Frauen, die einen Vertrag brauchen, sollten noch vor dem 21. Dezember abschließen. Danach wird es erheblich teurer.

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Frauen müssen bald deutlich mehr für eine Risiko­lebens­versicherung bezahlen. Bisher kamen sie wegen ihrer längeren Lebens­erwartung güns­tiger weg als Männer. Künftig tragen sie deren Risiko mit.

Die Versicherung ist ein reiner Todes­fall­schutz. Nur wenn der Versicherte in der vereinbarten Lauf­zeit stirbt, bekommt die im Vertrag fest­gelegte Person Geld.

Ab 21. Dezember müssen alle Versicherungs­gesell­schaften Unisex-Tarife für Frauen und Männer einführen. Der Europäische Gerichts­hof hatte es Anfang 2011 als Diskriminierung verurteilt, das Geschlecht in die Prämienkalkulation einzubeziehen. Die Versicherer dürfen nur noch Neuverträge mit gleichen Beiträgen für Frau und Mann anbieten.  Bestehende Policen müssen aber nicht angepasst werden (siehe „Unisex-Tarife“).

CosmosDirekt, einer der güns­tigen Anbieter aus unserem Test, hat für Frauen Preissteigerungen von etwa 16 Prozent angekündigt. Der Versicherer will aber die alten Frauen­tarife bis 20. Dezember anbieten.

In der Branche sind auch noch stärkere Erhöhungen im Gespräch. Allianz und Zurich nannten uns Spannen von 30 bis 55 Prozent Aufschlag für Frauen, Europa spricht von 33 Prozent.

Frauen, die eine Risiko­lebens­police brauchen, sollten daher jetzt abschließen. Männer können warten. Für sie wird es bald billiger. Sie können aber auch bei den güns­tigen Anbietern aus unserem Test fragen, ob diese die Preissenkung vorziehen.

Das haben CosmosDirekt und Huk24 bereits getan. Die von uns stich­proben­artig befragten Versicherer sprechen von Nach­lässen zwischen 2 und 21 Prozent.

Sicherheit für Angehörige

Sinn­voll ist eine Risiko­lebens­versicherung, wenn Angehörige abzu­sichern sind. Vor allem junge Familien brauchen Geld, wenn der Haupt­verdiener stirbt. Aber auch wenn der Partner stirbt, der sich um die Kinder kümmert, benötigt der andere Geld für die Betreuung der Kinder und für ihre Ausbildung. Erst recht ist die Police nötig, wenn Schulden für eine Immobilie zu tilgen sind.

Eine gesetzliche Rente bekommen Hinterbliebene nur, wenn der Verstorbene mindestens fünf Jahre in die Rentenkasse einge­zahlt hat. Und diese Renten sind knapp:

Große Witwenrente: Das sind 55 Prozent vom Renten­anspruch des Verstorbenen. Gezahlt wird, wenn die Witwe oder der Witwer über 45 Jahre sind oder erwerbs­gemindert oder wenn sie ein minderjäh­riges oder behindertes Kind haben. In Altfällen – bei Heirat vor 2002 und wenn ein Ehepartner vor 1962 geboren wurde – sind es 60 Prozent

Kleine Witwenrente: Sie beträgt 25 Prozent. Gezahlt wird nur 24 Monate lang, in Altfällen unbe­grenzt.

Waisenrente: Halb­waisen erhalten 10 Prozent der Rente des Verstorbenen. Sind beide Eltern tot, gibt es 20 Prozent. Gezahlt wird bis zur Voll­jährigkeit, bei Kindern in Ausbildung bis zum 27. Lebens­jahr.

Verträge für kleines Geld

Risiko­lebens­policen können preis­wert sein. Nur 78 Euro im Jahr zahlt eine 34-jährige Nicht­raucherin bei der Hanno­verschen für einen Vertrag mit 20 Jahren Lauf­zeit und 150 000 Euro Versicherungs­summe. Ein Blick in die Tabelle zeigt: Teure Policen kosten fast das Dreifache.

Je geringer die Summe und je kürzer die Lauf­zeit, desto güns­tiger die Police. Der Preis richtet sich außerdem nach Lebens­erwartung und Gesund­heits­zustand: Junge zahlen weniger als Ältere, Gesunde weniger als Kranke, Nicht­raucher oft nur halb so viel wie Raucher. Einige Versicherer akzeptieren Kunden als Nicht­raucher, die seit einem Jahr nicht mehr qualmen, andere verlangen zehn Jahre Abstinenz.

Gefahrenträchtige Berufe wie Dach­decker oder Feuerwehr­mann kosten einen Aufpreis, ebenso Hobbys wie Reiten, Drachenfliegen, Motorrad- oder Skifahren.

Auch da wird nachgehakt: Bleibt ein Berg­steiger unter 3 000 Meter? Klettert er nur in Europa und Nord­amerika oder auch anderswo? Geht der Hobby­taucher weiter runter als 40 Meter? Ist der Kunde Frei­zeitreiter oder Spring­reiter? Fährt der Skifahrer auch außer­halb der Europäischen Union?

Risiko, wo keines ist

Nicht alle Gesell­schaften nehmen für all diese Risiken Zuschläge. Deshalb sollten Kunden vor Vertrags­abschluss Angebote von mehreren Versicherern einholen.

Einige Gesell­schaften unterstellen ein Risiko, wo kaum ein Kunde es erwarten würde. Beispiel Huk24: Unsere 34-Jährige Modell­kundin zahlt als Verwaltungs­fach­angestellte nur 81 Euro im Jahr. Wäre sie Büro­angestellte, müsste sie 142 Euro zahlen.

