Rücken­schmerzen Warum Schmerz­mittel nur wenig helfen

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Sticht und schmerzt es im Rücken, greifen viele Menschen gern zu Schmerz­mitteln. Die helfen aber nur begrenzt – und bergen bei Dauer­gebrauch Risiken, wie aktuelle Studien zeigen. test.de fasst die neuesten Erkennt­nisse zusammen und gibt Tipps, wie sich Betroffene mit akuten Rücken­schmerzen verhalten sollten.

Acht von zehn Deutschen haben Erfahrung mit Rücken­schmerzen

Hier verhoben, da falsch bewegt – und schon jagt einem bei jeder Bewegung ein heftiger Schmerz durch den Rücken. Acht von zehn Deutschen kennen das nur zu gut, berichtet das Robert-Koch-Institut. Auslöser des Stechens oder Ziehens ist oftmals eine Verspannung in der Rückenmuskulatur. Ungewöhnliche, anstrengende oder einseitige körperliche Belastungen sind typische Schmerzquellen – mitunter aber auch Schäden an den Band­scheiben. Mediziner finden bei den meisten Betroffenen allerdings keine eindeutige Ursache für die Kreuz­schmerzen. In vielen Fällen sind sie auch kein Grund zur Besorgnis. Betroffene greifen oft zu Schmerzmedikamenten. Meist ist das aber nur bedingt hilf­reich. Denn tatsäch­lich haben Schmerz­mittel bei Rücken­problemen nur einen begrenzten Effekt, wie aktuelle Studien zeigen.

Tipp: Weiterführende Informationen zum Thema Schmerzen finden Sie in unserer Daten­bank Medikamente im Test.

Studie bescheinigt Paracetamol begrenzten Nutzen

Eine placebo-kontrollierte Studie, publiziert im Fachjournal The Lancet, konzentriert sich auf den Einsatz von Paracetamol bei Rücken­schmerzen. Dafür teilten die Forscher mehr als 1 600 Probanden in drei Versuchs­gruppen auf: Die Teilnehmer jeweils einer Gruppe nahmen Paracetamol entweder nach Bedarf ein, als regel­mäßige Dosis oder sie erhielten eine Placebo-Tablette. Das Ergebnis: Bis die akuten Rücken­beschwerden wieder abge­klungen waren, dauerte es bei allen drei Probanden­gruppen im Mittel gleich lang, nämlich 16 bis 17 Tage. Das bestätigt auch die Erfahrung, wonach die meisten Rücken­schmerzen nach einigen Tagen oder Wochen von selbst wieder vergehen. Über diese guten Aussichten waren auch die Teilnehmer zu Beginn der Studie informiert worden. Bereits in früheren Unter­suchungen war fest­gestellt worden, dass Schmerz­mittel bei Rücken­schmerzen nur einen begrenzten Nutzen haben, darunter Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen. Diese Mittel werden oft bei Rücken­schmerzen einge­nommen.

Bei akuten Beschwerden Schmerz­mittel individuell wählen

Wer bei Rücken­schmerzen nicht auf Medikamente verzichten möchte, etwa um im Alltag möglichst aktiv und mobil zu bleiben, sollte sie möglichst nur kurze Zeit einsetzen. Denn: Die Gefahr von Risiken und Neben­wirkungen steigt mit der Dauer der Einnahme. Ohne Rück­sprache mit einem Arzt, sollten Paracetamol und Co. maximal drei bis vier Tage einge­nommen werden. Wichtig: Das individuell passende Schmerz­mittel wählen und dabei Vorerkrankungen berück­sichtigen.

