Regeln für Wohn-Riester: Mit Zulagen ins Eigenheim

Die Riester-Förderung fürs Eigenheim gilt als kompliziert. Doch wer die Spiel­regeln kennt, spart viele tausend Euro.

Wohn-Riester lohnt sich! Das zeigen unsere Muster­rechnungen für fünf Immobilienkäufer, die ihr Eigenheim mit einem Riester-Darlehen finanzieren. Je nach Einkommen, Familien­stand und Darlehen summieren sich die Vorteile aus der Förderung bis zum Renten­beginn auf 10 000 bis 38 000 Euro (siehe Tabelle: Mit Wohn-Riester im Plus).

Das Geld sollten sich Haus- und Wohnungs­käufer nicht entgehen lassen. Wir erklären die wichtigsten Riester-Regeln.

Förder­anspruch

Anspruch auf die Riester-Förderung haben alle, die in der gesetzlichen Renten­versicherung pflicht­versichert sind, also vor allem Arbeitnehmer. Gefördert werden aber auch Beamte, Empfänger von Arbeits­losengeld, Väter oder Mütter in Eltern­zeit und Frührentner. Einen Riester-Vertrag kann außerdem der Ehepartner eines Förderberechtigten abschließen, auch wenn er keine eigenen Einkünfte hat.

Nur fürs Eigenheim

Die Wohn-Riester-Förderung gibt es nur für ein Darlehen, das der Eigentümer zum Bau oder Kauf einer Immobilie aufnimmt. Das Haus oder die Wohnung muss nach 2007 ange­schafft oder fertiggestellt worden sein. Der Eigentümer muss in der Wohnung seinen Haupt­wohn­sitz oder Lebens­mittel­punkt haben. Eine Modernisierung oder der Kauf einer vermieteten Wohnung werden nicht gefördert.

Nur für zertifizierte Darlehen

Der Kredit­vertrag muss von der Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht oder – seit Juli 2010 – vom neuen Bundes­zentral­amt für Steuern zertifiziert sein. Der Kredit muss spätestens bis zum 68. Lebens­jahr getilgt werden. Zudem muss jeder Ehepartner einen eigenen Vertrag abschließen, um die Förderung auszuschöpfen.

Sind alle Voraus­setzungen erfüllt, kann ein Haus­eigentümer auch seinen bestehenden Immobilien­kredit mit einem Riester-Darlehen ablösen. In der Regel ist das aber erst möglich, wenn die Zins­bindung des alten Kredits ausläuft.

Hohe Zulage für Familien mit Kindern

Die Grund­zulage vom Staat beträgt 154 Euro im Jahr (Ehepaare 308 Euro). Dazu kommen 185 Euro für jedes Kind, für das die Eltern Kinder­geld erhalten. Für jedes ab 2008 geborene Kind erhöht sich die Kinder­zulage auf 300 Euro.

Um die vollen Zulagen zu erhalten, müssen Kreditnehmer jähr­lich 4 Prozent ihres Brutto­einkommens des Vorjahres abzüglich der ihnen zustehenden Zulagen zur Tilgung einsetzen – höchs­tens 2 100 Euro.

Der Staat fördert nur Tilgungs­leistungen, keine Zinsen. Bei Kombikrediten (siehe: Bauspar-Kombikredite) werden anstelle der Tilgung die Sparbeiträge auf dem Bauspar­vertrag berück­sichtigt, solange der Vertrag noch nicht zugeteilt ist.

Der Mindest­eigenbeitrag ist für Immobilienkäufer keine Zusatz­belastung. So viel müssten sie für die Finanzierung ihres Eigenheims in aller Regel auch ohne Förderung für die Darlehens­tilgung ausgeben.

Ein Zula­geantrag am Anfang reicht

Den Antrag auf Riester-Zulagen brauchen Kreditnehmer nur einmal beim Anbieter zu stellen. Der bescheinigt die Tilgungs­leistungen und leitet den Antrag an die Zulagen­stelle. Für die Folge­jahre reicht eine Voll­macht an den Anbieter.

Die Zulagen über­weist die Zula­gestelle als Sondertilgung direkt an die Bank. Bei Kombikrediten fließen sie als zusätzlicher Sparbeitrag auf das Bauspar­konto, solange der Bauspar­vertrag noch nicht zugeteilt ist.

