Italien. Am schiefen Glockenturm von Pisa greift der EU-Tarif. Er ist nicht für jedermann ideal.
USA. Um jenseits des großen Teiches mit dem Handy alle Freiheiten zu genießen, sollten Nutzer eine Option buchen.

Telefonieren und im Internet surfen – im Ausland kann das ohne den richtigen Tarif teuer werden, auch inner­halb der EU.

Vor dem schiefen Turm von Pisa stehen, das Handy aus der Tasche ziehen und dem Freund zuhause von der schrägen Sehens­würdig­keit vorschwärmen. Ganz unkompliziert mit dem eigenen Mobil­funk­vertrag, zu denselben Bedingungen wie daheim – das wäre ein Traum. Der war zum Greifen nah, als das EU-Parlament im vergangenen Jahr die Abschaffung der Roaming­gebühren fürs Telefonieren und Surfen in fremden Netzen beschlossen hatte.

Eine finanzielle Entlastung für alle reisenden Europäer, millionen­schwere Einbußen für die Tele­kommunikations­konzerne: Die Regierungen etlicher Mitglieds­länder zogen die Notbremse und sprachen sich gegen das Ende der Roaming­gebühren aus. Nun müssen sich Urlauber nach wie vor mit ihnen beschäftigen. Wer das Handy im Ausland nutzen will, sollte vor der Abreise seinen Mobil­funkanbieter nach einem güns­tigen Tarif fragen – selbst wenn das Reiseziel ein EU-Land ist. Alle Provider sind zwar verpflichtet, inner­halb der EU mindestens einen Tarif anzu­bieten, der Preis­ober­grenzen einhält – auto­matisch voreinstellen müssen sie ihn aber für ihre Kunden nicht. Einige Anbieter haben daneben auch teurere Tarife. Mit ihnen verdienen sie an Kunden, die sich vor der Reise keinen EU-Tarif gesichert haben. Für sie wird es teurer – trotz der Preis­grenzen.

Humane Kosten inner­halb der EU

23 Cent pro Minute für abge­hende Gespräche und 6 Cent je Minute für einge­hende Telefonate – so lauten die EU-Preis­ober­grenzen. Eine SMS zu versenden, kostet 7 Cent, im Internet surfen 24 Cent pro Megabyte. EU-konform ist ein Tarif, wenn er diese Grenzen einhält. Etliche Provider unter­schreiten sie mit selbst­gebastelten Tarifen sogar. 9 Cent je Minute verlangen Base, Blau, Simply und Simyo in einigen Tarifen für Anrufe nach Deutsch­land, einge­hende Gespräche sind sogar gratis.

Fest­preise für Quassel­strippen

Auch wenn sie vergleichs­weise nied­rig sind: EU-konforme Tarife eignen sich vor allem für Leute, die im Urlaub selten telefonieren, kaum im Internet surfen und nur wenige SMS verschi­cken. Handy-Fans häufen selbst mit dem EU-Tarif ein hübsches Sümm­chen an, das ihnen die sonnigen Tage am Meer im Nach­hinein kräftig versalzen kann. Sie sollten eine Auslands­option buchen. Diese speziellen Tarife bieten eine bestimmte Anzahl Gesprächs­minuten, SMS und Megabyte zu einem festen Preis. Für die Option gilt eine Nutzungs­dauer, das kann zum Beispiel ein Tag sein, eine Woche oder ein Monat.

Tipp: Im Artikel-PDF finden Sie Auslands­optionen der Mobil­funkanbieter für Gespräche und SMS.

Daten­optionen für Smartphone-Surfer

Smartphone-Nutzer profitieren vor allem von Daten­optionen, mit denen sie zu besseren Konditionen ins Internet gelangen, Tabelle: Datentarife: Auslandspakete zum Surfen auf dem Handy. Für nur 4,99 Euro lässt etwa Aldi Talk seine Kunden mit der Option „EU Internet-Paket 150“ in der EU 7 Tage lang surfen – 150 Megabyte inklusive. Das lohnt sich. Dieselben 150 Megabyte kosten im Stan­dard­tarif von Aldi Talk 34,50 Euro.

Achtung: Ist die Daten­menge aufgebraucht, greift oft der teurere Roaming-Stan­dard­tarif. Der Anbieter sendet vorher aber meist eine SMS. Bestätigt der Kunde sie, kann er die Option so verlängern. Vorsicht, bei einigen Optionen passiert das auch auto­matisch – etwa bei Fonic, „Travel Day Pack“ von O2 und „Smartphone Day Pack EU“ von Simply. Wer sie weiter nutzt, zahlt erneut.

Auch wichtig: Augen auf bei der Lauf­zeit. Beträgt sie einen Tag, ist damit der Kalendertag gemeint. Wer eine solche Option erst abends verwendet, hat weniger davon als am Morgen. Mehr Spielraum lässt eine Lauf­zeit von 24 Stunden ab Akti­vierung der Option.

