Kostet der Robo mehr als 1,27 Prozent pro Jahr, haben wir das mit mangelhaft bewertet.

Geld vom Computer verwalten zu lassen, ist Trend. Unser Test zeigt, welche Robo-Advisors die passendsten Anla­geempfehlungen geben.

Roboter sind nicht nur Helfer im Haushalt und in der Industrie, längst tauchen sie auch bei der Geld­anlage auf. Digitale Vermögens­verwaltung über das Internet gibt es nun seit gut fünf Jahren, bekannt unter der Bezeichnung Robo-Advisor, kurz Robo. Advisor heißt auf Deutsch Berater. Ein Robo ist allerdings keine Maschine in Berater­gestalt. Er existiert nur als Computer­programm und ist darauf ausgelegt, Geld zu verwalten: stan­dardisiert, mit Fonds, nach bestimmten, ihm vorgegebenen Algorithmen. Sein großer Vorteil: Er erspart lästige Bank­gänge. Anleger können ihn bequem von zu Hause aus steuern, PC oder Laptop genügt.

Erst­mals Qualitäts­urteile

Wir haben 14 Robo-Advisors, die Vermögens­verwaltung mit Fonds anbieten, getestet. Erst­mals haben wir Qualitäts­urteile dafür vergeben, wie gut ihre Anla­geempfehlungen sind. Robos, die als Mindest­anlagesumme 100 000 Euro oder mehr verlangen, sind nicht im Test.

Unser Rat

Zielgruppe. Sie kennen sich mit der Geld­anlage in Fonds aus, ETF sind Ihnen ein Begriff, Sie haben aber keine Lust, Ihre Geld­anlage selbst in die Hand zu nehmen? Dann ist die digitale Vermögens­verwaltung per Robo-Advisor für Sie geeignet. Sie sollten einschätzen können, ob das vorgeschlagene Portfolio zu Ihnen passt.

Sorgfalt. Beant­worten Sie die Eingangs­fragen des Robo-Advisors sorgfältig und ehrlich. Es hat keinen Sinn, dass Sie hier ungenaue oder unrichtige Angaben machen, denn dann kann auch der Portfolio­vorschlag nicht passen.

Test­ergeb­nisse. Am besten abge­schnitten haben die Robo-Advisors Quirion und Whitebox. Ihre Anla­geempfehlung war gut.

Kosten. Die digitale Vermögens­verwaltung ist meist güns­tiger als die herkömm­liche. Sie lohnt sich aber nicht immer. Die Ertrags­aussichten sicherer Portfolios ohne Aktien sind derzeit so gering, dass sie sich nicht rechnet. Wer keine Aktien will, sollte ein gutes Tages- oder Fest­geld­konto wählen.

Die Testsieger

Am besten abge­schnitten haben Quirion und Whitebox. Quirion ist ein Ableger der Qui-rin Bank und war 2013 als einer der ersten Robo-Advisors am Markt. Whitebox ist ein sogenanntes Fintech, ein Startup aus der Finanz­technologiebranche. Beide haben die Note gut. Die Note sehr gut haben wir nicht vergeben, dafür haben wir zu viele Mängel gefunden. Sechs Robo-Advisors sind befriedigend, darunter der aus der Werbung weithin bekannte Anbieter Scalable. Drei Robos haben ausreichend und drei mangelhaft abge­schnitten. Die schlechten Noten sind über­wiegend auf die zu hohen Kosten zurück­zuführen (Testergebnisse Robo-Advisor).

Zu der Qualität der Anla­geempfehlung gehören der anfäng­liche Portfolio­vorschlag, außerdem die Kosten, die Informationen über die Produkte und Kosten sowie die Abfrage der Kunden­daten. Nicht getestet haben wir, wie gut sich die Portfolios der Robos entwickelt haben. Dafür ist es noch zu früh.

Neugier, gesetzlich vorgeschrieben

Wer vorhat, einen Robo zu nutzen, muss sich zunächst vorstellen. Der Robo fragt nach der Anlagesumme, der gewünschten Dauer und dem Zweck der Anlage. Er will wissen, welches Risiko der Anleger einzugehen bereit ist. Dann erkundigt er sich noch nach dem Vermögen, nach Krediten und der Einkommens­situation, nach Kennt­nissen und bisherigen Erfahrungen mit Geld­anlagen.

