Rucksäcke Test

Hier sagen Jugendliche, was Sache ist. Sechs Teenager schulterten den Rucksacktest gemeinsam mit Profi-Prüfern. Drei ihrer Favoriten überzeugten dabei auch qualitativ.

Das ist ein echt hässliches Teil, was für Viertklässler. Damit würde ich doch nicht auf die Straße gehen.“ Die jungen Tester sind sich einig. Der 4You Reflexx oder der Take-it-Easy-Rucksack käme ihnen nicht auf den Rücken. Sie wollen sich nicht lächerlich machen. Ihr Rucksack muss in erster Linie cool sein, es muss viel hineinpassen und er muss gerade angesagt sein. Sonst ist man bei den Freunden schnell unten durch. Und so stopfen die 13- bis 15-Jährigen ihren Krimskrams am liebsten in einen Eastpak oder Esprit. Adidas, Puma und Trunk & Co. by Samsonite lassen sie auch noch gelten.

Warum die Marke wichtig ist

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Marcus (14): „Ich hab' einen Eastpak, weil der cool ist.“

Die Marke muss stimmen. Glaubt man der neuesten Bravo-Jugendstudie „Lebenswelten und Konsum“, sind den jungen Leuten die Packesel zwar nicht so wichtig wie Mode, Musik und Make-up. Aber immerhin noch so wichtig, dass sie unbedingt trendy sein und gut aussehen müssen. Rucksäcke gehören zu den so genannten „shared basics“: Trendforscher meinen damit die alltäglichen Dinge im Leben der jungen Leute, die ihnen emotional nahe stehen. Mit ihnen symbolisieren sie die Zugehörigkeit zu einer Gruppe und schaffen eine gemeinsame Basis untereinander.

Wir haben unsere jungen Tester gefragt, welches Teil sie am liebsten kaufen würden. Was gerade angesagt ist, variiert von Clique zu Clique und hängt natürlich auch vom Alter ab. Deshalb haben wir diesen „Coolnessfaktor“ auch nicht bewertet. Die Marke spielt bei den qualitativen Eigenschaften der Rucksäcke zunächst einmal gar keine Rolle.

So mussten die sechs Schüler alle 18 Modelle ausgiebig unter die Lupe nehmen, akribisch alle Vor- und Nachteile im täglichen Gebrauch notieren. Außerdem wurden die Rucksäcke im Labor gecheckt. Wie sind sie verarbeitet? Ist der Inhalt ausreichend vor Regen geschützt, sind sie farb- und schweiß­echt? Wie ist die Polsterung beschaffen?

Das sind die „Guten“

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Steffi (15): „Manche sehen echt lächerlich aus.“

Wohl überraschend für die Jugendlichen – ihre Top-Favoriten konnten nicht recht überzeugen. Der Eastpak Wyoming rangiert qualitativ nur im Mittelfeld, so wie acht andere Rucksäcke auch. Und der Esprit 1968, für 25 Euro vergleichsweise billig zu haben, floppte mit den schlechtesten Materialei­gen­schaften. Als einzi­ges Modell im Test kassierte er dafür abschließend ein „Ausreichend“. Aber immerhin drei Modelle, die bei den Kids ebenfalls hoch im Kurs stehen, schnitten „gut“ ab, näm­lich Eastpak Montana 702 E (65 Euro), Trunk & Co. by Samsonite Hizise (77 Euro) und Puma Athletic Backpack. Letztererer ist mit 26 Euro der billigste unter den „Guten“. Auch „gut“, aber weniger beliebt bei den 13- bis 15-Jährigen: Tatonka San Diego, Deuter Flow II, Nike Back to School, Vaude Goose 13732 und Kipling Webmaster.