Güns­tige Flatrates

Statt sich durch Tarife zu kämpfen, wünschen sich viele Reisende nur eins: das Smartphone wie zuhause weiter zu nutzen. Einige Provider ermöglichen genau das mit Flatrates. Die Telekom zum Beispiel bietet ihren Vertrags­kunden die „All Inclusive 1“-Option. Wer einmalig 19,95 Euro zahlt, kann einen Monat lang nach Deutsch­land und sogar inner­halb seines EU-Urlaubs­landes telefonieren und simsen, so viel er will – und ohne Zusatz­kosten das fest­gelegte Daten­volumen seines Telekom-Vertrags auch im Ausland ausschöpfen.

Ähnlich funk­tioniert „EasyTravel Tag“ von Vodafone, nur dass hier pro Tag abge­rechnet wird. 500 Freiminuten und 500 SMS täglich sind für die EU, Schweiz und Türkei ohne Vertrags­lauf­zeit für 2,99 Euro zu haben. Im Vergleich zum voreinge­stellten Stan­dard­tarif lohnt sich das in der EU schon ab der 14. Gesprächs­minute. Auch Vielsurfer profitieren, sie können das Daten­volumen ihres Mobil­funk­vertrags am Urlaubs­ort aufbrauchen. Ab 13 Megabyte Daten­nutzung am Tag lohnt es sich, den Tarif „EasyTravel Tag“ zu buchen.

Flatrates mit Tücken im Detail

Türkei. Ein Anruf nach Deutsch­land kostet bis zu 1,83 Euro pro Minute.

Bei anderen Flatrates steckt die Tücke im Detail. Häufigster Fall­strick ist die Lauf­zeit. So klingt die „EU Reise Flat“ von Base für nur 3 Euro pro Monat attraktiv. Wer sie nutzen will, muss sich allerdings 24 Monate lang binden und 72 Euro ausgeben. Für Wenignutzer rentiert sich das in einem zweiwöchigen Urlaub nicht.

Ähnlich ist es bei der stark beworbenen „EU-Flat“ für Magenta­Eins-Kunden der Telekom für 10 Euro im Monat. Sie gilt ein ganzes Jahr lang und summiert sich auf satte 120 Euro. Flatrates wie diese rechnen sich eher für Leute, die für längere Zeit ins Ausland gehen oder regel­mäßig für Dienst­reisen, Shopping­touren oder aus anderen Gründen Grenzen über­schreiten.

Tipp: Wenn Sie in Deutsch­land einen Premium­tarif für Mobil­funk besitzen, könnte er bereits eine EU-Flatrate enthalten – wie beispiels­weise der Telekom-Tarif MagentaMobil L Plus Premium.

In der Ferne wirds richtig teuer

Thai­land. Einfach mal abschalten. Das empfiehlt sich auch fürs Handy – bei bis zu 35 Euro pro Megabyte Daten.

Außer­halb der Europäischen Union ist die Hand­ynut­zung richtig teuer, es gelten keine Preis­ober­grenzen. In der Türkei, einem der beliebtesten Urlaubs­ziele der Deutschen, sollten sie vom Handy spar­sam Gebrauch machen. 1,83 Euro verlangt Otelo dort pro Gesprächs­minute in seinem Prepaid-Tarif „Interna­tional Roaming“. Selbst einge­hende Anrufe sind in der Türkei mit 69 bis 99 Cent kein Pappen­stiel. Richtig teuer wird die Internetnut­zung. T-Mobile verkauft ein einziges Megabyte Daten im Tarif „Xtra Smart Traveller“ für 26,24 Euro plus 49 Cent Tages­nutzungs­gebühr. Damit können Urlauber nicht einmal eine Stunde lang im Internet surfen. Für den Türkei-Urlaub rentiert sich derzeit eine extra Sim-Karte, die sich vorab in Deutsch­land besorgen lässt.

Dieselben hohen Preise wie in der Türkei rufen die Mobil­funkanbieter für die USA auf. Wer Thai­land besucht, greift meist noch tiefer in die Tasche. Je nach Provider berappen Thai­land-Urlauber für eine Gesprächs­minute nach Deutsch­land zwischen 99 Cent und 3,65 Euro. Das Megabyte Daten kostet bis zu 35 Euro.

Gut, dass Anbieter mit Sitz in der EU verpflichtet sind, die Daten­über­tragung ab einem Verbrauch von 59,50 Euro zu kappen. Der welt­weit gültige Kosten­deckel soll verhindern, dass sich Touristen ruinieren. Wer mehr Geld ausgeben möchte, kann den Dienst wieder frei­schalten lassen.

Vielnutzer profitieren auch bei Fernreisen von einem Mobil­funk-Auslands­paket von ihrem oder einem anderen Anbieter.

Am besten fährt jedoch, wer im Urlaub lieber auf dem Wasser als im Netz surft. Ferien fürs Handy zahlen sich auch bei der Erholung aus.

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