Rückruf für „Power-Fanfaren“ Meldung

Kurz vor Start der Fußballweltmeisterschaft hat die Bezirksregierung Düsseldorf Fan-Tröten vom Typ „Power-Fanfare“ aus dem Verkehr gezogen. Grund: gesundheitsgefährdende Lautstärke.

Kein weiterer Verkauf

Der Anbieter „Fan Sound Factory“ aus Essen, der die Tröten über die Internetadresse www.power-fanfare.de verkaufte, hat dort statt seines Onlineshops jetzt nur noch eine dürre Mitteilung. „Einen weiteren Verkauf als technisches Arbeitsmittel (Notsignal) lassen wir derzeit anwaltlich prüfen“, heißt es dort. Was Fan Sound Factory nicht sagt: Die Behörde hat nach Darstellung von Sprecherin Jennifer Spitzner auch einen Rückruf angeordnet.

Über 140 Dezibel

Grund für das Einschreiten der Behörde: Nach einer Untersuchung des Landesinstituts für Gesund und Arbeit des Landes Nordrhein-Westfalen (Liga) produzieren die Power-Fanfaren bei der Messung des Schalldrucks nach den Richtlinien des VDI bis zu 146 Dezibel. Zulässig sind jedoch höchstens 135 Dezibel. Bei höherer Lautstärke drohen schon nach kurzer Zeit Gehörschäden. Allerdings: Der Anbieter kritisierte gegenüber www.derwesten.de die Messungen der Behörden. Nach seiner Darstellung betrieben die Prüfer die Fanfaren mit Druckluft. Bei Mundbetrieb halten die Power-Fanfaren den Grenzwert ein, versichert er. Die ebenfalls ohrenbetäubend lauten Vuvuzela-Tröten hat die Bezirksregierung Essen ebenfalls prüfen lassen. Ergebnis: Sie halten den Grenzwert ein.

Anbieter in der Pflicht

Wenn die Messung der Behörden korrekt war, können Besitzer der vom Rückruf betroffenen Power-Fanfaren Sie innerhalb von zwei Jahren ab Kauf gegen Erstattung des Kaufpreises zurückgeben. Die Überschreitung der höchstzulässigen Lautstärke ist ein Mangel, für den der Verkäufer einzustehen hat. Außerdem muss der Hersteller nach dem Produkthaftungsgesetz Schadenersatz leisten und ein angemessenes Schmerzensgeld zahlen, wenn jemand aufgrund eines Produktfehlers Gesundheitsschäden erleidet. Als Hersteller gilt dabei auch derjenige, der das Produkt innerhalb der Europäischen Union auf den Markt bringt.

Benutzer in der Pflicht

Auch Benutzer der Power-Fanfaren können sich schadenersatzpflichtig und sogar strafbar machen. Wer die Fan-Tröten benutzt, obwohl er weiß, dass sie gesundheitsgefährdend laut sind, haftet ebenfalls auf Schadenersatz und Schmerzensgeld und läuft außerdem Gefahr, wegen Körperverletzung strafrechtlich belangt zu werden. Unabhängig von der Einhaltung von Grenzwerten ist dran, wer anderen mit Power Fanfaren oder auch Vuvuzelas entgegen der Sicherheitshinweise direkt ins Ohr trötet und so einen Gehörschaden provoziert.
[Update 21.06.2010] Als Warn- und Signalfanfare etwa für Gleisbauarbeiten bleibt der Verkauf nach Darstellung des Anbieters allerdings erlaubt. Das habe die Bezirksregierung inzwischen bestätigt, heißt es auf www.power-fanfare.de. Dort sind die Powerfanfaren in verschiedenen Varianten und auch in den Farben schwarz-rot-gold wieder zu haben.

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