Rückenleiden Meldung

"In manchen Klassenzimmern sieht es noch aus wie vor 30 Jahren: Kufenstühle lassen keine Bewegung zu. Häufig ist außerdem die Sitzfläche nach hinten geneigt. Die Kinder sinken bei längerem Sitzen zwangsläufig in sich zusammen", beklagt Dr. Dieter Breithecker von der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung in Wiesbaden. Folge: In der Schule wird der Grundstein für Krankheitskarrieren gelegt, zum Beispiel für die Volkskrankheit Rückenleiden. Sie resultiert überwiegend aus Haltungsschwächen.

Studien belegen, dass drei Viertel aller Schüler an Tisch-Stuhl-Kombinationen sitzen, die nicht zu ihrer Körpergröße passen. Ein weiteres Problem: Für Erwachsene ist ein Leseabstand von 40 bis 60 Zentimetern optimal. Bei Kindern sind es aber nur 20 bis 30 Zentimeter. Zwangsläufig sitzen sie beim Lesen und Schreiben vorn übergebeugt ­ eine massive Dauerbelastung für die Nackenmuskulatur. Die Folgen bleiben nicht aus: Mehr als ein Drittel aller 7- bis 17-Jährigen kommt zumindest manchmal mit Kopfschmerzen aus der Schule.

Im Zeitalter von Computer und Gameboy bewegen sich die Kinder auch in der Freizeit weniger. Bereits Grundschüler sitzen heute bis zu neun Stunden pro Tag. Umso wichtiger ist es, dass sie dabei Muskeln, Sehnen und Bänder nicht einseitig belasten. Die Schulmöbel lassen aber meist kaum Spielraum für dynamisches Sitzen. Sie sollten deshalb orthopädische Anforderungen erfüllen:

Als Stühle Freischwinger, die Sitzfläche nicht starr, die Rückenlehne verjüngt sich nach unten, damit die Kinder auch mal bequem im Reitersitz, also mit der Lehne nach vorn sitzen können.

Höhenverstellbare Tische, um mindestens 16 Grad neigbar.

Solche Möbel liegen deutlich über dem Budget der Schulverwaltungen. Doch die Mehrausgaben zahlen sich aus: Jede Mark, die in ergonomische Schulmöbel investiert wird, spart drei Mark Folgekosten durch Rückenprobleme, heißt es.

Die Auswirkungen verschiedener Tisch-Stuhl-Kombinationen auf die Haltungsentwicklung von Kindern untersucht die Bundesarbeitsgemeinschaft derzeit in einer Grundschule in Hannover. Die Studie setzt auf neue pädagogische Konzepte: Bewegung wird Teil des Unterrichts. Durch Recken, Strecken, Kippeln bleibt der Körper in Aktion und der Geist wach.

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