Ärztliche Behandlung

In den vergangenen Jahren hat sich die Behandlung von Rückenschmerzen grundlegend verändert. Schonendes Verhalten gehört weitgehend der Vergangenheit an. Die Grundsäulen der Behandlung heißen heute Schmerzlinderung, Muskelentspannung und Beweglichkeit. Um nachhaltig Schmerzen zu lindern und gleichzeitig vorzubeugen, sind aktive Therapien erste Wahl: Krankengymnastik, Entspannungsverfahren oder auch ein Bewegungstraining helfen dabei, den Körper besser wahrzunehmen und sich im Alltag rückengerecht zu verhalten. test.de gibt einen Überblick.

Medikamente vom Arzt

Zur Schmerzlinderung kann der Arzt folgende Arzneimittel verschreiben:

  • NSAR. Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) zum Einnehmen wirken gegen Entzündungen und lindern Schmerzen. Sie enthalten kein Kortison. NSAR werden häufig bei Rückenschmerzen, chronischen Gelenkentzündungen und der Bechterew-Krankheit verschrieben. Außer ASS, Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen sind alle NSAR rezeptpflichtig.
  • Coxibe. Wie NSAR hemmen auch sie die Bildung von entzündungs- und schmerzfördernden Prostaglandinen. Ihre Magen-Darm-Verträglichkeit soll nach Studienergebnissen besser sein als bei NSAR. Patienten mit Herzschwäche, nachgewiesener koronarer Herzkrankheit oder Gefäßerkrankungen des Gehirns dürfen diese Mittel aber nicht einnehmen. Coxibe sind verschreibungspflichtig.
  • Opioide. Sie dämpfen auch stärkste Schmerzen. Bei Rückenbeschwerden kommen sie - wenn überhaupt - in Kombination mit NSAR zum Einsatz. Die Einnahme muss vom Arzt überwacht werden.
  • Muskelentspannende Mittel. Sie sind sinnvoll, wenn die Muskeln extrem verhärtet sind und stark schmerzen. Meist handelt es sich um Mittel, die auf das zentrale Nervensystem wirken und auch eine beruhigende Wirkung haben.
  • Mittel gegen Depressionen. Mittel, die bei akuten Schmerzen helfen, versagen oft bei chronischen Beschwerden. Grund: Das Nervensystem reagiert anders. Daher können bei chronischen Schmerzen Medikamente sinnvoll sein, die die Schmerzverarbeitung im zentralen Nervensystem beeinflussen. Das sind außer Opioiden auch Psychopharmaka mit antidepressiver Wirkung. Zudem leiden Patienten mit chronischen Schmerzen oft auch unter depressiven Verstimmungen, Ängsten und sind antriebslos - was meist noch schmerzverstärkend wirkt. Antidepressiva hellen die Stimmung auf, können Antriebskräfte steigern und den Schlaf fördern. Sie hemmen die Schmerzwahrnehmung und können die Wirkung einfacher Schmerzmittel verstärken.

Hinweis: test.de gibt einen Überblick über verschreibungspflichtige Schmerzmittel

Psychologische Schmerztherapie

Neben der rein körperlichen Behandlung von Rückenschmerzen berücksichtigen Ärzte bei der Therapie auch den psychosozialen Aspekt. Eine entscheidende Rolle spielen dabei seelische Prozesse, Gedanken, Vorstellungen, Verhaltensweisen und soziale Faktoren, die das Schmerzempfinden stark beeinflussen. Die wichtigsten Punkte einer psychologischen Schmerztherapie sind aufklärende Gespräche, Entspannungstechniken und das Lernen von verhaltenstherapeutischen Methoden zur Schmerzbewältigung. Mit Entspannungstechniken wie dem Autogenen Training oder der Muskelentspannung nach Jacobson lernen Patienten, ihre Schmerzen auch im Alltag ohne professionelle Hilfe besser zu bewältigen. Durch verhaltenstherapeutische Methoden sollen Betroffene lernen, mit ihren Schmerzen so umzugehen, dass diese ihren Alltag und ihre Lebensfreude so wenig wie möglich beeinträchtigen.

Physiotherapie

Krankengymnastische Bewegungs- und Kräftigungsübungen sind das zentrale Element der Physiotherapie bei Rückenschmerzen. Krankengymnastik wirkt nicht nur körperlich, sondern aktiviert auch die Psyche. Neben Schmerzlinderung und -bewältigung ist sie die dritte wichtige Säule bei der Behandlung von Rückenproblemen. Zur Vorbereitung und als Ergänzung auf diese aktive Therapie setzt der Arzt passive Verfahren wie spezielle Massagetechniken, mobilisierende Handgriffe und Elemente der physikalischen Therapie ein. Letztere umfasst Maßnahmen, bei denen Wärme und Kälte in Form von Packungen, Umschlägen oder auch Strom auf den Körper wirken.

Methoden der „Anderen Medizin“

Wenn die Schulmedizin bei Rückenschmerzen nicht helfen kann, suchen Betroffene nach Alternativen. Oft lassen sie sich dann mit Methoden der „Anderen Medizin“ behandeln. Es gibt unzählige Verfahren, doch nicht alle sind auch wirksam. Geeignet für die Behandlung von Rückenschmerzen ist zum Beispiel die Akupunktur. Auch Yoga ist gut für den Rücken: Beeinträchtigungen durch Rückenschmerzen lassen sich dadurch deutlich verringern.
Hinweis: Das Buch „Die Andere Medizin“ der Stiftung Warentest enthält umfangreiche Informationen darüber, welche Methoden bei Rückenschmerzen wirksam sind.

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