Riestern mit Fonds: Fonds­sparpläne Test

Union und DWS schichten das Geld der Riester-Sparer zwischen den Fonds hin und her. Die Anleger ärgert das.

Es ist ein großes Miss­verständnis. Viele Leute stellen sich vor, dass ihr Riester-Fonds­sparplan in Aktien investiert und der Gewinn ihnen gehört, wenn es gut geht. Läuft es dagegen schlecht und die Aktien­kurse fallen, springt die Fonds­gesell­schaft ein. Doch das tut sie nicht.

Richtig ist: Die Riester-Garantie gilt auch für Fonds. Einzahlungen und staatliche Zulagen müssen bei Beginn der Rente mindestens vorhanden sein. Doch die Fonds­gesell­schaften wollen Kurs­einbrüche nicht selbst ausgleichen. Sie bauen die Sparpläne so auf, dass erst gar nichts schief­gehen kann.

Das ist der Grund, warum zum Beispiel die Fonds­gesell­schaften Union Investment und DWS das Geld der Riester-Sparer zwischen den Fonds hin- und herschichten. Wenn die Garantie gefährdet ist, buchen sie um, von den Aktien- in die sicheren Rentenfonds.

Sie schichten in der Regel erst dann um, wenn die Kurse schon gefallen und frühere Gewinne verloren sind. Wenn es dumm läuft, steht der Anleger am Ende tatsäch­lich nur mit seinen Einzahlungen da. Wenn es gut läuft, winken ihm hohe Gewinne.

So funk­tionieren Riester-Fonds

2,7 Millionen Menschen haben einen Riester-Fonds­sparplan abge­schlossen. Über zehn Millionen Menschen haben sich für eine Riester-Renten­versicherung entschieden und rund 1,3 Millionen für einen Bank­sparplan oder die neuen Wohn-Riester-Verträge (siehe Riester fürs Eigenheim aus Finanztest 12/2010).

Doch obwohl das Fonds­geschäft nicht schlecht läuft, ziehen sich die Anbieter weiter zurück. Zuletzt hat die Allianz verkündet, dass sie keine Riester-Fonds­sparpläne mehr vertreiben will, nur noch Versicherungen. Bestehende Verträge über das cominvest Förderdepot werden fortgeführt.

Zuvor hatten die Fonds­gesell­schaften dit und Activest sowie die Post­bank die Segel gestrichen. Das Neugeschäft teilen sich jetzt Deka, DWS, Hansa Invest und Union Investment. Auch die ebase Förderrente flex aus dem Haus Allianz Global Investors, die über freie Fonds­vermittler vertrieben wird, kann weiter abge­schlossen werden.

Minus durch Umschichtungen

Riestern mit Fonds: Fonds­sparpläne Test

Thomas Große-Allermann ärgert sich über die Umschichtungen seiner DWS-Riesterrente Premium.

Thomas Große-Allermann aus Potsdam hat zunächst die UniProfirente bespart, seine Erspar­nisse dann aber zur DWS über­tragen, weil ihn das Konzept der DWS Riesterrente Premium über­zeugte. Er wechselte 2007, noch bevor die Finanz­krise richtig ausgebrochen war, und nahm Gewinne mit.

Mit dem neuen Vertrag ist er weniger zufrieden. „Ich bin knapp drei Jahre dabei, die DWS hat 64 Mal umge­schichtet, trotzdem fehlen mir noch 300 Euro zur Garantie“, sagt Große-Allermann. „Hätte sie nicht umge­schichtet, wäre ich mit 560 Euro vorne“, hat er ausgerechnet.

Dass es so viele Umschichtungen sind, liegt am Konzept der DWS, die jeden Vertrag täglich über­prüft. Das Geld der Sparer fließt zunächst in einen Dachfonds, der vor allem in Aktienfonds investiert. Ist die Garantie in Gefahr, schichtet die DWS in Rentenfonds um. Sieht es an den Börsen wieder besser aus, schichtet sie das Geld zurück.

Doch genau das kann ärgerlich sein, wie Große-Allermann beob­achtet hat: Einige Male habe die DWS nur wenige Tage nach der Umschichtung in die Rentenfonds das Geld zurück in den Dachfonds gebucht – dessen Anteile mitt­lerweile teurer waren.

Die UniProfirente

Bei der UniProfirente gibt es kein Zurück. Hat Union das Geld erst einmal aus dem UniGlobal, einem Aktienfonds Welt, in den Rentenfonds UniEuroRenta geschichtet, bleibt es dort auch.

Das ärgert viele Sparer, deren Geld im Zuge der Finanz­krise umge­schichtet wurde und nicht mehr in Aktien steckte, als diese sich wieder erholten.

Die UniProfirente ist der meist­verkaufte Riester-Fonds­sparplan. Hunderte Sparer haben den Vertrag mitt­lerweile aber wieder aufgelöst, weil sie sich über die Umschichtungen so geärgert haben. Sie verstehen nicht, warum Union erst umschichtet, wenn sie schon Geld verloren haben. Sie verstehen auch nicht, warum wir die UniProfirente nach wie vor gut finden.

Wir bleiben dabei. Die hohen Rendite­chancen der UniProfirente rühren daher, dass die Union das Geld so lange wie möglich im Aktienfonds liegen lässt.

Würde sie umschichten, wenn es gut läuft, wären Anleger an weiteren Kurs­gewinnen nicht mehr beteiligt. Sie würden sich dadurch aber auch die Chance auf einen höheren Sicher­heits­puffer verbauen, durch den Umschichtungen beim nächsten Kurs­sturz womöglich vermieden werden könnten.

Dieser Artikel ist hilfreich. 872 Nutzer finden das hilfreich.