Manche Anleger schreckt die Detailtiefe ab, so viel wollen sie gar nicht preis­geben. Doch die Vermögens­verwalter können nicht anders, sie sind gesetzlich zu diesen Fragen verpflichtet – und das aus gutem Grund: Wer den Kunden nicht kennt, der kann auch keine vernünftigen Empfehlungen abgeben.

Jede Frage lässt sich durch die gesetzliche Vorgabe jedoch nicht recht­fertigen. Anleger wollen eine Onlineberatung erst einmal anonym angehen. Die frühe Abfrage persönlicher Daten wie Adresse, Konto­verbindung oder Steuer­nummer haben wir daher negativ bewertet. Ausnahme ist die E-Mail-Adresse. Nach ungefähr zehn bis fünf­zehn Minuten macht der Robo einen ersten Depot­vorschlag, den der Anleger dann prüfen kann.

Portfolios meistens in Ordnung

Um die Robo-Advisors zu testen, haben wir sie mit Daten eines Muster­kunden gefüttert: Er ist 45 Jahre alt, will 51 000 Euro auf zehn Jahre anlegen und dabei mittel­große Risiken eingehen (Anlagevorschläge).

Daher verlangten wir von den Robos einen Anlage­vorschlag mit mindestens 30 Prozent sicheren Geld­anlagen. Gut gefallen hat uns ein breit gestreutes Portfolio, das über­wiegend aus ETF besteht. ETF steht für Exchange Traded Funds, börsen­gehandelte Indexfonds. Noten haben wir für die Portfolios nicht vergeben. Es gibt aus unserer Sicht nicht das einzig wahre Konzept. Wenn wir jedoch deutliche oder sehr deutliche Mängel an der Depot­zusammen­stellung fest­gestellt haben, haben wir das Qualitäts­urteil abge­wertet.

Drei Portfolios sind ohne Mangel

Keine Mängel haben wir bei Whitebox gefunden, auch nicht bei Fintego und Werth­stein, die allerdings in anderen Punkten nicht über­zeugen konnten. Whitebox hat das Geld unseres Modell­kunden auf sieben verschiedene Aktien-ETF und acht unterschiedliche Anleihen-ETF aufgeteilt. Hinzu kommt ein ETC auf Gold. ETC steht für Exchange Traded Commodities, börsen­gehandelte Rohstoffe.

Auch Quirion nutzt über­wiegend passive Fonds. Die meisten sind klassische ETF, hinzu kommen zwei aktiv gemanagte, index­nahe Fonds des texa­nischen Unter­nehmens Dimensional, die aufgrund der Anlagephi­losophie und der Anzahl der Titel im Fonds oft als ETF-ähnlich angesehen werden.

Scalable mit Risi­kost­euerung

Der Robo-Advisor Scalable hat insgesamt befriedigend abge­schnitten. Sein Depot­vorschlag wies deutliche Mängel auf. Die Münchener verwenden zwar ausschließ­lich ETF, doch die Mischung birgt Risiken. Sie steuern das Depot über den Value at Risk, kurz VaR. Der Value at Risk ist ein verbreitetes Risikomaß in der Finanz­branche.

Scalable stellt zum Beispiel sein „VaR 20 %“-Portfolio so zusammen, dass der Verlust in einem Jahr mit einer Wahr­scheinlich­keit von 95 Prozent nicht mehr als 20 Prozent betragen soll. Das Portfolio kann hierzu täglich angepasst werden und es kommt dabei leicht zu ungewöhnlichen Mischungen.

Nicht immer ist der Mix ausgewogen und breit gestreut, wie das bei einer klassischen Portfolio­aufteilung üblich ist. Bei der letzten Unter­suchung haben wir hohe Anteile an Fremdwährungs­anleihen gefunden, dieses Mal gibt es ein Überge­wicht an Aktien. Das kann ein Problem sein, weil bei unerwarteten Markt­bewegungen Anpassungen zu spät kommen. 

Auch andere Robo-Advisors wie Robin, Warburg oder Whitebox richten das Portfolio mittels Risiko­steuerung aus – allerdings auf eine andere Art, mit einem zumindest bisher beständigeren Portfolio.

