Rürup-Rente Test

Renditeturbo kurz vor der Rente. Der 65-jährige Klinikdirektor Arnulf Thiede und seine Frau nutzen die volle Förderung der Rürup-Rente. Kunden, die nur noch wenig Zeit bis zum Beginn der Rente haben, profitieren am meisten.

Für viele Selbstständige ist sie die einzige Möglichkeit, steuerlich gefördert fürs Alter zu sparen. Doch auch für gutverdienende Angestellte und Beamte ist sie geeignet. Finanztest hat erstmals Rürup-Rentenversicherungen untersucht. Sechs Angebote sind „sehr gut“.

Arnulf Thiede hat sie. Haiko Carrels hat sie auch. Der angestellte Klinikdirektor und der selbstständige Rhetoriktrainer sind zwei von gut 602 000 Menschen, die eine Rürup-Rente abgeschlossen haben. Den Namen gab ihr der Ökonom Bert Rürup, der die Bundesregierung bei der Rentenreform beraten hat. Finanztest hat erstmals 76 Angebote (jeweils 38 für Frauen und für Männer) für eine Rürup-Rentenversicherung getestet. Dabei haben wir festgestellt, dass es viele gute Tarife gibt. Die Angebote von CosmosDirect, Europa und Debeka haben wir sogar mit „sehr gut“ bewertet. CosmosDirect und Europa punkteten vor allem mit ihrer hohen garantierten Rente. Europa und Debeka wirtschafteten zudem sehr gut mit dem Geld ihrer Kunden.

Getestet haben wir die klassische Variante der Rürup-Rentenversicherung, bei der die Beiträge überwiegend in sicheren Zinspapieren und nicht in Fonds angelegt werden.

Die Lücke schließen

Rürup-Rente Test

Lückenfüller Rürup-Rente. Weil er als Freiberufler nicht riestern oder betriebliche Altersvorsorge betreiben kann, zahlt Haiko Carrels steuerbegünstigt in einen Rürup-Vertrag.

Die Rürup-Rente, die von der Versicherungswirtschaft auch „Basisrente“ genannt wird, soll eine Lücke schließen. So sieht es Bert Rürup selbst. Und er meint die Lücke, die Riester-Rente und betriebliche Altersvorsorge offenlassen.

Damit hat der Professor die Hauptzielgruppe dieser Form der Altersvorsorge auch schon benannt: Profitieren sollen vor allem Selbstständige und Freiberufler wie Haiko Carrels. Denn sie können die staatliche Förderung der betrieblichen Altersvorsorge gar nicht und die Riester-Rente meist nur indirekt über sozialversicherungspflichtige Ehepartner nutzen.

Doch auch Beamte und Angestellte wie der Medizinprofessor und Klinikdirektor Arnulf Thiede können eine Rürup-Rente abschließen.

Im Gegensatz zur Riester-Rente, die mit Zulagen und Steuervorteilen gefördert wird, gibt es bei der Rürup-Rente nur die steuerlichen Vorteile. Allerdings werden mit Rürup viel höhere Beiträge gefördert als mit Riester. „Die steuerliche Förderung hat mich überzeugt“, sagt Carrels.

Das Finanzamt erkennt die Steuervergünstigungen bis zur Höhe von 20 000 Euro für Alleinstehende und 40 000 Euro für Ehepaare an und zieht dieses Jahr 66 Prozent als Sonderausgaben ab. Das sind bis zu 13 200 Euro für Singles, 26 400 Euro für Ehepaare. 2009 sind es bereits 68 Prozent der Beiträge. Und jedes Jahr wird es mehr. Im Jahr 2025 werden dann 100 Prozent der Beiträge steuerfrei sein – bis zum Höchstbetrag von 20 000 Euro für Singles und 40 000 Euro für Ehepaare. Dafür müssen Rürup-Rentner einen je nach Rentenbeginn steigenden Anteil ihrer Rente versteuern.

Förderung für hohe Beiträge

Rürup-Rente Test

Unflexible Vorsorge. Rechtsanwältin Dominique Schimmel möchte im Alter zwischen einer Kapital- oder einer Renten­zahlung wählen können. Deshalb passt die Rürup-Rente nicht für sie.

Rürup-Verträge haben im Vergleich zu Riester- und Firmenverträgen den Vorteil, dass sie jeder bekommen und mehrere Tausend Euro mit Steuerersparnissen investieren kann. Bei Riester wird nur ein Betrag bis 2 100 Euro gefördert. Bei der betrieblichen Altersvorsorge sind es bis zu 4 344 Euro.

