Rürup-Rente Meldung

Sparer müssen bei dieser Altersvorsorge vorsichtig sein: Für viele ist sie nicht geeignet, andere wählen den falschen Tarif.

Alles richtig machen bei der Altersvorsorge – mit der Rürup-Rente ist das ganz und gar nicht einfach. Viele Selbstständige, für die die Rürup-Rente erfunden wurde, überschätzen ihre finanziellen Möglichkeiten und können die Beiträge nicht über viele Jahre bis zum Rentenalter aufbringen. Oder sie sind sich nicht darüber im Klaren, dass der Abschluss eines Rürup-Vertrags auch Risiken birgt. Oder sie wählen das falsche Rürup-Angebot aus. All dies kann teuer werden.

So heißt es in den Bedingungen eines fondsgebundenen Rürup-Tarifs des Versicherers Aspecta lapidar: „Bei Beitragsfreistellung im ersten Versicherungsjahr erlischt die Versicherung.“ Für Kunden, die in dieser Zeit die Einzahlung in ihren Vertrag stoppen, bedeutet dies: Ihre bis dahin gezahlten Beiträge sind verloren. Doch auch noch nach mehr als einem Jahr kann bei Beitragsfreistellung ein Totalverlust der Beiträge drohen – wenn die Fonds schlecht laufen und das Fondsvermögen laut Versicherungsbedingungen noch nicht für eine Rente reicht.

Üblicherweise läuft der Vertrag weiter, wenn der Kunde keine Beiträge mehr zahlt; die Rente ist jedoch viel geringer. In diesem Fall gibt es aber gar keine Rente.

Die Verbraucherzentrale Hamburg hat die Aspecta deshalb verklagt. Der Deutsche Ring, der eine ähnliche Klausel in seinen Verträgen verwendete, entging einer Klage, weil er eine Unterlassungserklärung abgab. Dagegen lässt es Aspecta auf einen Prozess ankommen. Doch überzeugt davon scheint der Versicherer selbst nicht: In Neuverträgen verzichtet er auf die Klausel.

8 400 Euro Verlust

Auch viele andere Versicherer halten sich beim Kunden schadlos, wenn er seinen Vertrag beitragsfrei stellt. So hat unser Test der klassischen Rürup-Rentenversicherung ergeben, dass eine Beitragsfreistellung mehrere Tausend Euro kosten kann. Die LVM beispielsweise verlangt in dem getesteten Tarif, dass der Kunde einen Rentenanspruch von 50 Euro im Monat erwerben muss. Schafft er dies nicht bis zu dem Tag, an dem er seinen Vertrag beitragsfrei stellt, sind seine gesamten Beiträge futsch. Ein Kunde, der 25 Jahre lang jährlich 1 200 Euro zahlen will, braucht bei der LVM acht Jahre, um auf diese jährliche garantierte Mindestrente zu kommen. Stellt er seinen Vertrag vorher beitragsfrei, ist das Geld weg; stoppt er etwa nach sieben Jahren seinen Beitrag sind es 8 400 Euro, die der Kunde dann in den Wind schreiben muss.

Beim Versicherer Fortis muss derselbe Kunde einen Mindestrentenanspruch von 25 Euro im Monat erwerben. Dafür benötigt er vier Jahre. Stellt er vorher die Beitragszahlung ein, sind seine Beiträge weg. Hört er also zum Beispiel nach drei Jahren auf, sind 3 600 Euro verloren. Dies alles mit staatlichem Segen! Denn für die Rürup-Rente gibt es viel Geld vom Staat.

