Riestern mit Fonds: Fonds­policen: Die meisten sind zu teuer

Manche Fonds­policen sind so teuer, dass Riester-Sparer ihren Vertrag besser stoppen. Es gibt nur wenige gute Angebote.

Wir sagen Ja zum Riestern mit Fonds, aber fast immer Nein zur Riester-Fonds­police. Denn die Kombination aus Fonds­anlage und Versicherung ist über­wiegend zu teuer, weil Vermittler zu viel mitverdienen und Versicherungs­unternehmen sich zu gut bezahlen lassen. Die angebotene Fonds­auswahl ist gleich­zeitig oft mäßig oder schlecht, dazu kaum zu durch­schauen.

Es spricht wenig dafür, dass Sparer mit teuren Verträgen wie der fonds­gebundenen Kaiserrente der ehemaligen Hamburg-Mann­heimer oder der Victoria Förderrente dual – beide gehören jetzt zum neuen Ergo-Konzern – weiter einzahlen. Besser ist es, alles bis zur Rente stehen­zulassen und anderswo neu zu riestern.

Zweifelhafte Beratung

Verkauft werden die Policen trotzdem rasant, wenn auch zuletzt mit etwas weniger Schwung als noch 2009. 3,6 Millionen Verträge gibt es. Dabei wollen viele Riester-Sparer gar keine Fonds­police abschließen, wenn sie sich für eine geförderte, private Alters­vorsorge interes­sieren. Aber oft präsentieren Berater und Vermittler die Policen mit Fonds­investment in einem guten Licht: Kombination aus Mindest­rente und ertragreichem Fonds­investment — das klingt gut.

Riestern mit Fonds: Fonds­sparpläne Test

Maren Wend­land, 23, ist froh, dass sie einen Riester-Fonds­sparplan abge­schlossen hat, obwohl ein Bekannter ihr eine Fonds­police empfahl.

Maren Wend­land, Studentin aus Berlin, riet ein Bekannter zur Police. Die 23-Jährige ließ sich aber nur kurz beirren. Dann schloss sie – wie geplant – einen Riester-Fonds­sparplan ab und nicht die ihr empfohlene fonds­gebundene Versicherung.

Andere Riester-Interes­senten suchen auch nach einem Fonds­sparplan, werden aber in eine Versicherung umge­leitet. So geschah es jüngst unserer Leserin Ursula Thurmair. Sie ging mit dem festen Vorsatz, den Fonds­sparplan DWS-Toprente (siehe: PB Förderrente I Dynamik der Postbank) abzu­schließen, in eine Filiale der Deutschen Bank und traf dort auf eine Beraterin. Nein, diese Lösung empfehle sie nicht, sagte die Bank­mit­arbeiterin. Hier sei doch anders als beim Versicherungs­produkt unklar, wie es ab 85 Jahren mit der Rente weiterginge.

Solche Argumente verunsichern Kunden, obwohl sie unbe­gründet sind. Bisher sind nur wenige Riester-Sparer in den Ruhe­stand gegangen. Für die meisten Fonds­sparpläne wird die Renten­phase gerade geregelt. Auch bei Fonds­policen ist bisher nur klar, dass es später eine Rente gibt. Wie hoch die sein wird, weiß keiner.

Nur wenige Fonds­policen bieten eine höhere Renten­garantie. Sie investieren im Gegen­zug aber nur Über­schüsse in Fonds.

Unsere Empfehlungen

Aber nicht jede Fonds­police ist falsch. Für die Angebote der CosmosDirekt und der Post­bank (PBV) beispiels­weise spricht einiges (siehe: PB Förderrente I Dynamik der Postbank und Fondsgebundene Riester-Rente der Cosmos). Auch ökologisches Investment funk­tioniert bei Riester häufig nur über Fonds­policen.

Die Kosten von Riester-Fonds­policen unterscheiden sich enorm. Je nach Lauf­zeit des Vertrags und Kalkulation des Versicherers fallen dafür zwischen 3 und sogar mehr als 22 Prozent der Einzahlungen an. Geht Kunden derart viel Geld verloren, wundert es nicht, wenn Versicherer die Höhe der Gesamt­kosten möglichst verstecken.

Vertrag beitrags­frei stellen

Viele Sparer wissen nicht einmal, dass sie in eine Fonds­police einzahlen. Sie haben irgend­wann eine Riester-Rente abge­schlossen, die ihnen als besonders ertragreich ans Herz gelegt wurde. Dass sie aber tatsäch­lich in Investmentfonds investieren, erkennen sie erst später, etwa durch die jähr­liche Stand­mitteilung des Versicherungs­unter­nehmens.

Liegt das darin genannte aktuelle Guthaben unter ihren Einzahlungen, sind vermutlich hohe Anfangs­kosten und mittel­mäßige Fonds­performance dafür verantwort­lich.

Unzufriedene Kunden können ihren Vertrag ab sofort beitrags­frei stellen. Die Renten­versicherung läuft dann weiter. Es fließt aber kein weiteres Geld mehr hinein.

Ein Sparer erhält sich auf diese Weise die Mindest­garantie für sein Geld. Denn jeder Riester-Anbieter muss Kunden zum Renten­beginn mindestens die einge­zahlten Beiträge plus die staatlichen Zulagen garan­tieren. Wer nicht mehr weiterzahlt, zwingt so seinen Versicherer, ein Minus auf seinem Alters­vorsorgekonto bis zur Rente für ihn auszugleichen.

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