Überge­wichtige zahlen mehr

Auch das Körpergewicht zählt. Wer zu viel auf die Waage bringt, zahlt mehr. Alle 33 Gesell­schaften im Test wollen von Neukunden Gewicht und Körpergröße wissen. Entscheidend ist der Body-Mass-Index (BMI), der aus Größe und Gewicht errechnet wird. Werte zwischen 20 und 25 gelten als normal. Darüber beginnt Überge­wicht. Einen BMI von 25 hat beispiels­weise ein Mann mit 1,80 Metern und 81 Kilo Gewicht.

Ab BMI 30 beginnt krankhaftes Überge­wicht, die Adipositas. Das wären bei dem 1,80-Meter-Mann 97 Kilo. Dafür nehmen alle Versicherer einen Risiko­zuschlag, die Asstel sogar schon bei einem BMI über 27. Bei Kunden in fort­geschrittenem Alter akzeptieren einige Anbieter höhere Werte. Berechnet wird der BMI so:

Beispiel: 1,60 Meter Körpergröße, 60 Kilo Gewicht. Jetzt die Körpergröße mit sich selbst multiplizieren, also 1,60 mal 1,60 ergibt 2,56. Dann 60 geteilt durch 2,56. Das ergibt den BMI 23,4.

Die Höhe der Zuschläge für Überge­wicht ist unterschiedlich. CosmosDirekt schlägt meist etwa 30 Prozent auf. Bei besonders hohen BMI-Werten wird auch mal individuell berechnet.

Viele Fragen zur Gesundheit

Vor allem werden Zuschläge fällig, wenn die Gesundheit beein­trächtigt ist. Das checken die Versicherer mit einem dicken Fragenkatalog. Bei Vorerkrankungen verlangen sie Zuschläge oder schließen diese Erkrankung aus: Ist sie später die Todes­ursache, zahlt der Versicherer nicht. Wenn möglich, sollten Kunden solche Ausschlüsse vermeiden und lieber einen Risiko­aufschlag zahlen.

Auf jeden Fall sollten sie bei der Wahr­heit bleiben und alles angeben, auch häufige Arzt­besuche. „Im Versicherungs­fall prüfen die Gesell­schaften gründlich und starten Kontroll­abfragen auch bei Ärzten, bei denen der Kunde schon seit Jahren nicht mehr war“, berichtet Experte Michael Wort­berg, Verbraucherzentrale Rhein­land-Pfalz.

Hohe Versicherungs­summe wählen

Bleibt die Versicherungs­summe unter einer Grenze, oft 250 000 Euro, reichen den meisten Gesell­schaften die Gesund­heits­fragen. Ist der Betrag höher, wollen sie ein ärzt­liches Attest, ein Belastungs-EKG oder einen Bluttest. Wer da Probleme haben könnte, sollte sich einen Anbieter suchen, der die Grenze höher zieht. Bei der Huk24 zum Beispiel sind es 400 000 Euro.

Ist ein Kunde älter als der 34-Jährige im Modell­fall, ist oft schon bei nied­rigeren Summen eine Gesund­heits­prüfung nötig. Dennoch sollten Kunden die Versicherungs­summe nicht zu nied­rig ansetzen. Sie sollte etwa beim dreifachen Brutto­jahres­verdienst liegen, besser beim fünf­fachen. Wer zunächst nur eine kleine Summe abschließt und sie später erhöhen will, zum Beispiel nach Heirat oder Hauskauf, sollte auf eine Nach­versicherungs­garantie achten. Sie stellt sicher, dass der Kunde dann keine neue Gesund­heits­prüfung machen muss.

Viele Paare, die sparen wollen, wählen die Variante „Verbundene Leben“. Dann haben sie nur einen Vertrag, der für beide Partner gilt. Die Auszahlung gibt es nur einmal, sobald einer stirbt. Und bei einer Trennung kann es schwierig werden. Außerdem sind bei einigen Versicherern zwei separate Verträge noch güns­tiger. Schließen Nicht­raucher im Modell­fall in der Tabelle zum Beispiel bei Ergo Direkt zwei Verträge ab, würden sie nur 366 Euro zahlen.

Lauf­zeit genau kalkulieren

Knapper kalkulieren können Versicherte die Lauf­zeit. Sie hängt davon ab, wie lange Angehörige abzu­sichern sind. Oft reicht die Zeit, bis die Kinder aus dem Haus sind und der Partner wieder arbeiten kann.

Bei den Leistungen gibt es keine großen Unterschiede. Teure Angebote bieten kleine Extras, die wohl vor allem einen höheren Preis recht­fertigen sollen. Zum Beispiel ein „Kinder­bonus“, der 20 Prozent mehr Auszahlung in den ersten sechs Monaten nach einer Geburt bietet. Kunden wählen besser gleich eine ausreichende Summe.

Keine Alternative: Kapital­versicherung

Viele Vertreter raten Kunden zu einer Kapital­lebens­versicherung, gern mit dem Argument: „Dann ist Ihr Geld nicht verloren, Sie erhalten auch eine Auszahlung, wenn Sie nicht sterben.“ Die Risiko­lebens­versicherung zahlt tatsäch­lich nur bei Tod.

Doch auch die Kapital­variante ist nichts anderes als eine Risiko­lebens­police – nur mit angehängtem Spar­vertrag. Auch bei ihr ist der Beitrags­teil verloren, der in die Risiko­vorsorge fließt. Da ist es besser, Versichern und Sparen zu trennen: also eine Risiko­lebens­police abschließen und einen Spar­vertrag, zum Beispiel bei der Bank.

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