Rotkohl Test

Echt bequem, dieser Fertigkohl aus der Konserve oder Tiefkühltruhe. Doch ist er gut genug fürs Fest? Wir fanden große Unterschiede. Zwei Produkte haben starke Fremdgerüche und sind „mangelhaft“.

Da ist er wieder, der gewohnte Geruch. Etwas Warmes, Deftiges, Würziges, das an Gemütlichkeit, an Winter erinnert – und an ein Festessen mit Klößen und Braten. Rund um Weihnachten verströmt Rotkohl seinen Duft, gepaart mit Nelken und Lorbeer verbreitet er wohlige Stimmung.

Doch immer weniger Menschen bereiten das typisch deutsche Wintergemüse selbst zu. Im Supermarkt wartet die Fertigvari­an­te: Das 680-Gramm-Glas ist schon für 45 Cent zu haben. Von Oktober bis Ostern läuft das Geschäft am besten. Das Gros verkauft sich im Glas, geschätzte 10 Prozent im Beutel, 9 Prozent tiefgekühlt. Der Test zeigt: Gerade der Griff in die Tiefkühltruhe lohnt sich. Denn tiefgekühlter Apfelrotkohl überzeugt mehr als Rotkohl oder Apfelrotkohl aus dem Glas oder Beutel. Auch der Testsieger kommt aus dem Eis: Iglo kann nicht nur Spinat und Fischstäbchen, sondern auch Apfelrotkohl. Auf Platz zwei folgt Bofrost.

Viele sind nur durchschnittlich

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Pünktlich zum Fest haben wir 12-mal klassischen Rotkohl aus Glas und Beutel getestet, dazu 13-mal Apfelrotkohl aus Glas, Beutel und Gefrierfach. Fertigkohl spart viel Zeit, doch von Genuss kann oft keine Rede sein. In Aussehen, Geruch, Geschmack und Konsistenz ist die Mehrzahl durchschnittlich oder schlechter. Das spiegelt sich in den Gesamturteilen wider: Elf Marken sind „befriedigend“, drei „ausreichend“, zwei nur „mangelhaft“. Unter den befriedigenden und ausreichenden befinden sich fünf Delikatess-Produkte. „Delikatess“ steht für einen höheren Zuckergehalt, der aus den Zutaten, aber auch aus dem Kohl kommt. Dieses Kriterium erfüllen die Produkte zwar, eine hohe Qualität liefern sie aber nicht.

Neben Iglo und Bofrost gibt es weitere sieben „Gute“, allerdings oft nur knapp verdient: der klassische Rotkohl von Kaufland, Kühne und Schweizer sowie der Apfelrotkohl von Kühne, Rewe (Bio), Edeka, Eismann.

Überwürzt mit Nelke und Lorbeer

Neben Fehlern im Aussehen, viele braune Blattteile zum Beispiel, ist die Würzung der größte Schwachpunkt des Fertigrotkohls. Die Gewürze sollten abgestimmt sein, das Ganze ausgewogen süß-säuerlich und intensiv nach Kohl schmecken. Doch oft fällt der Geschmack einseitig aus, die Kohlnote wird überdeckt: etwa durch Nelke und Lorbeer bei Aldi (Nord) oder durch Essig bei Hengstenberg. Alles in allem war bei acht Produkten die Würzung nicht abgestimmt, bei acht weiteren Süße und Säure nicht, bei Aldi (Nord) nichts von alldem.

Vier mit Aroma und Süßstoff

In Gläser gelangt die Würzung über einen Aufguss, Tiefkühlware wird oft vor dem Einfrieren mit Gewürzen, Äpfeln und Schmalz gekocht. Ganze Lorbeerblätter oder Nelken sind im Fertigrotkohl nicht zu finden. Eher gemahlene Gewürze – oder natürliche Aromen, wie sie in der Zutatenliste von elf Gläsern und Beuteln stehen. Vier davon verwenden auch Süßstoff: Kaufland, Spreewaldkönigin, Stollenwerk, Mamminger. Süßstoff ist erlaubt und wird eingesetzt, weil er günstig ist. Doch er unterscheidet fertigen Rotkohl stark von selbst­ge­­machtem. Mamminger preist den Kohl trotz Süßstoff „nach Hausfrauenart“ an. Für uns unvereinbar: Er ist „ausreichend“.

Gerüche bei Penny und Leuchtenberg

Beim Rotkohl im Beutel stiegen den Verkostern erstaunliche fremde Gerüche in die Nase. Beim Apfelrotkohl von Leuchtenberg verdirbt ein starker Stallgeruch sofort den Appetit. Dieses Fehlaroma, das sich auch im Geschmack bemerkbar macht, stammt von weißem Pfeffer. Es kann durch falsche Bearbeitung der Körner entstehen. Auch „mangelhaft“ ist Jardinelle von Penny mit seiner dominierenden Rauchnote. Im Biss ist er dazu leicht gummiartig und er hatte den geringsten Vitamin-C-Gehalt im Test.

Wer mit Apfel geizt und wer nicht

Dass es auch anders geht, zeigen zum Beispiel Iglo, Bofrost, HAK und Rewe (Bio). Sie punkten alle vier mit viel Kohl- und Apfelge­schmack. Laut den Leitsätzen für Gemüseerzeugnisse sollte der Apfelanteil bei tiefgekühltem Apfelrotkohl mindestens zehn Prozent betragen. Elbtal und Ökoland knausern hier – man bekommt bei ihnen nur halb so viel Apfel, also fünf Prozent. Das geht aber nur aus der Zutatenliste hervor, wofür es Abzüge in der Note gab.

Die mauen Ergebnisse geben Anreiz, doch selbst zu kochen. Dafür eignet sich das Rotkohl-Rezept. Wir haben einen frischen Kohlkopf danach zubereitet und mit den Testprodukten verglichen. Der Unterschied: markantere Kohlnote, ideale, sprich zart-bissfeste Konsistenz.

Dreifach Vitamin C in Tiefkühlware

Vitamin-C-Gehalte hängen stark von der Verarbeitung ab. Tiefkühlrotkohl, der rasch nach der Ernte eingefroren wird, liefert mit durchschnittlich 23 Milligramm pro 100 Gramm fast dreimal so viel an Vitamin C wie der meiste Rotkohl in Gläsern und Beuteln.

Rotkraut bleibt Blaukraut

Rotkohl Test

Farbunterschiede: Der rotviolette von Spreewaldkönigin (links), der stark blauviolette Ökoland-Kohl (rechts).

Phänomenal bleibt die Farbpalette des Rotkohls. Je nach Boden färbt er sich mehr ins Rote oder Blaue. Auch regionale Zubereitungsarten beeinflussen seine Farbe (siehe Fotos). Die Zugabe von Saurem wie Essig oder Zitronensaft unterstreicht das Rot, daher der Name Rotkohl. Rotkraut nennt man ihn in Mitteldeutschland. Im Süden Deutschlands heißt er Blaukraut.

Ob Rot, ob Blau – gesund ist dieser Kohl in jedem Fall. Auch deshalb: Probleme mit Pestiziden, Nitrat, Blei und Kadmium gab es bei keinem Rotkohl im Test.

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