Eine Risikolebensversicherung ist der günstigste Schutz für die Familie. Damit hat sie finan­zielle Sicherheit, wenn der Hauptverdiener stirbt. ­Für junge Kunden sind gute Angebote nicht teuer, doch mit dem Alter steigt ­der Preis sehr stark.

Sechs bis sieben Prozent der jungen Menschen in Deutschland verlieren Vater oder Mutter vor ihrem 18. Geburtstag. In drei Viertel dieser Fälle stirbt der Vater. Meist bedeutet der Verlust eines ­Elternteils für die Kinder nicht nur ein traumatisches Erlebnis. Ein drastischer Rückgang des Haushaltseinkommens kann die Familie in große finanzielle Schwierigkeiten stürzen.

Kinder sollten deshalb finanziell für den Fall abgesichert sein, dass Mutter oder Vater stirbt. Dann zahlt der Versicherer die Versicherungssumme aus. Wichtig ist eine Risikolebensversicherung auch, wenn das Haus oder die Wohnung noch nicht abbezahlt ist oder wenn die Hinterbliebenen kaum oder gar keine Rentenansprüche haben. So gibt es bei nichtehelichen Lebensgemeinschaften für den hinterbliebenen Partner oder die hinterbliebene Partnerin überhaupt nichts aus der gesetzlichen Rentenkasse.

Der Kunde kann die Versicherungssumme seiner Risikolebensversicherung nach Bedarf festlegen. Sie wird nur nach dem Tod des Versicherten an den Berechtigten ausgezahlt. Die Laufzeit sollte der Kunde so lang festschreiben, wie seine Hinterbliebenen den Schutz benötigen. Die Versicherungssumme sollte so hoch sein, dass Hinterbliebene ausreichend abgesichert sind. So kann beispielsweise ein 30-jähriger Familienvater sein gerade geborenes Kind mit einer Versicherungssumme von 150 000 Euro so absichern, dass es 25 Jahre lang bei einer Verzinsung von 4,5 Prozent eine Rente von rund 830 Euro erhält.

Günstiger Schutz für Junge

Finanztest hat die Angebote von 67 Unternehmen für eine Versicherungssumme in Höhe von 150 000 Euro getestet und festgestellt: 30-Jährige können den Hinterbliebenenschutz sehr günstig bekommen. 55-Jährige müssen viel tiefer in die Tasche greifen. Der schlichte Grund: das höhere Sterberisiko der Älteren.

Ein 30-jähriger Nichtraucher, der seine Familie absichern möchte, zahlt für eine Versicherungssumme von 150 000 Euro (Laufzeit 25 Jahre) bei den günstigsten Anbietern KarstadtQuelle und Neckermann einen Jahresbeitrag von 143 Euro. Mehr kostet es, wenn der Kunde beim Abschluss bereits 45 Jahre alt ist. Beim günstigsten Anbieter, der Gesellschaft Ontos, bekommt dieser Nichtraucher einen Vertrag mit einer Versicherungssumme von 150 000 Euro (Laufzeit zehn Jahre) für 241 Euro im Jahr. Und noch teurer wird solch ein Vertrag für einen 55-jährigen Nichtraucher. 605 Euro zahlt er bei der Gesellschaft Ontos, die auch für diese Altersgruppe das günstigste Angebot macht.

Kunden müssen damit rechnen, dass die Preise 2006 steigen. Wer eine Risikolebensversicherung abschließen möchte, sollte das also noch in diesem Jahr tun. ­Finanztest wird die Preisentwicklung beobachten und die neuen Beiträge Anfang 2006 im Internet veröffentlichen.

Abhängig ist der Preis aber nicht nur vom Alter des Versicherten und der Versicherungssumme. Männer zahlen immer mehr als Frauen. Denn ihre durchschnittliche Lebenserwartung ist geringer.

Für Raucher wirds teuer

Rauchen treibt den Preis ebenfalls in die Höhe, da Raucher früher sterben. Für eine Versicherungssumme von 150 000 Euro (Laufzeit 25 Jahre) muss unser 30-jähriger rauchender Modellkunde beim günstigsten Anbieter CosmosDirekt 238 Euro im Jahr zahlen. Das sind fast 100 Euro mehr als das günstigste Nichtraucher-Angebot. Richtig teuer wird es für unseren 55-jährigen Modellkunden. Beim Direktversicherer CosmosDirekt, der auch für diese Altersgruppe das günstigste Angebot macht, zahlt er 1 082 Euro. Bei teuren Anbietern ist der Schutz sogar noch über 2 000 Euro teurer.

