Interview: Wie komme ich an einen Rollator?

Rollatoren Test

Christine Gaszc­zyk berät beim Sozial­verband VdK in Berlin und Brandenburg seit 13 Jahren Menschen, die ein Hilfs­mittel benötigen.

Was muss ich tun, wenn ich einen Rollator brauche?

Zunächst sollten Sie sich bei Ihrer Krankenkasse informieren, wie deren Konditionen sind. Das ist von Kasse zu Kasse unterschiedlich. Dann lassenSie sich am besten von Ihrem Arzt ein Rezept ausstellen. Damit können Sie in ein Sanitäts­haus gehen oder das Rezept direkt bei Ihrer Krankenkasse einreichen. Je nachdem stellt Ihnen dann der Vertrags­partner Ihrer Kasse – Sanitäts­haus oder Liefer­betrieb – einen Rollator zur Verfügung.

Gehört mir der Rollator dann?

In der Regel bleibt der Rollator Eigentum des Händ­lers oder der Krankenkasse. An Sie wird er nur verliehen.

Worauf muss ich beim Rezept achten?

Es ist wichtig, dass Sie genau wissen, was für einen Rollator Sie brauchen. Steht auf Ihrem Rezept nur „Rollator“, werden Sie ein Stan­dard­modell bekommen. Das reicht meist aus, wenn Sie nur eine geringe Gehunsicherheit haben. Beein­trächtigen Sie weitere Beschwerden wie schwere Atemnot, Muskel- oder Gelenk­erkrankungen, benötigen Sie eher einen Leicht­gewicht-Rollator oder ein Modell mit Zusatz­ausstattung. Das muss der Arzt dann detailliert auf der Verordnung vermerken und begründen. Bei Leicht­gewicht-Rollatoren sollte er auch ein Maximalgewicht angeben. Steht ein geeignetes Modell im Hilfs­mittel­verzeichnis, kann der Arzt auch dessen Nummer direkt ins Rezept schreiben. In diesen Fällen würde die Kasse mehr zahlen als die Stan­dard­versorgung.

Wer kann mir sagen, was für einen Rollator ich brauche?

Eigentlich sollte Ihr Arzt Sie umfassend beraten. Außerdem können Sie zu der Beratung bei den Sozial­verbänden oder den Pfle­gestütz­punkten gehen. Wenn Sie in einer Rehaklinik behandelt werden, sind Sie sicher durch die dortigen Ergo- oder Physio­therapeuten gut beraten.

Was kann ich machen, wenn ich nicht mein Wunsch­modell bekomme?

Für höher­wertige Rollatoren können Sie die sogenannte wirt­schaftliche Aufzahlung wählen. Das bedeutet, Sie zahlen die Differenz von Kassen­leistung und Rollator­preis selbst an das Sanitäts­haus oder den Lieferanten. Die Kosten bewegen sich – je nach Modell und Kassen­leistung – meist zwischen 100 und 300 Euro.

Kann ich mir auch ohne Rezept einen Rollator beim Discounter oder im Internet besorgen?

Ja, dort sind die Angebote oft über­raschend günstig. Sie müssen nur darauf achten, dass Sie selbst oder ein Angehöriger in der Lage ist, das Gerät richtig einzustellen. Das über­nimmt sonst der Liefer­betrieb oder das Sanitäts­haus. Wenn Sie sich unsicher sind, sollten Sie Ihren Rollator beim nächsten Arzt­besuch einfach mitbringen und die Einstel­lungen über­prüfen lassen.

Was mache ich, wenn mein Rollator kaputt­geht?

Wenn Sie sich das Gerät über Rezept besorgt haben, ist das Sanitäts­haus oder der Liefer­betrieb in den ersten Jahren für Wartung und Reparatur zuständig. Wie lange, das hängt wieder von den Rege­lungen Ihrer Krankenkasse ab. Bei privat gekauften Rollatoren müssen Sie sich selbst um den Schaden kümmern. Sanitäts­häuser reparieren nicht gern Rollatoren, die Sie woanders gekauft haben. Fahr­radläden sind oft eine gute Alternative und beheben kleinere Defekte unkompliziert.

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