Rotwein Test

Wir empfehlen Festtagsweine ab 5 Euro. Zwei deutsche Spätburgunder können die Stimmung allerdings trüben: Sie sind wirklich kein Genuss.

Rotwein Test

Recherche: Die test-Redak­teurin probierte mit, doch auf die Prüfer kam es an.

Sie schnüffeln, schlürfen und spülen den roten Rebensaft in jeden Winkel der Mund­höhle. Es geht geräusch­voll zu, wenn Wein­experten für uns Wein verkosten. Am Ende spucken sie ihn aus. Schließ­lich müssen sie jeden der 24 trockenen Rotweine im Test ohne Schwips treffend beschreiben. Wir haben den Verkostern acht Rote aus Deutsch­land kredenzt, vier aus Spanien sowie je sechs aus Frank­reich und Italien. Darunter waren sowohl Weine, die den Namen renommierter Erzeuger tragen, wie Baron Philippe de Roth­schild, als auch Exklusivmarken von Aldi und Lidl.

Wir haben markt­bedeutende Rotweine für 5 bis 13 Euro pro Flasche ausgewählt. Am meisten werden zwar Weine für weniger als 5 Euro verkauft. Aber in der Hoff­nung auf besondere Tropfen geben viele Konsumenten für die Feiertage etwas mehr aus. Auf wirk­lich heraus­ragende Qualität trafen die Tester in diesem Preissegment jedoch nicht: weder im Weinfach­handel noch im Discounter, Supermarkt oder Bioladen. Immerhin bekommen zwei Drittel der Rotweine im Test aber gute Noten für Aussehen, Geruch, Geschmack und Mund­gefühl (Tabelle).

Von Sauerkirsche bis Sauerkraut

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In Strümpfen versteckt: Unsere Prüfer sahen nicht, welche Weine sie verkosteten.

Bei Wein kommen Nase und Gaumen voll auf ihre Kosten. Sauerkirsche, Pflaume, Rumtopf, Kokos, Muskat, Zimt, Lakritze, Paprika oder Holz – an all das können Geruch und Geschmack erinnern, aber auch an Sauerkraut oder Gülle. Derartig fehler­hafte Noten hatte der 2009er Spätburgunder von Lidl aus der Reihe „Junge Winzer“ für 6 Euro. Außerdem schmeckt er scharf und beißt auf der Zunge. Fragt sich nur, warum Sternekoch Kolja Klee­berg für diesen Wein als „Qualitäts­scout“ wirbt.

Nicht zu empfehlen ist auch der 2008er Ahrweiler Kloster­berg Spätburgunder für 7 Euro. Er ist untypisch für Spätburgunder, sauer und unausgewogen mit vordergründigen Maggi- und Gemüsenoten.

Kaum ein Lebens­mittel bietet eine solche Aromen­vielfalt wie Wein. Fruchtige Noten liefern meist die Trauben. Vegetative Töne – nach grüner Paprika, Unter­holz oder Kraut – können von unreifen Trauben oder Trauben­stielen herrühren. Die Holz­fass­reifung begüns­tigt Röstaromen und würzige Noten. Auch Boden, Klima, Können des Winzers, Hefeart und Hygiene im Weinkeller beein­flussen das Aroma.

Tipp: Sie müssen kein geschulter Verkoster sein, um verschiedene Aromen zu erkennen. Versuchen Sie, sich beim Weintrinken vorzustellen, wie bestimmte Früchte und Gewürze riechen und schme­cken.

Auf Schad­stoffe und Histamin geprüft

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Alternativen: Nur sieben Weine sind ohne Naturkorken. Bestens geeignet, obwohl sie nicht ploppen: Schraub­verschlüsse.

Wer Wein trinkt, möchte sicher sein, dass der schad­stoff­frei und nicht gepanscht ist. Wir haben alle Rotweine im Labor unter­suchen lassen. In sechs Weinen waren keine Rück­stände von Pflanzen­schutz­mitteln nach­weisbar. In allen anderen lagen sie unter den Grenz­werten. Kein Wein enthielt Schimmelpilzgift. Arsen und Schwer­metalle wie Kupfer und Blei wurden allenfalls in geringen, unbe­denk­lichen Mengen gefunden. Hinweise auf Verfälschungen und falsche Herkunfts­angaben gab es nicht.

Einige südlän­dische Rotweine fallen aber durch höhere Gehalte an Histamin auf. Das ist ein Stoff, der insbesondere bei unkontrollierter Gärung gebildet wird. Er kann bei Menschen mit Histamin-Intoleranz Beschwerden wie Hautrötungen, Atemwegs­probleme oder Kopf­schmerzen auslösen.

Tipp: In der Tabelle steht, welche Weine wenig Histamin enthalten.

Zwei Weine mit Alkohol­problem

Bei zwei Weinen im Test, dem Bio-Merlot und dem Rosso di Montalcino, analysierten wir einen höheren Gehalt an Alkohol als auf dem Etikett stand. Die Abweichung war größer als erlaubt. Die Weine hätten so nicht verkauft werden dürfen.

Die Weine im Test enthalten umge­rechnet auf ein Glas mit 200 Milliliter knapp 18 bis 23 Gramm Alkohol. Bei allem Genuss und trotz positiver Wirkungen des Weins für die Gesundheit: Zu viel Alkohol erhöht das Risiko für Leber-, Krebs- und Herz-Kreis­lauf-Erkrankungen. Außerdem besteht Sucht­gefahr. Ein moderater Konsum endet für Frauen schon bei einem Glas. Männer dürfen etwas mehr trinken – aber auch nicht täglich. Vielleicht bremsen die Kalorien das Verlangen: Die Weine im Test enthalten 130 bis 160 Kilokalorien pro Glas.

So kombinieren Sie Speisen und Wein

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Richtig einschenken. Füllen Sie das Glas maximal zu einem Drittel, damit sich der Wein im Glas schwenken lässt.

„Zu Fisch nur Weiß­wein“ – diese Regel gilt als über­holt. Heute empfehlen Sommeliers schon mal einen leichten, fruchtigen Roten zu Kräuter­fisch. Auf die Frage nach dem passenden Wein zum Fest­tags­schmaus bekamen wir auch kreative Vorschläge von unseren Prüfern (siehe Testkommentare der einzelnen Produkte).

Ähnliche Geschmacks­richtungen passen meist besser zusammen als gegen­sätzliche: Säurereiche Weine bereiten mit süßen Speisen eher wenig Freude. Sie wirken milder bei Säure im Essen, etwa von Zitronensaft. Gerb­stoff­reiche Weine harmonieren gut mit salzigen Gerichten, aber weniger mit bitteren. Holz­noten erschlagen leichte Speisen. Zu Herz­haftem passen voll­mundige Rotweine besonders gut.

Tipp: Lassen Sie sich von den Vorschlägen in den Testkommentare der einzelnen Produkte doch einfach inspirieren.

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