Rückstände in Paprika Test

Früher pfui, heute hui: Die ehemals stark belastete Gemüsepaprika hat sich gemausert. Bei keiner Schote wurden Grenzwerte überschritten. Auffälligkeiten gab es trotzdem: etwa bei der Lidl-Paprika und einem Bioprodukt.

Die Rote ist unschlagbar. Nicht nur ihre knallige Farbe macht sie attraktiver als andere, auch bei der Süße und dem Vitamin-C-Gehalt hat sie ihren grünen und gelben Schwestern einiges voraus (siehe „Gesundes Gemüse“). Ebenso eignen sich rote Gemüsepaprika am besten, um nach Überbleibseln von Pflanzenschutzmitteln zu fahnden. Denn sie hängen besonders lange am Strauch, um zu reifen, und können so öfter mit Pestiziden behandelt worden sein. Und immer wieder wurden sehr hohe Pestizidrückstände gemessen, weshalb Paprika schon lange ein schlechter Ruf anhaftet. In unserem letzten Test vor sechs Jahren war knapp die Hälfte deutlich oder stark belastet. Kein Wunder, dass so mancher beim Einkauf ein ungutes Gefühl hat. Dennoch ist Paprika nach Tomaten, Zwiebeln und Salatgurken das beliebteste Gemüse der Deutschen.

Für den aktuellen Test wählten wir lose Ware sowie Zweier-, Dreier- und Viererpacks aus, kugelige Paprika ebenso wie längliche Spitzpaprika, die oft ein mildes, süßes Aroma und wenig Körner hat. Eingekauft haben wir die Paprika bei großen Handelsketten, Discountern, Biosupermärkten, Naturkostlä­den, türkischen Supermärkten und auf Wochenmärkten. Uns war wichtig, Schoten aus Spanien, der Türkei, Marokko und Italien im Test dabeizuhaben. Von dort kommt die Paprika fast das ganze Jahr zu uns. Das Nachtschattengewächs mag es warm.

Auf 550 Pestizide getestet

Rückstände in Paprika Test

Gemüsepaprika gibt es in vielen Farben. Grün sind nur jene, die unreif geerntet werden. Ihr Aroma ist herb, würzig und erfrischend. Rot sind die reifen, süßen Sorten. Farben dazwischen – wie Gelb, Orange und sogar Weißgelb, Braun, Violett – gehen allein auf Züchtungen der Neuzeit zurück.

Alle Paprika wurden im Labor auf rund 550 Pflanzenschutzmittel untersucht. Die meisten von ihnen schützen vor Insekten oder Pilzbefall. Das Ergeb­nis ist eindeutig: Die Pestizidfunde fielen so niedrig aus, dass nicht ein Mal Grenzwerte überschritten wurden. Die Untersu­chungsämter der Länder kommen zu ähnlich beruhigenden Ergebnissen. Seit dem Jahr 2008 hat sich die Situation spürbar verbessert.

Gänzlich ungetrübt sind die Ergebnisse trotzdem nicht. Wir fanden zwei kritische Pestizide: Iprodion und Lufenuron. Das Europäische Parlament hat gerade beschlossen, beide in Zukunft nicht mehr zuzulassen, da sie gefährliche Eigenschaften haben. Lufenuron, eine langlebige Substanz, die sich im Fettgewebe anreichert, steckte in der israelischen Paprika von Norma. Iprodion, das ins Hormonsystem eingreifen soll, fanden wir in der spanischen Paprika vom Bestsupermarkt. Beide Mengen waren jedoch so gering, dass hier kein gesundheitliches Risiko besteht. Dennoch sollten die Stoffe gar nicht erst angewandt werden.

Zweimal heißt es „deutlich belastet“

Zweimal vergaben wir das Urteil „deutlich belastet“: für die Paprika von Großdiscounter Lidl und die des VIV Bio Frischemarkts, einer Kette in Berlin und Rostock. Die Spitzpaprika von Lidl in der 500-Gramm-Packung enthielt relativ viel Cyproconazol; das ist ein Mittel gegen Pilze. Es erreichte mehr als die Hälfte des Grenzwerts von 0,05 Milli­gramm pro Kilogramm. In der VIV-Biopaprika steckte viel Rotenon, ein Pflanzenschutzmittel, das in Spanien im Ökoanbau zugelassen ist. Den ökologischen Anforderungen entsprechend hätte es allerdings zur Ernte abgebaut sein müssen.