Cominvest mangelhaft

Der schlechteste Depot­vorschlag kommt von Cominvest. Das anfäng­liche Portfolio besteht zu 30 Prozent aus deutschen Aktien, davon die Hälfte Technologie­werte. Weitere 30 Prozent des Geldes liegen in Schwellenländerfonds. Anleihen machen 40 Prozent aus, davon sind die Hälfte Hoch­zins­anleihen – ebenfalls ein riskantes Investment. Nur der Rest des Geldes steckt vor allem in sichereren Euro-Unter­nehmens­anleihen. Das ist insgesamt zu wenig. Das gesamte Depot ist viel zu unausgewogen und erfüllt in keiner Weise die Anforderungen an eine breite Risiko­streuung.

Deutliche Kosten­unterschiede

Zentraler Aspekt jeder Vermögens­anlage sind die damit verbundenen Kosten. Je höher sie sind, desto nied­riger sind im Schnitt die Ertrags­erwartungen. Die Kosten der Robo-Advisors setzen sich im Wesentlichen zusammen aus den Kosten für die Vermögens­verwaltung und die Fonds.

Für das Qualitäts­urteil haben wir ausgerechnet, was unser Muster­kunde für den Depot­vorschlag mit 51 000 Euro zahlen muss. Für andere Beträge oder Portfolios mit anderer Risiko­mischungen fallen andere Kosten an. Für Kunden mit weniger Geld wird es oft teurer (Testergebnisse Robo-Advisor).

Die Kosten der untersuchten Robo-Advisors für unseren Modell­kunden unterscheiden sich deutlich. Quirion und Fintego sind hier gut: Sie verlangen für Verwaltung und Fonds etwas mehr als 0,6 Prozent der Anlagesumme pro Jahr. Whitebox schneidet hier nur befriedigend ab. Vaamo aus Frank­furt, ebenfalls ein Robo aus der frühen Phase, hat eine gute Note wegen zu hoher Kosten verpasst: 1,08 Prozent pro Jahr für unseren Musterfall sind nur ausreichend. Depots ab 100 000 Euro sind güns­tiger.

Am teuersten ist Cominvest mit 1,87 Prozent pro Jahr und erhält auch hier die Note mangelhaft. Ebenfalls mangelhaft sind die Kosten von Baloise Monviso, Prospery und Warburg Navigator, die jähr­lich 1,39 Prozent und mehr verlangen. Baloise Monviso bringt sich hier um eine gute Note: Das Portfolio hat keine nennens­werten Mängel, auch die anderen geprüften Punkte bis auf die Kosten passen.

ETF machen alles güns­tiger

Meist machen die Gebühren für die Dienst­leistung des Robos den größten Batzen aus. Verwendet er aktiv gemanagte Fonds statt ETF, fallen die Kosten für das Portfolio deutlich höher aus. Zumindest bekommen die Anleger Vertriebs­provisionen erstattet, die sogenannten Kick­backs. Das ist Vorschrift.

Allerdings müssen Anleger die Kick­backs versteuern. Das läuft so: Erst zahlen sie die Gebühren, dann bekommen sie einen Teil davon wieder zurück. Diesen müssen sie dann mit ihrem individuellen Steu­ersatz versteuern. In der Tabelle haben wir bei den Kosten die Kick­backs und Steuern berück­sichtigt

Vorsicht! Falle bei Cominvest

Ohne Kick­backs wären die Fonds­kosten höher. Das kann Anlegern bei Cominvest passieren. Wer sich für den Robo „Wir für Sie“ entscheidet, bekommt Kick­backs erstattet – wie das recht­lich für Vermögens­verwaltungen vorgesehen ist. Wer das ähnliche Angebot „Wir gemein­sam“ wählt, bei dem Anleger bei eventuellen Anpassungen mitentscheiden, bekommt die Kick­backs dagegen nicht und zahlt für das selbe oder ein ähnliches Depot unterm Strich mehr.

Information ist unerläss­lich

Großen Wert haben wir darauf gelegt, dass Robos ihre Anleger gut informieren. Ins Qualitäts­urteil fließt die Note hierfür mit 45 Prozent ein. Bei dieser neuen Art der Geld­anlage sollten Kunden genau hinschauen können, ob alles passt, was ihnen vorgeschlagen wird. Das wiederum können sie nur, wenn sie ausführ­liche Informationen bekommen.

