83 Euro im Monat.

Vereinbart der Kunde für den Fall seiner Berufsunfähigkeit eine Rente, bekommt er mit 65 nur eine garantierte Altersrente in Höhe von 170,92 Euro. Ist eine Hinterbliebenenrente in den Vertrag eingeschlossen, schmälert dies seine Altersrente auf nur noch 155,50 Euro.

Der Hinterbliebenenschutz gilt nur für Ehepartner und Kinder, nicht aber für unverheiratete Partner. Vereinbart der Kunde keinen Hinterbliebenenschutz, kommt das angesparte Kapital bei seinem Tod immer der Versichertengemeinschaft zugute.

Christiane Hauschildt hat auf Zusatzversicherungen verzichtet. Weil sie demnächst Zwillinge erwartet, denkt sie zwar über Hinterbliebenenschutz nach. Den will sie aber nicht im Rahmen ihrer zusätzlichen Altersvorsorge mit der Rürup-Rente regeln. Denn das würde ihre Altersrente zu sehr schmälern. Und eine Berufsunfähigkeitsversicherung hat sie bereits separat abgeschlossen.

Garantierte Rente oder Fonds

Rürup-Rentenversicherungen werden als klassische Rentenversicherungen oder fondsgebunden angeboten. Nur bei den klassischen Angeboten bekommt der Kunde eine garantierte Verzinsung, bei den fondsgebundenen nicht. Dort hängt seine Rente davon ab, wie sich die Fonds während der Ansparzeit entwickeln. Manche Gesellschaften garantieren jedoch wenigstens eine Rente, die sich aus den eingezahlten Beiträgen ohne Zinsen ergibt.

Neben der garantierten Leistung bekommt der Kunde eine Überschussbeteiligung, wenn der Versicherer mehr erwirtschaftet hat. Wie er an den Überschüssen beteiligt wird, kann der Versicherte wählen. Bei einer klassischen Rentenversicherung gibt es drei Varianten der Überschussbeteiligung in der Ansparphase: die Bonusrente, die verzinsliche Ansammlung und die Anlage in Investmentfonds.

Am günstigsten ist die Bonusrente. Hier werden die jährlichen Überschüsse als Einmalbeiträge in die Rürup-Rente investiert. Dies erhöht dann die garantierte Rente. Bei fondsgebundenen Verträgen fließen die Überschüsse immer in Fonds.

Auf die Kosten achten

Für den Verkauf eines Rürup-Vertrags kassiert der Vermittler eine Provision. Die Abschluss- und Vertriebskosten darf die Versicherungsgesellschaft auf einen Schlag von den Beiträgen abziehen. Bei Kunden, die ihre Beiträge in Raten zahlen, fließt dann in den ersten Jahren kaum Kapital auf das Konto.

Dies wird zum Problem, wenn der Kunde seinen Vertrag schon nach wenigen Jahren beitragsfrei stellen muss, weil er den vereinbarten Beitrag nicht mehr aufbringen kann. Auf dem Konto ist dann kein Geld für eine Rente.

Die Beiträge sind entweder komplett verloren oder der Kunde erhält das Geld zurück, das nach Abzug der Abschlusskosten übrigbleibt. Die Steuervorteile muss er zurückzahlen. Kunden sollten Verträge bevorzugen, bei denen die Abschlusskosten auf mehrere Jahre verteilt werden.

Seit dem Start der Rürup-Rente Anfang 2005 haben die Versicherungen 315 200 Verträge verkauft. Banken und Fondsgesellschaften sind noch nicht ins Geschäft eingestiegen, obwohl sie dies seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2006 können.

Die Sparkassen verweisen ihre Kunden auf die Rürup-Renten-Angebote der öffentlichen Versicherer. Die Fondsgesellschaften suchen noch nach dem richtigen Weg, wie sie zwei Anforderungen der Rürup-Rente erfüllen können: Nur eine lebenslange Rente ist möglich, keine Kapitalauszahlung auf einen Schlag. Und von dem angesparten Kapital darf nichts vererbt werden.

Voraussichtlich bis zur zweiten Jahreshälfte wollen sie einen Weg gefunden haben und auch Produkte anbieten.

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