Er fördert die Rürup-Rente mit Steuervorteilen. So sollen sich vor allem nicht rentenversicherungspflichtige Selbstständige eine Altersvorsorge aufbauen. Eine andere Möglichkeit, staatlich gefördert fürs Alter zu sparen, haben sie nicht. Das Finanzamt erkennt die Beiträge bis zur Höhe von 20 000 Euro für Alleinstehende und 40 000 Euro für Ehepaare steuermindernd an und zieht dieses Jahr 66 Prozent als Sonderausgaben ab. Dieser Prozentsatz steigt bis 2025 stufenweise auf 100 Prozent – bis zum Höchstbeitrag von 20 000 (Alleinstehende) und 40 000 Euro (Ehepaare). Dafür müssen Rürup-Rentner einen je nach Rentenbeginn steigenden Anteil ihrer Rente versteuern.

Keine Beitragsgarantie

Rürup-Rentenversicherungen gibt es als klassische oder fondsgebundene Variante. Außerdem sind Rürup-Fondssparpläne auf dem Markt. Sie werden bisher allerdings nur von den Fondsgesellschaften Deka und DWS angeboten.

Bei einer klassischen Rentenversicherung erfährt der Kunde vor Vertragsschluss die Höhe seiner garantierten Rente, die durch Überschüsse noch steigen kann. Bei Produkten mit Fonds trägt er das Anlagerisiko. Bei diesen Verträgen muss der Versicherer keine Rentengarantie geben.

Im Gegensatz zur Riester-Rente ist bei der Rürup-Rente auch nicht immer garantiert, dass zu Beginn der Rentenphase mindestens das eingezahlte Geld vorhanden ist. Wenn die Fonds schlecht laufen, sind auch Verluste möglich. Ein Kapitalerhalt ist nicht gesetzlich vorgeschrieben.

Auch hapert es oft mit der Flexibilität bei der Beitragszahlung. Gerade Selbstständige brauchen möglichst viel Freiraum beim Vorsorgesparen. Denn oft verfügen sie nicht über ein sicheres Einkommen und können nur schwer abschätzen, wie viel Geld sie regelmäßig über Jahre hinweg für ihre Altersvorsorge zurücklegen können.

Flexibel – das bedeutet zum Beispiel die Möglichkeit, zu den bisherigen Konditionen neben den vereinbarten laufenden Beiträgen weiteres Geld in den Vertrag zu investieren; also beispielsweise wenn die Auftragslage eines Freiberuflers gut und zusätzliches Geld für die Altersvorsorge übrig ist. Dies erlauben die Versicherer jedoch nur bei weniger als der Hälfte der von uns getesteten Tarife.

Auch die Möglichkeit, den Anbieter zu wechseln, ist bei der Rürup-Rente nicht obligatorisch. Ein Wechsel ist nur dann möglich, wenn der Vertrag es ausdrücklich zulässt. Von den Versicherern, die wir getestet haben, erlauben dies nur zwei in ihren Vertragsbedingungen. Für Rürup-Sparer gilt also eine schlechtere Regelung als für Riester-Sparer.

Bei Riester-Verträgen ist der Vertragswechsel gesetzlich geregelt. Riester-Produkte bekommen von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ein Zertifikat. Das bestätigt, dass sie die Voraussetzung für die staatliche Förderung erfüllen. Eine solche Zertifizierung gibt es für Rürup-Produkte bisher nicht. Vielmehr prüft das zuständige Finanzamt in jedem Einzelfall, ob der Vertrag des Rürup-Sparers staatlich gefördert werden kann.

Dies soll sich allerdings ab dem kommenden Jahr ändern. Auch Rürup-Produkte bekommen dann ein Zertifikat. So wird beispielsweise für jeden Tarif geprüft, dass Rentenansprüche nicht vererblich und nicht übertragbar sind. Denn nur dann gibt es die staatliche Förderung. Auch eine Kapitalzahlung ist ausgeschlossen. Es gibt nur eine monatliche, lebenslange Rente.

Nicht vorgesehen ist bisher allerdings, Kunden besserzustellen und ihnen grundsätzlich ein Recht einzuräumen, den Anbieter zu wechseln, oder ihnen eine Garantie in allen Rürup-Verträgen für die eingezahlten Beiträge zu geben.

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