Rückruf für Spielzeug von Kik Meldung

Die Textildiscountkette Kik ruft das Bastelset „Mache Deine eigenen Magneten“ zurück. Das Spielzeug aus China enthält zu viel giftiges und krebserregendes Formaldehyd. test.de informiert.

Kaum Infos

Informationen zu dem Rückruf sind kaum zu finden. test.de-Fragen dazu hat Kik bislang nicht beantwortet. Nach Informationen des offiziellen Produktwarnsystems der EU Rapex handelt es sich um ein Produkt aus China. In einer an der längeren Seite fast 30 Zentimeter langen Blisterkarte enthält es einige Holzteile in der Form von Schmetterlingen, sechs kleine Farbtöpfe sowie Magnetstreifen. Es kostet 1,99 Euro. Der EAN-Code lautet: 4847700912000000199. Laut Rapex ist es mit 910 Milligramm je Kilogramm Formaldehyd belastet. Die Chemikalie ist giftig und krebserregend. Sie kann Allergien, Haut-, Atemwegs- und Augenreizungen auslösen.

Womöglich noch im Angebot

Achtung: Trotz des Rückrufs ist das Bastelset möglicherweise zumindest in einzelnen Filialen noch im Angebot. Nach einem Bericht des Online-Magazins cleankids.de jedenfalls war das Spielzeug trotz der von Rapex gemeldeten Rückrufaktion am Freitag zumindest in einer Filiale in Süddeutschland noch zu haben. Nach Darstellung von cleankids.de wusste das Personal der Filiale nichts von der Rückrufaktion. Nachdem sich die Kik-Mitarbeiter vor Ort bei der Zentrale im westfälischen Bönen erkundigt hatten, nahmen sie die Bastelsets aus dem Angebot.

Kaum Chance auf Schadenersatz

Unklar blieb zunächst auch, ob und wie Kik betroffene Kunden entschädigt. test.de rät: Bringen Sie das Spielzeug zurück in eine Kik-Filiale und verlangen Sie zumindest Erstattung des Kaufpreises. Besonders tragisch bei mit langfristig gefährlichen Chemikalien belasteten Produkten: Die Chancen auf Schadenersatz sind trotz der eigentlich strengen Regeln für die Produkthaftung gering. Eine erst nach Jahren auftretende Krebserkrankung etwa lässt sich kaum einer bestimmten Ursache zuordnen. Selbst wenn feststeht, dass eine einzelne Chemikalie die Erkrankung ausgelöst hat, wird sich kaum dokumentieren lassen, dass der Betroffene allein durch ein bestimmtes Produkt mit dieser Chemikalie in Berührung kam.

[Update 27.04.2010] Inzwischen hat sich Kik auf die test.de-Anfrage hin gemeldet. Es gebe gar keine öffentliche Rückrufaktion. Inwieweit das Bastelset zu beanstanden sei, bedürfe noch rechtlicher Klärung, schrieb Beatrice Volkenandt aus der Abteilungsleitung Kommunikation bei Kik in einer E-Mail an test.de. „Die Ware wurde lediglich – wie bei vermuteten Qualitätsmängeln üblich – rein vorsorglich aus dem Verkauf genommen“, heißt es in der E-Mail weiter. Rapex vermerkt allerdings: „Voluntary recall from consumers by the distributor“. Hintergrund solcher freiwilligen Rückrufe ist meist: Der Anbieter will kostspieligen Zwangsmaßnahmen der zuständigen Behörden zuvorkommen. test.de versucht zu klären, was es mit dem Rückruf des Magnet-Bastelsets auf sich hat. Fest steht: Kik ist wiederholt mit dem Verkauf belasteter Ware aufgefallen. Das Amtsgericht Dortmund hat gegen das Unternehmen bereits ein Bußgeld von 35 000 Euro wegen Verstößen gegen das Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz verhängt. Aktuell ermittelt die Staatsanwaltschaft in Dortmund gegen die Kik-Verantworlichen sogar wegen des Verdachts auf strafbare Unregelmäßigkeiten. Das ARD-Magazin Plusminus berichtete über sechs Kik-Rückrufaktionen allein in diesem Jahr, über die das Unternehmen kaum oder gar nicht informierte.

[Update 27.04.2010] Weitere test.de-Recherchen haben ergeben: Den Verkaufsstopp für die Bastelsets hat der Kreis Unna wegen der Kontamination mit Formaldehyd verbindlich angeordnet. Das hat Sprecherin Constanze Rauert bestätigt. Die Behörde befasse sich jetzt mit dem möglichen Verstoß gegen den Verkaufsstopp. Genauer wollte Rauert sich dazu mit Rücksicht auf das schwebende Verfahren nicht äußern. Sanktionen, die bei Unzuverlässigkeit von Gewerbetreibenden möglich sind, stünden aktuell allerdings nicht zur Diskussion.

[Update 30.04.2010] Inzwischen hat test.de weitere Details zur Kontamination des Spielzeugs erfahren. Die Untersuchung hat nach Darstellung von Constanze Rauert, Sprecherin des Kreises Unna, das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit vorgenommen. Gemessen wurde entsprechend der gesetzlichen Regelungen und der Europäischen Normen die Ausgasung des Spielzeugs. Dazu kommt es für eine bestimmte Zeit in eine Messkammer. Anschließend bestimmt das Labor die Formaldehyd-Konzentration in der Messkammer. Beim Magnetbastelset registrierten die Apparaturen 917 Milligramm je Kilogramm. Richtwert sind 110 Milligramm.

[Update 30.04.2010] Für die Anordnung eines öffentlichen Rückrufs auf der Grundlage des Gesetzes über technische Arbeitsmittel und Verbraucherprodukte ist in Nordrhein-Westfalen das Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz zuständig. Dort ist heute Termin mit Vertretern des Kreises Unna und von Kik. Am Montag will das Ministerium entscheiden, ob es einen öffentlichen Rückruf anordnet. Warum die Entscheidung erst jetzt fällt, blieb zunächst noch offen.

[Update 03.05.2010] Einen öffentlichen Rückruf hält das Verbraucherschutz-Ministerium in Düsseldorf nach wie vor für nicht erforderlich. Bereits Ende März habe der Kreis das Bastelset an die Rapex gemeldet und Kik den Verkauf gestoppt. Damals habe der Kreis Unna keinen öffentlichen Rückruf angeregt und sei das Ministerium auch nicht von sich aus eingeschritten. Was weiter geschieht, bleibt unklar. „Das Umweltministerium hat sich mit der Firma Kik auf mehrere Maßnahmen geeinigt, deren Umsetzung dazu beitragen wird, künftig die Zahl an Beanstandungen zu reduzieren“ erklärte Ministeriumssprecher Stephan Malessa test.de gegenüber lediglich.

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