In diesem Test gibt es Policen ab 65 Euro. Doch wer krank ist, zahlt mehr. Davon berichten Leser in unserer Umfrage.

Ingrid Unruh hat das getan, was jeder tun sollte, der Kinder hat: Sie hat für ihre kleine Tochter eine Risikolebensversicherung abgeschlossen.

Eine Risikolebensversicherung ist der günstigste Hinterbliebenenschutz für Kinder, Ehepartner oder Lebenspartner. Wenn der Versicherte jung und gesund ist, nicht raucht und kein risikoreiches Hobby hat, kostet die finanzielle Absicherung der Liebsten sehr wenig.

Eine Risikolebensversicherung ist ein reiner Todesfallschutz. Das unterscheidet sie von der viel teureren Kapitallebensversicherung, die Todesfallschutz und Sparprodukt undurchsichtig vermischt.

Für Frauen günstiger

Für die Auswahl eines Angebots ist der Versicherungsbeitrag das wichtigste Kriterium. Denn die Leistungen sind im Wesentlichen gleich.

Wie unser Test zeigt, kann eine 25-jährige Frau bereits für knapp 65 Euro im Jahr bei der Hannoverschen Leben eine Risikolebensversicherung mit einer Laufzeit von 30 Jahren abschließen. Damit kann sie zum Beispiel ihr Kind für den schlimmsten aller Fälle, ihren Tod, absichern.

Ein gleichaltriger Mann bekommt die Police für 106 Euro Jahresbeitrag. Frauen zahlen immer einen niedrigeren Beitrag als Männer. Ihre durchschnittliche Lebenserwartung ist höher.

In diesen beiden Beispielen bekäme das Kind 150 000 Euro ausgezahlt, wenn der versicherten Mutter oder dem versicherten Vater in den kommenden 30 Jahren nach Vertragsbeginn etwas zustieße.

Bei einer geringeren Versicherungssumme wird der Beitrag günstiger. Die Summe sollte jedoch so hoch sein, dass Hinterbliebene ausreichend versorgt sind.

In unserem Modell für 25- und 35-jährige Kunden haben wir 150 000 Euro festgelegt. Damit kann beispielsweise eine alleinerziehende Mutter ihr gerade geborenes Kind so absichern, dass es 25 Jahre lang bei einer Verzinsung von 4,5 Prozent eine Rente von rund 830 Euro im Monat erhält.

Auch in unserem Modell für eine Risikolebensversicherung in der Form „Verbundene Leben“ haben wir eine Versicherungssumme von 150  000 Euro gewählt. Mit einem solchen Vertrag können sich etwa Geschäftspartner, Ehe- oder Lebenspartner gegenseitig absichern. Die Versicherungssumme kann nur einmal ausgezahlt werden, dann erlischt der Vertrag.

Laufzeit und Summe nach Bedarf

Versicherungssumme und Vertragslaufzeit kann jeder Kunde nach seinem Bedarf festlegen. Je geringer die Summe und je kürzer die Laufzeit, desto günstiger die Police.

In unserem Modell für 55-jährige Versicherte haben wir eine Versicherungssumme von 50 000 Euro und eine Vertragslaufzeit von nur zehn Jahren festgelegt. Damit können die erwachsenen Kinder oder die Frau beispielsweise die Restschuld eines Wohnungskredits bezahlen, wenn der Vater und Ehemann plötzlich stirbt.

Raucher zahlen mehr

Erheblichen Einfluss auf den Beitrag hat auch das Rauchen. Denn Raucher sterben früher. Für die Versicherungsgesellschaft ist das Risiko erheblich größer, dass der Kunde innerhalb der Vertragslaufzeit stirbt und die Versicherungssumme fällig wird.

Unser 35-jähriger Raucher zahlt bei den günstigsten überregionalen Versicherern im Test, Huk-Coburg und SDK, 521 Euro im Jahr. Das sind 262 Euro mehr als beim günstigsten getesteten Angebot für einen gleichaltrigen Nichtraucher des Versicherers Legal & General.