Zu viel Paracetamol schadet der Leber

Paracetamol beispiels­weise greift die Magen-Darm­schleimhaut kaum an und ist gut verträglich. Allerdings kann der Wirk­stoff schon bei leichter Über­dosierung die Leber schädigen. Mehr als drei Gramm Paracetamol pro Tag sind daher bei Rücken­schmerzen nicht ratsam, maximal sollten es vier Gramm sein. Wer ein Leberleiden hat oder öfter mehr als drei Gläser Alkohol am Tag trinkt, sollte ein anderes Schmerz­mittel wählen. Wer Rücken­schmerzen mit Paracetamol behandelt, sollte zudem wissen: Auch zahlreiche Erkältungs­mittel gegen Husten und Schnupfen enthalten den Wirk­stoff. Wer Paracetamol bereits gegen Schmerzen einnimmt, sollte auf diese Erkältungs­mittel verzichten.

Tipp: Die Stiftung Warentest hat Medikamente gegen Erkältung getestet. Was Grip­postad & Co taugen, verrät der Test Medikamente im Test.

Andere Wirk­stoffe, andere Neben­wirkungen

Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen können die Magen­schleimhaut angreifen, Magen­beschwerden auslösen und sogar zu Magen­geschwüren oder Blutungen führen. Wer aktuell ein Magen- oder Darm­geschwür hat, sollte eine Alternative zu den drei Wirk­stoffen wählen. Auch Menschen mit starken Nierenschäden oder einer ausgeprägten Herz­schwäche wird von den Wirk­stoffen abge­raten. Neuesten Unter­suchungen zufolge können Diclofenac und Ibuprofen bei länger andauernder und hoch­dosierter Einnahme sogar das Risiko für einen Herz­infarkt erhöhen.

Tipp: Weitere Informationen erhalten Sie in unserem Test Schmerzmittel.

Wichtig: Bewegung und Wärme

Sich schonen oder gar ins Bett legen – solche Ratschläge gelten bei Rücken­schmerzen als über­holt. Betroffene könnten Schonhaltungen annehmen, die das Leiden noch verschlimmern. Statt­dessen sind Aktivität und Bewegung angebracht. Die Liste der rückenfreundlichen und -stärkenden Aktivitäten ist lang: Spaziergänge, Wanderungen, Fahr­radfahren, Schwimmen in warmem Wasser, Skilang­lauf, Pilates oder auch Yoga zählen zu den hilf­reichen Maßnahmen. Dabei ist es weniger wichtig, welcher Betätigung jemand nachgeht, sondern dass man sie regel­mäßig ausübt. Das beugt auch erneuten Kreuz­schmerzen vor. Den meisten Rücken­schmerz­geplagten helfen zudem eine Wärm­flasche oder ein Voll­bad sowie Saunagänge. Eine Mischung aus Dehnung, Bewegung und Massagen kann die Beschwerden ebenso lindern.

Tipp: Was Well­ness­massagen leisten können, verrät unser Special Hot Stone, Ayurveda & Co.

Tipp: Zahlreiche weitere wert­volle Informationen rund um Rücken­schmerzen finden Sie in unserem großen FAQ Rückenschmerzen.

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WagnerFFM am 27.11.2018 um 13:04 Uhr
ERFAHRUNG

Ich bin dreifacher Mutter was gleich nicht heißt das man Rücken Beschwerden haben muss. Aber bei meiner letze Geburt ist einiges schief gelaufen, und ich bin nach Hause aus Krankenhaus gekommen mit einen Baby und 5 fachen Bandscheibenvorfall! Ich dachte schon das ich wegen den Schmerzen nicht stillen kann weil unbedingt Schmerzmittel nehmen wollte. Dann hat mir meine Nachbarin ihren Kräuter Spray immer aufgetragen. Ich habe nie gedacht das es sowas effektives aber Chemie freies gibt. Ich fand den Geruch sehr angenehm, aber sehr stark und habe direkt Lamaseo, wo ich das Spray selbe bestellen wollte angeschrieben ob ich es überhaupt bei stillen Anwenden kann. Die haben mich davor abgeraten. Ich müsste dann sowieso mit Stillen und bin mittlerweile 2 mal operiert worden. Aber ich kann es aus eigenen Erfahrungen bestätigen das es auch sehr gute pflanzliche Alternativen zum Medikament gibt.