Zurück­gerufen wurden nicht nur Produkte mit dem Logo der Firma Wilke. Insgesamt sind mindestens 13 Marken betroffen.

Nach dem Krank­heits­ausbruch durch Listerien, der mit der Firma Wilke Wald­ecker Fleisch- und Wurst­waren in Verbindung gebracht wird, ruft das Unternehmen mehr als 1 100 Produkte zurück – von Salami über Bock­wurst bis hin zu veganem Paprikaauf­strich. Anfang Oktober 2019 war der Wurst­betrieb nach zwei Todes­fällen geschlossen worden. Er bleibt weiterhin zu, so das Verwaltungs­gericht Kassel am 14. Oktober 2019. test.de sagt, welche Marken Sie nicht mehr essen sollten und wo Sie die Liste der betroffenen Produkte finden.

Betroffene Produkte sind über Nummer eindeutig erkenn­bar

Diese Nummer ist entscheidend.

Laut dem Portal lebensmittelwarnung.de besteht ein möglicher Zusammen­hang von Produkten der Firma Wilke mit einem lebens­mittel­bedingten Krank­heits­ausbruch, der durch das Bakterium Listeria mono­cytogenes ausgelöst wurde. Wilke ruft alle im Unternehmen hergestellten Produkte mit sämtlichen Mindest­halt­barkeits- und Verbrauchs­daten zurück. Sie lassen sich durch das auf allen Verpackungen angebrachte ovale Identitäts­kenn­zeichen „DE EV 203 EG“ eindeutig identifizieren.

Produkte von mindestens 13 Marken werden zurück­gerufen

Zurück­gerufen werden nicht nur alle Eigenmarken der Firma Wilke. Auch unter anderen Marken­namen kam Wilke-Wurst in den Handel, etwa in Metro-Märkten oder im Restaurant­bereich von Ikea. Laut lebens­mittel­warnung.de sind nach den bisher vorliegenden Erkennt­nissen insgesamt 13 Marken mit dem oben genannten Identitäts­kenn­zeichen von dem Rück­ruf betroffen:

  • ARO
  • CASA
  • Domino
  • Findt
  • Haus am Eich­feld
  • Korbach
  • Metro Chef
  • Pick­osta
  • Rohloff Manu­faktur
  • Sander Gourmet
  • Schnitt­punkt
  • Service Bund „Servisa“
  • Wilke

Ein 13-seitiges PDF mit allen Wilke-Produkten, die das Identitäts­kenn­zeichen „DE EV 203 EG“ tragen, steht auf dieser Seite bei lebensmittelwarnung.de zum Download bereit. Daraus ist ersicht­lich, dass weitere Marken wie etwa Meatmaxx betroffen sind. Groß­händler liefern Produkte dieser Marke an Gastronomie­betriebe.

Listerien: Wie kommen sie in die Wurst?

Listerien sind Bakterien, die beim Menschen die so genannte Listeriose auslösen können. Bei gesunden Menschen kann der Erreger zu einer kurzen fieberhaften Durchfall­erkrankung führen. Bei Schwangeren, Neugeborenen, älteren Menschen oder Personen mit geschwächtem Immun­system kann er aber auch zu Blut­vergiftungen, Gehirn- oder Gehirnhaut­entzündung führen und sogar tödlich sein. Die Rate der Todes­fälle liegt laut Robert-Koch-Institut bei sieben Prozent. Die Erreger können in der Erde, auf Pflanzen, im Kompost und in Abwässern vorkommen. Sie sind auch in der Land­wirt­schaft verbreitet, zum Beispiel in Tierfutter und -kot. Dadurch können Listerien bei der Herstellung auf Lebens­mittel übergehen. Auch Gemüse kann etwa mit Erde verunreinigt sein, die die Erreger enthält. In Betrieben mit unzu­reichenden Hygienemaß­nahmen können auch halt­bar gemachte und verarbeitete Lebens­mittel mit den Bakterien in Kontakt kommen.