Schummler riskiert Schutz

Wer nicht raucht, kann bei der Risikolebensversicherung sehr viel sparen. Als Nichtraucher gilt in der Regel, wer in den letzten zwölf Monaten vor Vertragsabschluss überhaupt nicht geraucht hat. Selbst wer nur gelegentlich raucht, kann keinen Nichtrauchertarif in Anspruch nehmen. Doch auch bei den für alle Kunden offenen Tarifen gibt es günstige Angebote, die wesentlich weniger kosten als die teuersten Angebote nur für Nichtraucher.

Ein Raucher, der sich im Versicherungsantrag als Nichtraucher deklariert, riskiert seinen Versicherungsschutz. Stirbt er an ­einer Krankheit, die auf das Rauchen ­zurückzuführen ist, zahlt der Versicherer den Hinterbliebenen höchstens die gleiche Versicherungssumme aus, mit der sich Raucher mit dem gleichen Beitrag hätten versichern können. Oder sie verweigern den Versicherungsschutz sogar ganz.

Doch nicht nur Rauchen verteuert die Risikolebensversicherung. Bei zahlreichen ­Gesellschaften müssen auch Versicherte in Risikoberufen, beispielsweise Polizisten, mehr zahlen. Kommen noch Übergewicht hinzu und gesundheitliche Probleme wie beispielsweise erhöhte Blutfettwerte, muss der Kunde erheblich mehr bezahlen (siehe „Erhöhte Fettwerte“).

Beiträge verändert sich

Die Anbieter von Risikolebensversicherungen müssen immer ein Finanzpolster einkalkulieren, weil möglicherweise mehr Versicherte sterben, als die Versicherer ­angenommen haben. Sterben weniger, machen die Anbieter Überschüsse, an denen sie die Kunden beteiligen müssen. Von den beiden Überschussvarianten Beitragsverrechnung und Todesfallbonus halten wir die Beitragsverrechnung für sinnvoller. Denn die Versicherungssumme ist hier ­garantiert. Das ist wichtig, wenn die Hinterbliebenen mindestens diese Summe brauchen, um beispielsweise ein Haus ­abzubezahlen.

Der Nachteil: Bei sinkenden Überschüssen steigt der Beitrag. Wie hoch er steigen kann, steht in der Police. Wir ­haben diesen maximal möglichen Jahresbeitrag der jeweiligen Gesellschaft in unserer großen Tabelle ausgewiesen. Doch dieser Beitrag wird unter normalen Umständen nie erreicht. Denn die Versicherer kalkulieren ihr Risiko anhand der Sterbetafeln so, dass es in der Regel nicht zu drastisch sinkenden Überschüssen kommt. Entscheidend bei der Auswahl eines Angebots ist der aktuelle Jahresbeitrag.

Besser nicht kündigen

Einen Beitrag von mehreren Hundert ­Euro im Jahr aufzubringen, kann schwer fallen. Etwa wenn der Kunde arbeitslos geworden ist. Kündigt er den Vertrag, verliert er den Versicherungsschutz und erhält von seinen Beiträgen wenig oder oft gar nichts zurück. So zahlen fast alle Direktversicherer (außer KarstadtQuelle und Neckermann) gar keinen Rückkaufswert. Bei den Versicherern, die einen Rückkaufswert anbieten, bekommt der Kunde je nach Gesellschaft höchstens bis 3 000 Euro zurück, wenn er seinen über 25 Jahre laufenden Vertrag nach 15 Jahren kündigt. Kündigt der Kunde erst rund zwei Jahre vor Ende der Vertragslaufzeit, bekommt er gar nichts. Eine Alternative zur Kündigung ist, den Vertrag beitragsfrei zu stellen. Dann hat der Kunde weiterhin einen Hinter­bliebenenschutz. Allerdings nur einen sehr eingeschränkten. Stellt unser 30-jähriger rauchender Modellkunde seinen Vertrag mit einer Versicherungssumme von 150 000 Euro (Laufzeit 25 Jahre) nach 15 Jahren beitragsfrei, sinkt die Versicherungssumme je nach Anbieter auf 10 000 bis 40 000 Euro. Im schlimmsten Fall wäre seine Familie dann nur vollkommen unzureichend geschützt.

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