Rollstuhltransport in Fahrzeugen Meldung

Gefahr für Rollstuhlfahrer: Einem Autounfall halten Rollstühle beim Transport nicht stand. Jetzt wurde ein Sicherheitsrollstuhl entwickelt, der noch erprobt wird. Er soll bei einem Crash starke Belastungen aushalten.

Sind körperlich Behinderte mit dem Auto unterwegs, können sie normale oder speziell angepasste Autositze benutzen, zum Beispiel Schwenksitze. Doch oft macht es die körperliche Einschränkung erforderlich, dass sie im Rollstuhl sitzend befördert werden müssen. Kommt es dann zu einer Karambolage, sind die Mitreisenden im Rollstuhl in der Regel durch Gurte gesichert. Die halten die Aufprallwucht meist auch aus, doch der fahrbare Untersatz bricht auseinander, wenn der Behinderte bei einem Auffahrunfall wieder in ihn zurückfällt.

Der Gesetzgeber stellt in dieser Hinsicht bislang keine speziellen Sicherheitsanforderungen. Rollstühle werden in Behindertentransportwagen mit Rückhaltesystemen fixiert. Im Normalfall verlaufen diese Transporte auch unproblematisch, doch für den Ernstfall gilt das nicht.

Beim Unfall instabil

Rollstuhltransport in Fahrzeugen Meldung

Der Standardrollstuhl, ob Elektro-, Schiebe- oder Greifreifenstuhl, wird in erster Linie konstruiert, um einer sitzenden Person mit dem geringstmöglichen Aufwand, der größtmöglichen Beweglichkeit und akzeptablem Komfort eine Fortbewegung zu ermöglichen. Er ist leicht gebaut und für anwendungstypische Zug- und Druckbelastungen versteift, wie etwa für den Transport über Treppenstufen. Manche Hersteller verbieten in den Gebrauchsanleitungen den Transport der Rollstühle im Kraftfahrzeug sogar ausdrücklich, um so der Produkthaftung zu entgehen.

Kräfte, die bei einem Fahrzeugaufprall entstehen, sind um ein Vielfaches größer. Die DIN-Norm 75 0782 schreibt bisher nur eine Kurzzeitbelastung für Rückhaltesysteme in Behindertentransportwagen vor: Sie müssen der 12fachen Erdbeschleunigung in 20 Millisekunden standhalten.

Volkswagen hat bei Crashversuchen zur Entwicklung eines Aufprallschutzes (einer Art Kissen) für Personen im Rollstuhl festgestellt, dass die tatsächlichen Krafteinwirkungen weit über diesen Werten liegen. Deshalb ging Volkswagen von Anforderungen aus, die auch für normale Pkw-Sitze gelten: 20fache Erdbeschleunigung während 30 Millisekunden. Aber selbst bei diesen Werten zerbrachen die Rollstühle.

Ein neues Projekt

Im Rahmen eines europäischen Programms mit dem Namen Tide haben andere Firmen, darunter Fiat und der deutsche Rollstuhlhersteller Meyra, einen stabil konstruierten Elektrorollstuhl entwickelt, der sich auf die speziellen Alltagsbedürfnisse des Nutzers einstellen lässt.

Der schmale Rollstuhl ist mit vier kleinen Rollen versehen. Neben einem kleinen Wendekreis ermöglicht das maximale Kippsicherheit ­ auch bei Bordsteinkanten. Der Polsterdruck ist ähnlich wie bei Bürostühlen verstellbar. Der Clou: Zum Transport in einem Fahrzeug lässt sich die Sitzfläche von maximal 83 Zentimeter bis auf 33 Zentimeter absenken. Das erlaubt eine sicherere Bodenhaftung und verringert auch die Bruchgefahr der Rückenlehne. Das Hightech-Hilfsmittel wird derzeit noch weiter geprüft. Von den Ergebnissen werden Produktionsvolumen und Preis abhängig sein.

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