Als Nichtraucher gilt in der Regel, wer in den zwölf Monaten vor Vertragsabschluss überhaupt nicht geraucht hat, bei der Huk-Coburg sind es sogar 24 Monate. Selbst wer nur gelegentlich raucht, kann keinen Nichtrauchertarif in Anspruch nehmen.

Ein Raucher, der sich im Versicherungsantrag als Nichtraucher deklariert, riskiert seinen Versicherungsschutz. Stirbt er an einer Krankheit, die auf das Rauchen zurückzuführen ist, zahlen die Versicherer höchstens die Versicherungssumme aus, die ein Raucher für den gleichen Beitrag hätte versichern können. Oder sie verweigern die Zahlung sogar ganz.

Risiko Übergewicht

Auch Übergewicht, erhöhte Blutfettwerte oder Bluthochdruck sind für die Versicherungsgesellschaften ein stärkeres Risiko – und das lassen sie sich mit höheren Beiträgen bezahlen. Diese Erfahrung machte auch die kaufmännische Angestellte Ingrid Unruh, die sich wie rund 520 weitere Leser an unserer Umfrage zur Risikolebensversicherung im Internet beteiligt hat.

Unruh gehört zu den 15 Prozent der Umfrageteilnehmer, die einen Risikozuschlag auf ihren Beitrag bezahlen müssen. Nach der Geburt ihrer jetzt zehn Monate alten Tochter hatte sie beim Abschluss ihrer Versicherung Ende 2008 noch nicht ganz ihr altes Gewicht erreicht. „Mein Arzt hat mir gesagt, dies sei völlig normal“, sagt sie.

Die Hannoversche Leben versicherte sie jedoch nur gegen einen Zuschlag – „unter Berücksichtigung Ihres Gewichts“, so die Gesellschaft in ihrer Antwort auf den Versicherungsantrag der 43-Jährigen. Statt 96 Euro zahlt sie deshalb zurzeit einen Jahresbeitrag von 111 Euro.

Die Versicherer entscheiden aufgrund der Angaben im Antrag, ob sie einen Kunden annehmen und wie viel Beitrag er zahlen muss. Er muss Fragen nach seinem Gesundheitszustand wahrheitsgemäß beantworten, andernfalls kann er sogar seinen Versicherungsschutz verlieren.

Aber auch der Versicherer hat Pflichten. Er muss bei seinen Fragen nach möglichen Krankheiten im Antrag genau sein und sie so stellen, dass der Kunde nicht unbeabsichtigt falsche Angaben macht. Das verlangt das Versicherungsvertragsgesetz. In unserer Online-Stichprobe hielten 76 Prozent der Teilnehmer die Gesundheitsfragen für verständlich.

Außerdem müssen die Versicherer die Kunden schriftlich darauf hinweisen, dass sie den Schutz durch fehlende oder falsche Angaben verlieren. Versäumt eine Gesellschaft diesen Hinweis, darf sie im Versicherungsfall die Leistung nicht verweigern.

Schwarze Liste für Kranke

Gar keinen Schutz bekam Tanja Traxler. „Wegen meines Gesundheitszustands hat mir mein Versicherungsvermittler davon abgeraten, einen Antrag zu stellen“, sagt sie. Die 36-jährige Diplom-Wirtschaftsjuristin hat Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht.

Traxler hat außerdem Sorge, auf die „schwarze Liste“ zu kommen. Damit meint sie das Hinweis- und Informationssystem der Versicherungswirtschaft (HIS). An diese zentrale Datei meldeten die Versicherer allein im Jahr 2008 rund 600 000 Antragsteller oder Kunden aus dem gesamten Bereich der Lebens- und Berufsunfähigkeitsversicherungen. Wie viele davon die Risikolebensversicherung betreffen, kann der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft nicht sagen.

Verbraucher, deren Antrag nicht zu normalen Bedingungen angenommen oder abgelehnt wird, müssen mit einem Eintrag in die Datei rechnen. Die HIS-Datenbank kann von den Versicherungsunternehmen angezapft werden, wenn sie einen Antrag prüfen. Hat eine andere Gesellschaft einen Kunden bereits abgelehnt, hat er schlechte Karten.