Auch Lidl wird hier seinen eigenen strengen Vorgaben – höchstens 30 Prozent der gesetzlichen Höchstmenge auszuschöpfen – nicht gerecht. Andere Einzelhändler hingegen schon. Bei Aldi dürfen es maximal 50 bis 70 Prozent der gesetzlichen Höchstmenge sein, bei Edeka 70 bis 80 Prozent.

Fünf Bioprodukte brillieren

Bioanhänger wird es freuen: Die Biopaprika vom VIV Bio Frischemarkt erweist sich im Test als Ausreißer. Alle anderen sieben Bioprodukte überzeugen. Bei fünf von ihnen fanden wir keinerlei Pestizidrückstände. Für die Biosupermarktketten Alnatura und basic sowie für eokomma, Kaufhof und LPG lautet das Urteil „nicht belastet“. So will es auch die Ökobranche. Sie setzt sich mit einem Pestizidlimit von 0,01 Milligramm pro Kilogramm selbst hohe Maßstäbe.

Die Biopaprika von BioCompany und Erdkorn waren „sehr gering belastet“ – wie auch die Paprika von zwölf konventionellen Produzenten, die weniger als 10  Prozent der Grenzwerte ausschöpften. Unter diesen Schoten sind auch spani­sche und türkische, obwohl Spanien und die Türkei lange für ihr heftiges Sprühen berüchtigt waren. Türkische Paprika muss bis heute bei der Einfuhr den Überwachungsbehörden vorgeführt werden. Ein Umdenken hat speziell in Spanien eingesetzt: Man arbeitet mehr mit biologischer Schädlingsbekämpfung.

Neue Grenzwerte weniger streng

Rückstände in Paprika Test

Es soll Christoph Columbus gewesen sein, der die Paprika aus Mittelamerika zu uns brachte. Lange fristete sie ein Dasein als Zierpflanze, da sie fast so scharf war wie die verwandte Chilischote. Erst Mitte des 20. Jahrhunderts wurde Paprika ohne den brennend scharfen Stoff Capsaicin gezüchtet und wurde seitdem sehr beliebt.

Das allein erklärt das gute Abschneiden aber nicht. Für schönere Zahlen sorgen auch die neuen EU-weiten Grenzwerte. 400 wurden über Jahre angepasst, seit Herbst 2008 sind alle in Kraft. Aus deutscher Sicht sind viele der neuen Grenzwerte weniger streng als früher (siehe Pestizide in Obst und Gemüse). Die verantwortlichen Behörden halten sie aber für sicher. Auch wir haben danach bewertet.

Trotz Grenzwertverschiebungen hätten viele der Paprika im Test früher genauso gut dagestanden wie heute. Bis 2008 gab es zahllose Ausnahmere­gelun­gen, die südlichen Erzeugerländern den Export erst ermöglichten. Nicht zugelassene Stoffe bekamen Grenzwerte, die den jetzigen ähneln.

Unverändert bleibt die Art der Rückstandsberechnung. Wird eine Höchstmenge überschritten, zieht man vom gemessenen Wert die Hälfte ab. So wird man Schwankungen im Labor und im Anbau gerecht. Früchte ein- und derselben Pflanze sind oft mal hoch, oft mal niedrig belastet.

Mysterium Mehrfachrückstände

Der aktuelle Test zeigt: Die Hersteller dosieren immer minutiöser und verwenden nur kleine Mengen Pestizide. Es ist üblich, mehrere Wirkstoffe an einer Pflanze einzusetzen. So vermeidet man, dass Schädlinge gegenüber einem Stoff resistent werden. Als Konsequenz fanden wir in etlichen Paprika fünf bis sechs Pestizide gleichzeitig, wenn auch in geringen Mengen. Bis heute weiß niemand, welche Gefahren diese Kombinationen bergen. Solange das unklar ist, gilt das Vorsorgeprinzip: Je weniger Pestizide man aufnimmt, desto besser.

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