Für Betreiber von Photovoltaikanlagen mit Modulen des Herstellers BP-Solar besteht in Extremfällen die Gefahr von einem Stromschlag schwer verletzt zu werden. Herstellermängel bestehen bei Solarmodulen und -laminaten, die zwischen 2003 und dem 1. Halbjahr 2004 in einem der BP-Solar-Werke produziert wurden. Das Unternehmen hat am Freitag mit einer Rückrufaktion begonnen, die insgesamt etwa 140 000 Module mit einer Nennleistung von zusammen 23,3 Megawatt peak umfasst. Betreiber mit Produkten aus diesem Herstellungszeitraum sollten weder Module noch deren Rahmen oder das Montagegestell berühren. Nur ein Solar-Installateur darf die Anlage abschalten. Betroffene werden gebeten, ihre Installationsfirma zu benachrichtigen und sich mit BP-Solar in Verbindung zu setzen. Bereits im August hatte Stiftung-Warentest online über mangelhafte Module von BP-Solar berichtet.

Isolationsmängel können zu Stromschlag führen

BP-Solar hat jetzt eingeräumt, dass für die Mängel Verarbeitungstechniken in einem nicht näher genannten Werk verantwortlich sind. Zwischen Januar 2003 und 30. Juni 2004 gefertigte Module können auf ihrer isolierenden Rückseitenfolie kaum sichtbar beschädigt sein. In Ausnahmefällen kann es dadurch zu einer Spannungsübertragung von den Leiterbahnen der Solarmodule oder -laminate auf den Rahmen oder die tragende Konstruktion kommen. Wer eine solche Anlage berührt, kann einen Stromschlag erleiden. Ein solcher Unfall ist nach Unternehmensangaben aber bisher nicht eingetreten. Solaranlagen mit Mängeln erzeugen weiterhin Solarstrom.

Installateur und Hersteller informieren

Die eigens vom Hersteller eingerichtete Homepage informiert ausführlich und gibt Hinweise. Das Unternehmen ist unter der Hotlinenummer 0 800 / 2 72 52 72 von Montag bis Samstag zwischen 8:00 und 20:00 Uhr erreichbar. Nachrichten können auch an diese firmeninterne E-Mail versendet werden.

Austausch ist kostenlos

Die Rückrufaktion soll so ablaufen: Der Betreiber informiert seinen Solar-Installateur. Der kommt nach vereinbartem Termin ins Haus, notiert sich die Seriennummer und andere Parameter jedes einzelnen Moduls. Findet er beim online-Abgleich mit dem Seriennummern-Verzeichnis von BP-Solar eventuell mangelhafte Produkte, bleibt die Anlage abgeschaltet. Schadhafte Module werden kostenlos ausgetauscht. Für den entgangenen Stromertrag werden die Betreiber von BP-Solar entschädigt. Einen Zeitraum dafür hat das Unternehmen nicht genannt. Solaranlagen, die leicht zugänglich sind, würden bevorzugt behandelt. Bei erkennbar geringem Sicherheitsrisiko hat BP-Solar schon vorsorglich angekündigt, dass sich der Modulaustausch „auch über 2007 hinaus erstrecken könnte.“

Handwerker bleiben nicht auf Kosten sitzen

Auch Handwerker werden für die Arbeiten von BP-Solar finanziell entschädigt. Nach den Weihnachtsferien sollen die Installateure vom Produzenten geschult werden. Wenn Installateure zu wenig Fachkräfte haben, will ihnen BP-Solar weitere Experten zur Seite stellen. Die jetzt zurückgerufenen Module haben allerdings nichts mit den Lötstellen-Problemen an den Anschlussdosen von BP-Solar-Modulen zu tun. Über diese Mängel hatte Stiftung-Warentest online bereits im August berichtet.

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