Rucola Test

Vom Unkraut zum Trend­gemüse – Rucola ist sehr beliebt. Sogar eine aphrodisierende Wirkung wird ihm nachgesagt. Doch die würzigen Blätter enthalten oft viel Nitrat.

Was früher in Gehwegritzen und zwischen Balkon­­blu­men spross, findet man heute im Salat, auf der Pizza oder im Pesto: Rucola. Als Rauke war die Pflanze schon im Mittelalter bekannt. Lange wurde sie verschmäht. Mit der italienischen Küche kehrte sie kulinarisch geadelt und unter neuem Namen nach Deutschland zurück. Heute stehen die löwenzahnähnlichen Blätter der wilden Rauke auf vielen Speisekarten. Zeitig geerntet, schmecken sie nussig und nur leicht bitter. Für die Schärfe sorgen Senföle, die auch als Aphrodisiakum gelten.

Bis zu acht Pestizide

Rucola Test

Ob Treibhaus- oder Freilandsalat: Wenn zu spät geerntet wird, können die Rucola-Blätter zäh und bitter werden.

Rucola bekommt man lose, verpackt oder sogar küchenfertig gewaschen und gekühlt. Wir kauften in Supermärkten, Kaufhäusern, Bioläden, von Gemüsehändlern und vom Wochenmarkt und untersuchten 16 Salate auf Schadstoffe. In fast allen Blättern fanden wir Pestizidrückstände, meist von Insektenbekämpfungsmitteln. Nur der Salat von Rago überschritt dabei eine gesetzliche Höchstmenge. Ansonsten war die Belastung eher gering. Manche Proben enthielten aber wahre Pestizidcocktails. So fanden wir bis zu acht verschiedene Pestizide auf einmal (Havita). Bei einer solchen Mischung ist auch bei geringen Mengen Vorsicht geboten, denn über mögliche Wechselwirkungen ist wenig bekannt.

Nitratspeicher

Rucola neigt dazu, viel Nitrat anzureichern. Sogar deutlich mehr als Spinat oder Kopfsalat. In unserem Test waren sieben Salate stark und fünf deutlich mit Nitrat belastet – also 12 von 16 Produkten. Nitrat kommt als natürlicher Bestandteil in Pflanzen, im Boden, aber auch in Düngemitteln vor. Wenig Licht und niedrige Temperaturen, wie man sie vor allem im Winter in Gewächshäusern hat, führen zu einer höheren Nitrataufnahme. Bioprodukte enthalten auch nach anderen Untersuchungen eher weniger Nitrat. Am wenigsten, sprich „sehr gering“ mit Nitrat belastet war der Bio-Rucola von der Gärtnerei Lindenhof. Am meisten Nitrat fanden wir in der losen Ware von verschiedenen Gemüsehändlern, aus dem KaDeWe und im Rucola von Pfalzmarkt und Großmarkt Maxdorf-Lambsheim.

Nitrat selbst stellt für Erwachsene keine gesundheitliche Gefahr dar. Es kann jedoch im Körper und bei der Lagerung und Verarbeitung von Gemüse in Nitrit umgewandelt werden. Aus Nitrit wiederum können Nitrosamine entstehen, die als Krebs erzeugend gelten. Nitrit hemmt außerdem den Sauerstofftransport im Blut. Sehr hohe Mengen könnten für Säuglinge gefährlich werden und zur Blausucht führen. Deshalb werden für Babynahrung bevorzugt nitratarme Gemüsesorten wie Tomaten verwendet.

Die Weltgesundheitsorganisation hat ausgerechnet, wie viel Nitrat lebenslang täglich aufgenommen werden kann, ohne dass Schäden zu erwarten sind. Bei einem 60 Kilogramm schweren Menschen sind das 220 Milligramm Nitrat. Auf den von uns getesteten Rucola übertragen bedeutet das: Schon mit 30 Gramm stark belastetem Rucola kann diese Nitratmenge erreicht sein. Das entspricht etwa einem Drittel Bund. Weil Rucola aber meist nur als Salat- oder Essensbeigabe verwendet wird, werden große Mengen seltener verzehrt. Einen gesetzlichen Höchstwert für Nitrat in Rucola gibt es bisher nicht.

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