Selbst­ständige Architekten können über ihr Versorgungs­werk fürs Alter vorsorgen – und zusätzlich eine Rürup-Rente abschließen. Ob sich das für sie lohnt, sollten sie mit ihrem Steuerberater besprechen

Selbst­ständige können staatlich gefördert für eine Rente sparen – mit einem Rürup-Vertrag. Auch diese Form der Alters­vorsorge heißt, wie die Riester-Rente, nach ihrem Erfinder. Hier ist es der Ökonom und ehemalige Regierungs­berater Bert Rürup. Von Versicherern und Banken wird diese Alters­vorsorge auch Basis-Rente genannt. Im Gegen­satz zur Riester-Rente gibt es für die Rürup-Rente keine Zulagen, sondern „nur“ eine steuerliche Förderung. In diesem Special haben die Alters­vorsorge-Spezialisten der Stiftung Warentest die wichtigsten Infos zur Rürup-Rente zusammen­gestellt und geben Hinweise auf Tests, Rechner und weiterführenden Artikel.

Das Wichtigste in Kürze

Anspruch. Die Bundes­regierung hat die Rürup-Rente vor allem für Selbst­ständige einge­führt – damit es auch für sie eine staatlich geförderte Alters­vorsorge gibt. Doch auch Angestellte und Beamte können einen Vertrag abschließen.

Formen der Rürup-Rente. Es gibt die Rürup-Rente als klassische Renten­versicherung mit vorwiegend fest­verzins­licher Anlage der Beiträge und maximalem Garan­tiezins (derzeit 0,9 Prozent für Neuverträge), als Klassik-Renten­produkt mit abge­senkten Garan­tien, als fonds­gebundene Renten­versicherung und als Fonds­sparplan.

Förderung. 2020 lassen sich maximal 25 046 Euro als Beitrag für die Rürup-Rente von der Steuer absetzen. 90 Prozent dieser Summe, also 22 541 Euro, erkennt das Finanz­amt als Sonder­ausgaben an.

Auszahlung. Die Rürup-Rente wird nur als monatliche Rente ausgezahlt. Es gibt keine Kapitalzahlung auf einen Schlag. Auch eine Teil­kapitalzahlung ist nicht möglich. Die Rente muss entweder voll oder teil­weise versteuert werden – je nach Renten­beginn. Dabei gelten die gleichen Steuer­regeln wie bei der gesetzlichen Rente.

Alternativen. Selbst­ständige, die nicht pflicht­versichert in der gesetzlichen Renten­versicherung sind, können dort freiwil­lige Beiträge zahlen und sich so eine lebens­lange Rente sichern. Auch können sie mit Aktienfonds für eine regel­mäßige Auszahlung im Alter sparen, beispiels­weise mit dem von Finanztest entwickelten Pantoffel-Sparplan. Eine lebens­lange Auszahlung auch im hundertsten Lebens­jahr und darüber hinaus gibt es ganz sicher aber nur mit einer Renten­versicherung, egal ob gesetzlich oder mit einem Vertrag bei einem Versicherungs­unternehmen.

Vorsorge für Selbst­ständige

Selbst­ständige können keine betriebliche ‧Altersvorsorge abschließen und in der Regel auch nicht riestern. Deshalb kommt für sie die Rürup-Rente infrage, die dritte Form der staatlich geförderten Alters­vorsorge. Sie heißt auch Basis-Rente. Doch als Basis für eine dauer­haft verläss­liche Alters­vorsorge ist sie längst nicht für alle Selbst­ständigen geeignet. Rürup-Sparern winken nur Steuer­vorteile (keine Zulagen). Davon profitieren vor allem Gutverdiener, Solo-Selbst­ständige mit einem geringen Monats­einkommen aber nicht. 2020 lassen sich maximal 25 046 Euro als Beitrag für die Rürup-Rente von der Steuer absetzen. 90 Prozent dieser Summe, also 22 541 Euro, erkennt das Finanz­amt als Sonder­ausgaben an. Stufen­weise steigt dieser Prozent­satz bis zum Jahr 2025 auf 100 Prozent. Bei Angestellten und Selbst­ständigen, die Beiträge zur gesetzlichen Rente zahlen, ist die maximale Rürup-Förderung jedoch geringer. Denn diese Beiträge zählen mit bei der Bestimmung des gesamten maximal steuerlich absetz­baren Beitrags.

Renten­versicherung und Fonds­sparplan

Die Rürup-Rente gibt es als Fonds­sparplan, als fonds­gebundene Renten­versicherung (Fonds­police), und als klassische Renten­versicherung. Klassisch heißt: die Versicherer investieren die Beiträge der Kunden sicher­heits­orientiert, nicht in Aktien. Hierbei gibt es die Variante mit maximalem Garan­tiezins von derzeit 0,9 Prozent für Neuverträge („alte Klassik“) sowie die Variante mit abge­senkten Garan­tien („neue Klassik). Bei einem Fonds­sparplan fließen die Beiträge in ein Fond­sport­folio einer Fonds­gesell­schaft. Bei einer Fonds­police investiert der Versicherer in Fonds. Für alle Varianten gilt: Im Gegen­satz zur Riester-Rente gibt es bei der Rürup-Rente keine gesetzlich fest­geschriebene Garantie der einge­zahlten Beiträge. Rürup-Vorsorgesparer können also am Ende Verlust machen, wenn ihr Vertrag schlecht gelaufen ist.

