Router Meldung

Ab August 2016 gilt eine Gesetzes­änderung, die klar­stellt: Internetanbieter dürfen ihren Kunden nicht vorschreiben, welche „Tele­kommunikations­end­einrichtung“ sie nutzen. Meist ist dabei von „Routerfreiheit“ oder vom „Ende des Router­zwangs“ die Rede. Dabei geht es eigentlich nicht um Router, sondern um das Modem. test.de erklärt die Hintergründe und sagt, was sich für wen ändert.

Freies Modem, freier Router

Bisher bestanden viele Internetanbieter – allen voran die Kabelnetz­betreiber – darauf, dass ihre Kunden für die Internet­verbindung Geräte nutzen, die der Netz­betreiber stellt. Das wurde vielfach als „Router­zwang“ kritisiert. Dabei ging es streng genommen nicht um Router, sondern um das Modem. Dieses Gerät dient dazu, die Internet­verbindung etwa über einen DSL- oder einen Kabel­anschluss aufzubauen. Beliebter als reine Modems sind aber Kombigeräte, die neben dem Modem noch viele weitere Funk­tionen vereinen: Einen Router fürs Heimnetz­werk, eine WLan-Station für ein lokales Funk­netz­werk, eine Telefon­anlage für Sprach­anrufe. Ab dem ersten August haben Kunden nun einen gesetzlichen Anspruch, hier Geräte ihrer Wahl zu verwenden.

Neue alte Freiheit

Schon vorher galt eigentlich, dass Nutzer eigene Endgeräte ans Tele­kommunikations­netz anschließen dürfen. Doch einige Internetanbieter hatten den bisherigen Gesetzes­text etwas eigen ausgelegt und das von ihnen gestellte Modem als „aktiven Netz­abschluss­punkt“ kurzer­hand zum Teil ihres Netzes erklärt. Die neuen Fassungen des Tele­kommunikations­gesetzes und des Gesetzes über Funk­anlagen und Tele­kommunikations­end­einrichtungen stellen nun klar: „Der Zugang ist ein passiver Netz­abschluss­punkt“. Heißt: Das öffent­liche Netz endet mit der Buchse an der Wand, daran darf der Kunde jedes geeignete Endgerät anschließen.

Anbieter in der Pflicht

Damit das funk­tioniert, müssen die Netz­betreiber zum einen eine tech­nische Beschreibung ihrer Netz­werk­schnitt­stelle veröffent­lichen. Das ist nötig, damit Geräteanbieter passende Modelle entwickeln können. Zum anderen müssen sie ihren Kunden die nötigen Informationen geben, um ein eigenes Gerät in Ihrem Netz in Betrieb zu nehmen – zum Beispiel Anmelde­daten für den Internet­zugang und einen darauf basierenden Telefon­anschluss.

Vorsprung bei DSL

Viele DSL-Kunden wissen die „Routerfreiheit“ bereits jetzt zu schätzen. Denn die meisten DSL-Anbieter stellen ihren Kunden die Geräte­wahl schon länger frei. Im Handel ist eine große Auswahl an DSL-Routern unterschiedlicher Preislagen und Ausstattungs­klassen verfügbar. Wer weiß, was er braucht, kann sich daraus das passende Gerät aussuchen. Zudem gibt es einen großen Gebraucht­markt an DSL-Routern, auf dem sich das eine oder andere Schnäpp­chen finden lässt. Dazu ist allerdings ein gewisses Maß an tech­nischem Wissen nötig, damit man nicht ein veraltetes Gerät erwischt, dass die aktuellen DSL- oder WLan-Stan­dards nicht beherrscht.

Kabel hinkt hinterher

Beim Internet per Kabelnetz gibt es noch Nach­holbedarf. Bisher haben die deutschen Kabelnetz­betreiber Fremd-Modems nicht erlaubt. Diese Politik müssen sie nun ändern. Doch noch haben sie ihre Schnitt­stellen­beschreibungen nicht veröffent­licht. Auf Anfrage von test.de sagten die wichtigsten Anbieter über­einstimmend, dass dies recht­zeitig zum ersten August geschehen werde. Recht viel früher sollten Kunden auch nicht damit rechnen. Das Angebot an Kabel-Routern ist dementsprechend noch weit geringer als bei DSL. Ein Gebraucht­markt für güns­tige Kabel-Router wird sich erst entwickeln müssen. Erst dann können auch Kabel­kunden die neue Freiheit genießen.

Eigene Geräte einrichten

Unterschiede zwischen DSL und Kabel gibt es auch, wenn es darum geht, den eigenen Modem-Router in Betrieb zu nehmen.

  • DSL. Bei DSL geschieht die Anmeldung im Netz üblicher­weise über eine Kundenkennung und ein Pass­wort. Diese Daten erhält der Kunde von seinem Netz­betreiber und gibt sie in sein Gerät ein. Dann kann er drauflos­surfen.
  • Kabel. Beim Kabel­internet wird der Kunde dagegen über die Hard­ware-Adresse seines Modems identifiziert. Der Netz­betreiber Unitymedia kündigt in seinem Blog ein eher umständliches Anmelde­verfahren an: Demnach soll der Nutzer die nötigen Daten seines Modems dem Netz­betreiber telefo­nisch mitteilen, damit der das Gerät fürs Netz frei­schaltet. Vodafone/Kabel Deutsch­land und Telecolumbus wollen dagegen nach eigenen Angaben ein einfacheres System bieten. Dabei soll der Kunde nach dem Anschluss eines neuen Modems auto­matisch auf eine spezielle Webseite geleitet werden, wo er die nötigen Daten dann selbst eintragen kann. NetCologne äußerte sich auf unsere Anfrage gar nicht zum geplanten Anmelde­verfahren für seine Kabel­anschlüsse.

Neue Freiheit, neue Verantwortung

Nicht zu unrecht weisen Netz­betreiber darauf hin, dass mit der neu gewonnenen Freiheit auch neue Verantwortung einhergeht: So muss sich der Nutzer bei einem eigenen Gerät auch selbst darum kümmern, dass dessen Firmware stets auf dem aktuellen Stand ist. Er muss sich selbst um die Updates kümmern. Sofern diese Option vorhanden ist, sollte er in den Gerä­tee­instel­lungen entsprechend auto­matische Firmware-Updates akti­vieren.

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