Rotkohl Test

Immer weniger Leute machen Rotkohl noch selbst. Kein Wunder: Im Supermarkt gibt es die günstige Fertigvariante im Glas oder aus der Tiefkühltruhe. Ist sie gut genug fürs Festessen? Viele der 25 Rotkohlprodukte im Test enttäuschen, besonders im Geschmack. Zwei Produkte haben starke Fremdgerüche und sind deswegen „mangelhaft“.

Von Genuss oft keine Rede

Von Oktober bis Ostern läuft das Geschäft mit dem Rotkohl aus der Konserve rund. Das Gros verkauft sich im Glas, geschätzte 10 Prozent im Beutel, 9 Prozent tiefgekühlt. Im Test: 12-mal klassischer Rotkohl aus Glas und Beutel, dazu 13-mal Apfelrotkohl aus Glas, Beutel und Gefrierfach. Das Fazit: Fertigkohl spart zwar viel Zeit in der Küche, doch von Genuss kann oft keine Rede sein. Die Mehrzahl enttäuscht in Aussehen, Geruch, Geschmack und Konsistenz. Nur knapp jeder dritte Rotkohl schafft ein Gut, zwei sind mangelhaft, der Rest platziert sich im Mittelfeld.

Iglo macht den Besten

Der Test zeigt: Es lohnt sich der Griff in die Tiefkühltruhe. Denn tiefgekühlter Apfelrotkohl überzeugt mehr als Rotkohl oder Apfelrotkohl aus dem Glas oder Beutel. Auch der Testsieger kommt aus dem Eis: Iglo kann nicht nur Spinat und Fischstäbchen, sondern auch Apfelrotkohl. Auf Platz zwei folgt Bofrost. Es gibt noch sieben weitere „Gute“, allerdings oft nur knapp verdient: der klassische Rotkohl von Kaufland, Kühne und Schweizer sowie der Apfelrotkohl von Kühne, Rewe (Bio), Edeka, Eismann.

Überwürzt und übersäuert

Die Tester bemängelten häufig Fehler im Aussehen: ungleichmäßig geschnittene oder gar braune Blattteile. Größter Schwachpunkt des Fertigrotkohls ist aber die Würzung. Die Gewürze sollten abgestimmt sein, das Ganze ausgewogen süß-säuerlich und intensiv nach Kohl schmecken. Doch oft fällt der Geschmack recht einseitig aus und überdeckt so die Kohlnote: etwa durch Nelke und Lorbeer bei Aldi (Nord) oder durch Essig bei Hengstenberg. Alles in allem war bei acht Produkten die Würzung nicht abgestimmt, bei acht weiteren Süße und Säure nicht, bei Aldi (Nord) nichts von alldem.

Vier mit Aroma und Süßstoff

In Gläser gelangt die Würzung über einen Aufguss, Tiefkühlware wird oft vor dem Einfrieren mit Gewürzen, Äpfeln und Schmalz gekocht. Ganze Lorbeerblätter oder Nelken darf keiner erwarten. Eher gemahlene Gewürze – oder natürliche Aromen, wie sie in der Zutatenliste von elf Gläsern und Beuteln stehen. Vier davon verwenden auch Süßstoff: Kaufland, Spreewaldkönigin, Stollenwerk, Mamminger. Süßstoff ist erlaubt und wird eingesetzt, weil er günstig ist. Doch mit „Hausfrauenart“ hat das nichts zu tun. Genau so preist Mamminger seinen Kohl an und bekommt deswegen nur ein Ausreichend.

Seltsame Fremdgerüche bei den „Mangelhaften“

Beim Rotkohl im Beutel stiegen den Verkostern erstaunlich fremde Gerüche in die Nase. Beim Apfelrotkohl von Leuchtenberg verdirbt ein starker Stallgeruch sofort den Appetit. Dieses Fehlaroma stammt von weißem Pfeffer. Es kann durch falsche Bearbeitung der Pfefferkörner entstehen. Er ist nur „mangelhaft“. Auch „mangelhaft“ ist Jardinelle von Penny mit seiner dominierenden Rauchnote. Im Biss ist er auch leicht gummiartig – dazu hatte er den geringsten Vitamin-C-Gehalt im Test. Dass es auch anders geht, zeigt zum Beispiel der Apfelrotkohl von Iglo, Bofrost, HAK und Rewe (Bio). Sie punkten alle vier mit besonders viel Kohl- und Apfelgeschmack.

Mehr Vitamin C in Tiefkühlware

Rotkohl ist reich an Vitamin C, roh kann er mehr davon enthalten als eine Orange. Bei Fertigrotkohl hängt der Vitamin-C-Gehalt stark von der Verarbeitungsart ab, wie der Test zeigt. Tiefkühlrotkohl, der rasch nach der Ernte eingefroren wird, liefert durchschnittlich 23 Milligramm Vitamin C pro 100 Gramm. Rotkohl in Gläsern und Beuteln kann hingegen nur knapp ein Drittel davon bieten.

Rotkraut bleibt Blaukraut

Phänomenal bleibt die Farbpalette des Rotkohls. Je nach Beschaffenheit des Bodens färbt er sich mehr ins Rote oder Blaue. Auch regionale Zubereitungsarten beeinflussen seine Farbe. Die Zugabe von Saurem wie Essig oder Zitronensaft unterstreicht das Rot, daher der Name Rotkohl. Rotkraut nennt man ihn in Mitteldeutschland. Im Süden Deutschlands heißt er Blaukraut. Ob Rot, ob Blau – gesund ist er in jedem Fall. Bei keinem Rotkohl im Test gab es Probleme mit Pestiziden, Nitrat, Blei oder Kadmium.

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