Im Regen stehen

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Marc (13): „Die Tragegurte sollten lang genug sein.“

Ordner, Hefter, Bücher, Brotbox, Getränkeflasche, Turnzeug, Mäppchen für die Stifte, womöglich Handy und CD-Spieler mit CDs – all das muss mit in die Schule. Rund sechs Kilogramm quetschten die jungen Prüfer in jede Tasche. Und alles passte hinein, egal wie viele Fächer dafür zur Verfügung standen. Nur im Esprit 1968 hatten die Turnschuhe nur mit Mühe Platz. Und nass wären sie eh geworden. Denn dieses Leichtgewicht aus purem Baumwollstoff wird pitschnass und sein Inhalt auch. Mehr als ein halber Liter Wasser, fast 700 Milliliter, drang nach innen und durchfeuchtete alles (Prüfung auf eindringendes Bodenwasser). Bei den beiden Eastpak-Modellen zum Beispiel blieb alles trocken. Der angenähte Boden aus Leder ließ nichts durch.

Auch wenns von oben pladdert, sollten die Sachen trocken bleiben. Nähte und Reißverschlüsse sind heikle Stellen. So lange es dort nur etwas feucht wird, Bücher und Discman nichts abbekommen, ist das nicht so schlimm. Doch bei einigen Rucksäcken wurde es während der zehnminütigen Beregnung innen richtig nass, ganz besonders beim Esprit und Take it Easy. Wer damit vom Wolkenbruch überrascht wird, steht wirklich im Regen.

Ordentliche Verarbeitung

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Lisa (15): „Einige haben viel zu viele Einteilungen.“

Im Großen und Ganzen waren die Rucksäcke ordentlich verarbeitet, farb- und schweißecht. Unsaubere Nähte, fran­sige Schnittkanten oder eingenähte Falten blieben die Ausnahme. Überrasch­un­gen lauern jedoch, wenn der Rucksack auf der Kleidung scheuert. Etliche Modelle verursachen hässliche Knötchen, Pills ge­nannt. Dieser Pilling-Effekt zeigt sich vor allem auf rauen Sachen wie Fleece oder Wolle. Dagegen ist wenig zu machen. Man kann die störenden Knötchen nur vorsichtig abrasieren.

Polstereffekt geht flöten

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Fabian (14): „Bloß nicht so schwer; das drückt nur.“

Tagtäglich schultern die Jugendlichen etliche Kilos. Gut, wenn die Gurte dann ordentlich abgepolstert sind. Dabei kommt es nicht allein auf die Dicke des Polsters an, sondern auch auf seine Qualität. Die lässt bei einigen Rucksäcken zu wünschen übrig. Das Material verliert mit der Zeit an Elastizität, der Polstereffekt geht flöten. Bei einem No-Name-Produkt für acht Euro mag das zu erwarten sein, nicht aber bei Markenware für 25 bis 65 Euro wie Adidas, Burton, Esprit, Quiksilver und Windsurfing Chiemsee.

Besonders gut gepolstert sind die Gurte an den Schulrucksäcken von 4You und Take it Easy sowie bei Nike, Tatonka und Vaude. Das bedeutet jedoch nicht per se, dass sie sich auch gut tragen lassen. Sind die Gurte nur schwer auf die richtige Länge einzustellen, zu lang, zu kurz oder liegen sie nicht richtig auf den Schultern auf, ist das unangenehm und lästig. Bereits im Laden sollte man auch darauf achten, ob die Rückenpolster gut sitzen oder gegen das Kreuz drücken. Eine körpergerechte Rückwand mit rückenschonender Polsterung, wie es bei Schulranzen üblich ist, gibt es meist nur an den Rucksäcken, die speziell für Schüler oder den Berufsalltag konzipiert sind (4You Reflexx, Kipling Webmaster, Take it Easy und Windsurfing Chiemsee School Bag).

Auf große Außentaschen, viele Fächer und Unterteilungen legen die Teenager kaum Wert, genau so wenig auf Hüft-, Brust- und Kompressionsgurte. Was gut für den Rücken ist und das Gewicht besser verteilt, spielt keine Rolle. Sie tragen den Rucksack sowieso möglichst tief hängend, fast schon in den Kniekehlen. Damit es richtig schön cool aussieht.

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