Als Grund­lage für die Anla­geent­scheidung sollte der Robo zeigen, wie das Depot aufgebaut ist, möglichst konkrete Produkte nennen und darstellen, wie es sich über die Jahre gesehen voraus­sicht­lich entwickelt. Zur Vorschau gehören auch ein Blick auf die Risiken und eine Über­sicht über die Kosten.

Hat sich ein Anleger für eine digitale Vermögens­verwaltung entschieden, muss er sein Depot laufend abfragen können. Der Robo muss ihm Struk­tur­analysen des Portfolios zur Verfügung stellen und berichten, wenn die Anlage von der eigentlich gewünschten Zusammen­stellung abweicht. Falls irgend­etwas nicht nach den Wünschen des Anlegers läuft, muss er reagieren können.

Keine Schwächen erlaubt

Um auf eine gute Gesamt­note zu kommen, durften sich die Robos in Sachen Information also keine Schwächen leisten. Robin zum Beispiel, der Robo-Advisor der Deutschen Bank, hat in diesem Punkt nur befriedigend abge­schnitten, weil Anleger keine Ertrags­vorschau bekommen.

Das güns­tige Angebot von Fintego mit einem der besten Portfolio­vorschläge im Test ist wegen seiner nur ausreichenden Informations­leistung insgesamt nur befriedigend bewertet worden. Bei Fintego hapert es vor allem an der Ertrags­vorschau, der Kosten­trans­parenz und an den Informationen während der Vertrags­lauf­zeit.

Vertrags­bedingungen in Ordnung

Die Qualität der Vermögens­verwaltung hängt auch von der Vertrags­gestaltung ab. Wir haben daher Verträge und allgemeine Geschäfts­bedingungen der Robo-Advisors im Hinblick auf Haftung und Kündigungs­möglich­keiten juristisch prüfen lassen. Bei deutlichen Mängeln hätten wir das Qualitäts­urteil abge­wertet. Das ist aber nicht vorgekommen, es gab nur geringe Mängel.

Über­raschende Kündigungs­klausel

Nach­teilig war zum Beispiel eine Klausel bei Kündigung. Wenn die Vermögens­verwaltung aufhört, muss deswegen nicht auch die Fonds­anlage enden. Anleger sollten bestimmen dürfen, was mit den Fonds­anteilen passiert: Bei der Bank lassen oder zu einer anderen über­tragen? Verkaufen und das Geld über­weisen lassen?

Nicht alle Robos lassen ihren Kunden die Wahl. Bei Prospery, Quirion und Warburg werden die Fonds zwangs­verkauft und das Geld an die Anleger über­wiesen. Wir stellen infrage, ob die entsprechende Klausel gültig ist, denn die Anteile sind Eigentum des Kunden, außerdem ist sie über­raschend.

Die Verwaltung des Vermögens

Sind die Anleger mit dem Portfolio­vorschlag einverstanden, schließen sie einen Vermögens­verwaltungs­vertrag mit dem Robo ab. Er verwaltet das Portfolio. Zunächst legt er das Geld so an wie vorgeschlagen, bei späteren Umschichtungen handelt er alleine, ohne sich zuvor mit dem Anleger nochmals abzu­stimmen.

In vielen Fällen beschränken sich die Robos auf ein einfaches Reba­lancing: Wenn sich die ursprüng­lichen Gewichte der einzelnen Bausteine verschoben haben, stellen sie die Anfangs­gewichtung wieder her. Vaamo zum Beispiel verfährt so. Manchmal tauschen die Robos auch Fonds aus oder verändern die Asset Allocation, das heißt die Zusammen­stellung verschiedener Anteils­klassen.

Wer ist schlauer, Mensch oder Robo?

Ob die Vermögens­verwaltung auf Dauer funk­tioniert, haben wir nicht getestet. Dafür sind die Robos noch nicht lange genug am Markt. Erst in einigen Jahren kann man sehen, ob sich die Strategien als erfolg­reich erweisen und die Maschinen wirk­lich so schlau sind wie Menschen – oder schlauer.

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