Beitragssprung ohne Grund

Auch bei der Risikolebensversicherung gibt es eine Überschussbeteiligung. Sie hängt aber kaum vom Kapitalmarkt ab.

Erich Beresheim traute seinen Augen nicht. Auf einen Schlag erhöhte sich der Beitrag für seine Risikolebensversicherung bei der HDI um mehr als 60 Prozent. Statt 264,64 Euro kostet ihn sein Versicherungsschutz plötzlich 432,85 Euro im Jahr.

Die HDI begründete dies lapidar mit gesunkenen Überschüssen. „Aufgrund der sinkenden Zinssätze und der anhaltend schwierigen Situation an den Kapitalmärkten können wir nicht die bisherigen Renditen erzielen“, schrieb der Versicherer.

Dies stößt bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht auf Unverständnis: Bezogen auf die Beiträge könne der Kapitalmarkteffekt „keine nennenswerte Größenordnung erreichen, da bei Risikolebensversicherungen kein Sparanteil enthalten ist“. Ähnlich reagiert der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV): Bei Risikolebensversicherungen spiele der Kapitalmarkt eine Rolle „unterhalb der Messbarkeitsgrenze“. Die Überschussbeteiligung bestehe „nahezu vollständig aus dem Risikogewinn“.

Der Risikogewinn entsteht, wenn weniger Kunden gestorben sind, als der Versicherer anhand der Sterbetafeln kalkuliert hat. Das Unternehmen muss dann eine Überschussbeteiligung an die Kunden ausschütten.

Dies ist auf zwei Arten möglich: Mit einer Beitragsverrechnung oder mit dem Todesfallbonus. Für Erich Beresheims Vertrag gilt die Beitragsverrechnung. Er zahlt für die gleiche Versicherungssumme weniger Beitrag, wenn die Überschüsse gestiegen sind. Sinken sie, steigt sein Beitrag.

Doch die Sterblichkeit der Kunden von HDI war laut Geschäftsbericht längst nicht so hoch, dass sie die drastisch gesunkene Überschussbeteiligung erklärt. Beresheim will sich bei der Versicherungsaufsicht beschweren.

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