Arbeitnehmer und Selbstständige, die Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung oder in ein berufsständisches Versorgungswerk einzahlen, können aber nicht die vollen 20 000 Euro oder 40 000 Euro für ihren Rürup-Beitrag nutzen. Sie müssen davon den Renten- oder Versorgungswerksbeitrag abziehen.

So haben Alleinstehende mit 40 000 Euro Bruttolohn im Jahr für eine Rürup-Versicherung noch 12 040 Euro übrig (20 000 Euro minus 19,9 Prozent Rentenbeitrag von 40 000 Euro). Ein Architekt, der zum Beispiel 8 400 Euro an sein Versorgungswerk zahlt, könnte noch 11 600 Euro in einen Rürup-Vertrag investieren, um die maximale Förderung zu erhalten.

Bei Beamten rechnet das Finanzamt die Höchstbeträge genauso aus wie bei rentenversicherungspflichtigen Arbeitnehmern.

Die Förderrendite bei Rürup ist geringer als bei Riester. Läuft ein Vertrag mit einer Produktrendite von 4 Prozent bis zur Rente noch 20 Jahre, bringt er mit Riester 5,1 Prozent, wenn ein pflichtversicherter Arbeitnehmer 30 Prozent Steuersatz hat. Mit Rürup sind es 4,8 Prozent Rendite. Läuft der Vertrag bis zur Rente nur noch fünf Jahre, sind es in diesem Beispiel 8,4 Prozent Rendite mit Riester und 7,2 Prozent mit Rürup.

Der Grund für das satte Renditeplus bei Verträgen mit kurzer Laufzeit: Die Einzahlungen sind zu einem größeren Anteil steuerfrei als später der Anteil der Rente, der steuerpflichtig ist. Ältere, die nur noch wenige Jahre bis zur Rente haben, haben also im Vergleich zu Jüngeren einen Renditevorteil. Doch auch für junge Vorsorgesparer gilt: Die Rendite einer nicht geförderten privaten Rentenversicherung schlägt ein Rürup-Vertrag allemal.

Wie hoch die Rente dann später einmal sein wird, hängt wesentlich von den Abschluss- und Verwaltungskosten des Versicherers ab sowie von den Überschüssen, die er mit den Beiträgen der Kunden erwirtschaftet.

Je höher die Kosten, desto weniger vom Beitrag fließt in den Spartopf und desto niedriger die Rente. Die Versicherer errechnen nach Abzug der Kosten und auf Basis der Lebenserwartung des Kunden eine garantierte Rente für den eingezahlten Beitrag.

Die Lebenserwartung entnehmen die Versicherer ihrer Sterbetafel, also einer Statistik zur Sterblichkeit. Weil Frauen im Durchschnitt eine längere Lebenserwartung haben als Männer, also auch länger eine Rente beziehen, bekommen sie für den gleichen Beitrag eine geringere monatliche Rürup-Rente als Männer. Im Gegensatz zur Riester-Rente hat die Bundesregierung für die Rürup-Rente keine Unisex-Tarife vorgeschrieben, also keine Tarife, die für Männer und Frauen eine gleich hohe Monatsrente für gleiche Beiträge gewähren.

Garantierte Rente ist entscheidend

Die Höhe der garantierten Rente ging mit 45 Prozent in das Finanztest-Qualitätsurteil ein. Bei der Garantierente gibt es je nach Anbieter Unterschiede bis zu knapp 100 Euro. So bekommt ein 40-jähriger Mann, der wie in unserem Modell 25 Jahre lang jährlich 6 000 Euro in einen Rürup-Vertrag einzahlt, bei CosmosDirekt ab dem 65. Lebensjahr eine garantierte Rente von 821 Euro im Monat. Bei der Barmenia sind es nur 722 Euro. Auch für Frauen bietet CosmosDirekt mit 741 Euro die höchste Garantierente der getesteten Angebote. Sehr gut bei der garantierten Rente sind auch Europa, WGV, HanseMerkur, Delta Loyd und mamax.

Auch wenn unser Modellkunde statt 6 000 Euro weniger oder mehr Beitrag zahlte, läge er bei den sehr guten und guten Tarifen unseres Tests immer richtig.

Die garantierte Rente ist den Kunden sicher. Sie ist deshalb das entscheidende Kriterium für die Bewertung eines Angebots. Doch wichtig ist auch der zusätzliche Rentenanteil aus Überschüssen. Wenn die Versicherer das Geld ihrer Kunden am Kapitalmarkt gut anlegen, gibt es mehr Rente. Denn die Kunden profitieren von den erwirtschafteten Überschüssen. So erhöht zum Beispiel die Debeka die 799 Euro garantierte Rente unseres Modellkunden auf 1 237 Euro – vorausgesetzt sie wirtschaftet künftig genauso gut wie in den vergangenen Jahren.