Kunden mit gravierenden Gesundheitsproblemen müssen damit rechnen, gar keinen Vertrag zu bekommen oder nur mit einem saftigen Risikozuschlag versichert zu werden. „Ich arbeite an meiner Gesundheit und hoffe, dass sich mein Zustand verbessert“, sagt Tanja Traxler. Erst dann will sie einen Antrag stellen.

Je älter, desto teurer

Herbert Ossendorf hat einen Vertrag bei CosmosDirekt, der noch fünf Jahre läuft. Dann ist Ossendorf 55 Jahre alt. Doch er will danach weiterhin Schutz und hat sich um einen Anschlussvertrag gekümmert.

„Meine Lebensgefährtin und meine Kinder sollen weiterhin abgesichert und nicht mit dem Kredit fürs Haus belastet sein, wenn mir etwas passieren sollte“, sagt er. Deshalb wollte er bei CosmosDirekt schon jetzt einen neuen Vertrag abschließen, der bis zu seinem 65. Lebensjahr läuft.

Der Direktversicherer machte ihm ein Vertragsangebot mit einem Beitrag in Höhe von 49 Euro im Monat für eine Versicherungssumme von 150 000 Euro. Ossendorf nahm das Angebot an. Doch bevor die Versicherungsgesellschaft den Vertrag bestätigte, befragte sie noch seinen Hausarzt über seinen Gesundheitszustand.

Dann bekam Ossendorf einen neuen Vertrag mit einem höheren Beitrag angeboten: 70 Euro im Monat. Der Grund für den Beitragsaufschlag von 21 Euro im Monat: Ablagerungen in der Halsschlagader. Sie seien jedoch so gering, dass er kein erhöhtes Schlaganfallrisiko habe, sagt Ossendorf.

Er hat den Vertrag nicht unterschrieben, weil ihm der Beitrag zu teuer ist. Fünf Jahre läuft seine bisherige Versicherung noch. Er will deshalb noch warten und weitere Angebote einholen. Doch Ossendorf muss damit rechnen, dass er später erheblich mehr als jetzt für den Risikoschutz bezahlen muss. Denn je älter er wird, desto teurer wird die Risikolebensversicherung.

Vorsicht, Erbschaftsteuer

Ossendorf ist mit seiner Lebensgefährtin nicht verheiratet. Er sollte deshalb die Versicherung so gestalten, dass die Auszahlung steuerfrei bleibt. Wenn der Hauptverdiener in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft seine Partnerin absichern möchte, muss der Vertrag auf ihren Namen ausgestellt sein, auch wenn der Mann die versicherte Person ist.

Ossendorfs Lebensgefährtin Carla Maria Krupp sollte den Vertrag abschließen und den Beitrag überweisen. Als Bezugsberechtigte bekommt sie dann beim Tod ihres Partners das Geld steuerfrei.

Andernfalls muss sie als Hinterbliebene für die Versicherungssumme Erbschaftsteuer zahlen – nur 20 000 Euro bleiben steuerfrei. Eingetragene Lebenspartner einer gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft haben dieses Problem nicht, genauso wenig wie Ehepartner oder Kinder. Sie bekommen das Geld immer steuerfrei .

86 Prozent der Teilnehmer unserer Umfrage sichern ihren Ehe- oder Lebenspartner mit einer Risikolebensversicherung ab, 9 Prozent ihre Kinder, 1 Prozent ihren Geschäftspartner und 5 Prozent eine andere Person.

Viele andere Menschen haben für ihre Lieben eine Kapitallebensversicherung statt einer Risikolebensversicherung abgeschlossen. Von knapp 94 Millionen Lebensversicherungsverträgen sind nur 6,4 Millionen Risikolebensversicherungen. Dabei sind die Risikoverträge als Hinterbliebenenschutz viel besser geeignet. Bei der Auswahl eines Angebots hilft unser Test.

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