Unser Rat

Abschluss. Wenn Sie angestellt sind, lohnt sich ein Vertrag in der Regel nicht, denn Sie haben keine oder nur eine geringe Steuerersparnis. Dies gilt auch für Beamte. Sind Sie selbst­ständig, sollten Sie Ihre Steuerersparnis in der Anspar­phase genau prüfen und die Steuerbelastung im Alter nicht vergessen. Wenn Sie unsicher sind, ob sich ein Vertrag für Sie lohnt, fragen Sie Ihren Steuerberater.

Entscheidung. Wenn Sie sich zu einen Vertrags­abschluss entschlossen haben, entscheiden Sie sich zunächst für eine Vertrags­variante: klassische Renten­versicherung mit Höchst­rechnungs­zins von derzeit 0,9 Prozent oder Renten­versicherung mit abge­senkter Garantie, fonds­gebundene Renten­versicherung oder Fonds­sparplan. Wählen Sie dann ein gutes Angebot aus. Unser Vergleich Rürup-Rente zeigt: Es gibt nur sehr wenige.

Alters­vorsorge. Prüfen Sie Alternativen für Ihr Alters­vorsorge. Als Selbst­ständiger können Sie freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Dies ist angesichts der nied­rigen Zinsen am Kapitalmarkt derzeit güns­tiger als eine Rürup-Rente. Die gesetzliche Renten­versicherung ist unabhängig vom Kapitalmarkt.

Wenig flexible Alters­vorsorge

Eine Kündigung des Vertrages ist nicht möglich. Es gibt keinen Rück­kaufs­wert. Wer nicht weiter einzahlen will, kann seinen Vertrag beitrags­frei stellen. Dann läuft er weiter bis zum Beginn des Ruhe­stands. Aus dem dann geringeren Guthaben wird eine Rente gezahlt. Kunden können in der Spar­phase den Anbieter wechseln. Doch ein Wechsel lohnt sich nur, wenn der neue Anbieter weniger Kosten nimmt als der alte und die Kostenbelastung über die gesamte Vertrags­lauf­zeit geringer ist. Die Entscheidung für einen Rürup-Vertrag bedeutet für die Auszahlung ein für allemal: Es gibt eine monatliche Rente. Eine Kapitalzahlung ist nicht möglich.

Schutz für Hinterbliebene

Kunden mit einer Rürup-Renten­versicherung können einen lebens­lange Rente für ihren Ehe- oder Lebens­partner vereinbaren. Dieser Schutz ist jedoch teuer. Viel güns­tiger ist eine Renten­garan­tiezeit von zehn Jahren. Stirbt der Versicherte in dieser Zeit, wird die Rente an den Hinterbliebenen bis zum Ablauf von zehn Jahren nach Renten­beginn gezahlt. Enthält der Vertrag gar keinen Schutz für Hinterbliebene, gehen diese leer aus. Ein Vererben der Rürup-Rente ist nicht möglich.

Gleiche Steuer­regeln für Rürup-Rente und gesetzliche Rente

Beiträge für eine Rürup-Rente werden steuerlich so behandelt wie die in die gesetzliche Renten­versicherung (Diese Abgaben zahlen Sie auf Ihre Rente). Also: Den Steuerkick gibt es für beide Vorsorgevarianten. In der Renten­phase ist die Besteuerung ebenfalls gleich geregelt. Beginnt die Rente im Jahr 2020, sind 80 Prozent davon steuer­pflichtig. Dieser Prozent­satz, der bis zum Jahr 2040 stufen­weise auf 100 Prozent ansteigt, gilt sowohl für eine Rürup-Rente als auch für eine gesetzliche Rente. Wer sich 2040 zur Ruhe setzt, muss also die volle Rente versteuern. Allerdings gelten Frei­beträge.

Tipp: Mithilfe unseres Rechners Steuerberechnung für Rentner können Sie Ihre Steuerbelastung im Alter einschätzen.

Die bessere Alters­vorsorge

Eine Alternative für Selbst­ständige sind freiwil­lige Einzahlungen in die gesetzliche Renten­versicherung. Bis zu 15 400 Euro Beitrag können sie 2020 einzahlen. Derzeit ist die gesetzliche Rentenversicherung die bessere Altersvorsorge – auch für nicht in der gesetzlichen Renten­versicherung pflicht­versicherte Selbst­ständige. Bei der gesetzlichen Rente werden Beiträge nicht gespart, sondern gleich an die Rentner „weitergereicht“. Dieses „Umlage­verfahren“ ist nicht vom Kapitalmarkt abhängig; derzeit ein Vorteil.

Tipp:Wie viel Rente es für den freiwil­ligen Beitrag gibt, kann sich jeder mit Hilfe unseres Rechners freiwillige Rentenversicherung selbst ausrechnen.

Leser­aufruf – Ihre Erfahrungen sind gefragt

Haben Sie Anregungen oder Vorschläge für unsere Bericht­erstattung zum Thema Rürup-Rente? Wie sind Ihre Erfahrungen mit Ihrem Anbieter? Schreiben Sie uns bitte eine E-Mail an rueruprente@stiftung-warentest.de. Selbst­verständlich behandeln wir Ihre Angaben vertraulich.­ Dankeschön!

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