Auch Veggie-Produkte und Theken-Wurst sind betroffen

Selbst Vegetarier und Veganer können sich nicht in Sicherheit wiegen. In der Liste der zurück­gerufenen Produkte tauchen auch vegetarischer Aufschnitt, vegetarische Bratwurst sowie vegetarische und vegane Aufstriche auf. Außerdem haben Wurst­theken in Supermärkten Waren der Firma Wilke verkauft. Weil Kunden in diesem Fall das Kenn­zeichen nicht sehen können, können sie im Zweifel nur bei ihrem Supermarkt nach­fragen, ob dieser Wilke-Produkte verkauft hat. Das gleiche gilt für Menschen, die Wurst in Kantinen essen oder durch Küchen von Alten­heimen oder Krankenhäusern verpflegt werden.

Kritik von Foodwatch und den Verbraucherzentralen

Dass der Rück­ruf keine Verkaufs­stellen benennt und offen bleibt, in welchen Restaurants, Kantinen oder an welchen Wurst­theken Kunden Wilke-Produkte erhalten haben könnten, kritisieren die Verbraucherzentralen und die Verbraucher­organisation Foodwatch. Außerdem hätten die Behörden Informationen nicht schnell genug öffent­lich gemacht. Foodwatch hat ein Gericht einge­schaltet, nachdem von den verantwort­lichen Behörden ange­forderte Informationen nicht inner­halb einer Frist von 48 Stunden einge­gangen waren. Das Verwaltungsgericht Kassel hatte am 11. Oktober 2019 einen entsprechenden Eilantrag abge­lehnt.

Betrieb bleibt zu: „Schwerwiegende Gefahren für Leib und Leben“

Der Betrieb Wilke bleibt geschlossen. Das Verwaltungsgericht Kassel hat am 14. Oktober 2019 einen dagegen gerichteten Eilantrag der hessischen Firma abge­lehnt. Die juristisch verhängten Maßnahmen sind laut Gericht „alternativlos“, um „erhebliche und schwerwiegende Gefahren für Leib und Leben einer Vielzahl von Menschen soweit wie möglich zu minimieren“. In der Begründung heißt es weiter, dass der Betrieb in seinem gegen­wärtigen und baulichen Zustand „ideale Bedingungen für eine persistierende Ansiedlung, Vermehrung und Verbreitung von Listerien biete“. Noch Ende September seien die Krank­heits­erreger an Produktions­geräten fest­gestellt worden, obwohl die Veterinärbehörde einige Tage zuvor eine Grund­reinigung und Desinfektion verfügt habe.

Hotline für Verbraucher

Verbraucher, die Fragen zur Rückruf­aktion der Firma Wilke haben, können bei einer Hotline des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klima­schutz, Land­wirt­schaft und Verbraucher­schutz anrufen: Sie ist unter der Nummer 0 61 51 - 12 60 82 von montags bis donners­tags zwischen 8 und 16.30 Uhr sowie frei­tags zwischen 8 und 15 Uhr erreich­bar. Bei Verdacht auf eine Infektion mit Listerien sollten Betroffene zum Arzt gehen. Die Listeriose gehört zu den melde­pflichtigen Krankheiten.

So schützen Sie sich vor Listeriose

  • Erhitzen. Kochen, Braten und Pasteurisieren tötet Listerien ab – sofern Lebens­mittel im Kern mindestens zwei Minuten lang bei 70 Grad Celsius durch­erhitzt werden. Kühlen oder Tief­gefrieren reichen nicht.
  • Bei rohen tierischen Lebens­mitteln aufpassen. Risiko­gruppen sollten keine rohen tierischen Lebens­mittel wie etwa Rohmilchkäse und Rohwurst wie Salami sowie geräucherte und marinierte Fischer­zeug­nisse verzehren.
  • Obst und Gemüse waschen. Frisches Obst und Gemüse sowie Blatt­salate gründlich waschen.
  • Küchenhygiene einhalten. Messer und Schneidebretter nach der Zubereitung von Lebens­mitteln, insbesondere von Fleisch, gründlich reinigen. Die Hände vorm Kochen und danach intensiv waschen und abtrocknen.

Wie Sie auch anderen Krank­heits­erregern in der Küche den Gar­aus machen, lesen Sie in unseren Specials Hygiene in der Küche und Keime in der Küche.

Diese Meldung ist 09. Oktober erschienen und am 15. Oktober 2019 aktualisiert worden.

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