Der Anlageerfolg ging mit 35 Prozent ins Finanztest-Qualitätsurteil ein. Weitere Kriterien für unsere Bewertung waren die Transparenz der vor Vertragsschluss ausgehändigten Unterlagen und die Flexibilität des Vertrags. Sie haben wir bei der Beurteilung jeweils mit 10 Prozent gewertet.

Bei der Transparenz haben wir zum Beispiel überprüft, ob der Versicherer die Kunden gut über die Überschussbeteiligung und die Rentenhöhe bei Beitragsfreistellung informiert.

Flexibilität Fehlanzeige

In puncto Flexibilität haben wir unter anderem geschaut, wie viel es den Rürup-Sparer kostet, wenn er seine Beiträge nicht mehr zahlen kann oder will und den Vertrag beitragsfrei stellt. Das Ergebnis ist oft katastrophal. So legen die Versicherer fest, dass der Kunde wenigstens so viel Beiträge bis zum Zeitpunkt der Beitragsfreistellung gezahlt haben muss, dass eine Mindestrente erreicht wird. Setzt er mit seinem Beitrag vorher aus, sieht er von seinem Geld nichts wieder.

Die LVM beispielsweise verlangt, dass der Kunde einen Rentenanspruch von 50 Euro im Monat erwerben muss. Schafft er dies nicht bis zu dem Tag, an dem er seinen Vertrag beitragsfrei stellt, sind seine gesamten Beiträge verloren. Ein Kunde, der 25 Jahre lang jährlich 1 200 Euro Beitrag zahlt, braucht bei der LVM acht Jahre, um auf diese jährliche Mindestrente zu kommen. Stellt er seinen Vertrag vorher beitragsfrei, ist das Geld weg.

Auch halten sich Unternehmen bei den Kunden zum Teil mit hohen „Stornokosten“ schadlos. Stellt unser Modellkunde, der bei Asstel eine Rürup-Police mit 6 000 Euro Jahresbeitrag abschließt, seinen Vertrag nach fünf Jahren beitragsfrei, muss er 1 646 Euro zahlen.

Diese Beispiele zeigen: Die Versicherer haben ihre Vertragsbedingungen – gelinde gesagt – nicht optimal auf die Hauptzielgruppe der Rürup-Rente zugeschnitten. Dabei ist gerade für Selbstständige Flexibilität sehr wichtig. Oft verfügen sie nicht über ein sicheres Einkommen und können nur schwer einschätzen, wie viel Geld sie regelmäßig über 10, 20, 25 oder noch mehr Jahre hinweg für ihre Altersvorsorge beiseitelegen und ob sie ihre Beiträge bis zum Vertragsende durchhalten können. Deshalb brauchen sie möglichst viel Freiraum beim Vorsorgesparen.

Dies bedeutet auch die Möglichkeit, zu den bisherigen Konditionen neben den vereinbarten laufenden Beiträgen zu beliebigen Zeitpunkten weiteres Geld in den Vertrag zu investieren; also beispielsweise wenn die Auftragslage eines Freiberuflers gut und zusätzliches Geld für die Altersvorsorge übrig ist. Dies lassen jedoch nur weniger als die Hälfte der getesteten Angebote zu.

Auch sperren sich die Unternehmen gegen einen Anbieterwechsel. Nur die Vertragsbedingungen der CosmosDirekt erlauben dies. Bei allen anderen getesteten Angeboten ist dies nicht vorgesehen. Ein Kunde, der sich die Wechselmöglichkeit offenlassen möchte, muss ausdrücklich im Vertrag vermerken lassen, dass er in der Ansparphase den Anbieter wechseln darf, wenn er nicht zufrieden ist. Ob sich der Versicherer darauf einlässt, einen entsprechenden Zusatz in den Vertrag aufzunehmen, ist allerdings ungewiss. Flexibilität Fehlanzeige!

Dies gilt auch für die Rentenphase. Aber das liegt nicht an den Versicherern. Der Gesetzgeber hat die Rürup-Rente schlicht und einfach als lebenslange Rente konzipiert.

Anders als bei der Riester-Rente kann ein Sparer, der mit einem Rürup-Vertrag fürs Alter vorsorgt, bei Rentenbeginn gar keinen Teil des Geldes auf einen Schlag entnehmen. Was er angespart hat, mündet immer in eine lebenslange Rente, die frühestens mit 60 Jahren beginnen darf.

„Die Rürup-Rente ist zu unflexibel“, sagt die Rechtsanwältin Dominique Schimmel. „Vor allem stört mich, dass überhaupt keine Kapitalauszahlung möglich ist.“ Deshalb hat sie keinen Vertrag abgeschlossen.

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