Oft zusätzliche Steuer­vorteile

Jeder Förderberechtigte kann über die Steuererklärung eine Tilgung bis zu 2 100 Euro im Jahr inklusive der Zulagen als Sonder­ausgaben absetzen. Bei Ehepaaren sind es bis zu 4 200 Euro im Jahr, wenn beide förderberechtigt sind. Das bringt dem Riester-Finanzierer einen zusätzlichen Steuer­vorteil, sofern die Steuerersparnis aus dem Sonder­ausgaben­abzug die Zulagen über­steigt. Das ermittelt das Finanz­amt nach Abgabe der Einkommensteuererklärung.

Altvertrag als Eigen­kapital nutzen

Wer bisher Vermögen in einem anderen Riester-Vertrag angespart hat, kann es als Eigen­kapital für die eigenen vier Wände verwenden. Das gilt für alle Riester-Verträge, egal ob Bank- oder Fonds­sparplan, Renten­versicherung oder Bauspar­vertrag. Wahl­weise kann der Riester-Sparer das gesamte Vermögen oder bis zu 75 Prozent entnehmen. Dadurch benötigt er für die Haus­finanzierung weniger Kredit und spart Zinsen.

Die Kapitalent­nahme aus seinem Altvertrag muss der Riester-Sparer bei der Zentralen Zulagen­stelle beantragen. Sie ist nur in unmittel­barem Zusammen­hang mit dem Bau oder Kauf des Eigenheims erlaubt. Davon geht das Finanz­ministerium aus, wenn Riester-Sparer das Geld inner­halb eines Zeitraums von einem Monat vor dem Antrag auf Entnahme und zwölf Monaten nach der Auszahlung für den Bau oder Kauf der Immobilie ausgeben.

Haus­eigentümer müssen sich also bereits beim Bau oder Kauf entscheiden, ob sie ihren alten Riester-Vertrag für Ihre Finanzierung nutzen. Jahre später ist es nicht mehr möglich, das Riester-Vermögen beispiels­weise für die Sondertilgung einer bereits seit Jahren bestehenden Finanzierung zu verwenden.

Eine Ausnahme gilt nur zu Renten­beginn: Dann kann der Haus­eigentümer sein Vorsorgever­mögen ganz oder teil­weise zur Ablösung von Rest­schulden einsetzen.

Steuern im Renten­alter

Im Renten­alter müssen Haus­eigentümer Steuern auf die zuvor geförderten Beträge zahlen. Dafür werden die geförderten Tilgungs­leistungen und Entnahme­beträge rechnerisch auf einem Wohn­förderkonto verbucht und dort mit 2 Prozent im Jahr verzinst. Ab Renten­beginn ist das Konto in gleichen Raten bis zum 85. Lebens­jahr zu versteuern. Oder der Eigentümer zahlt die Steuern auf einen Schlag zu Renten­beginn, dann aber auf einen um 30 Prozent verminderten Betrag.

Beispiel: Ein 40-Jähriger kauft ein Haus, zahlt seinen Kredit in 20 Jahren ab und schöpft die maximale Riester-Förderung mit einer Tilgung von jähr­lich 2 100 Euro aus. Mit 65 geht er in Rente. Das Wohn­förderkonto weist dann 56 335 Euro aus. Jähr­lich muss er bis zum 85. Lebens­jahr 2 817 Euro versteuern. Bei 20 Prozent Steu­ersatz sind das monatlich rund 50 Euro Steuern.

Nachteile beim Auszug vermeiden

Die Wohn-Riester-Förderung gibt es nur für selbst­genutzte Immobilien. Wer Haus oder Wohnung später verkauft oder vermietet, muss das Wohn­förderkonto vorzeitig und auf einen Schlag versteuern.

Es gibt aber Ausnahmen. Steuerliche Nachteile lassen sich vermeiden, wenn der Geförderte inner­halb von vier Jahren eine neue Immobilie kauft, die er selbst nutzt. Dazu zählt auch der Kauf eines Dauer­wohn­rechts in einem Senioren- oder Pfle­geheim. Der Geförderte kann auch inner­halb eines Jahres einen neuen Riester-Spar­vertrag abschließen, in den er die geförderten Beträge einzahlt. Dazu kann er zum Beispiel einen Teil des Verkaufs­erlöses verwenden.

Auch eine befristete Vermietung der Wohnung wegen eines berufs­bedingten Umzugs ist möglich. In diesem Fall muss der Eigentümer spätestens bis zum 67. Lebens­jahr wieder einziehen.

Haus­eigentümer haben es also ein gutes Stück selbst in der Hand, ob sie nach einem Auszug aus ihrem Riester-Haus die Förderbeträge vorzeitig versteuern müssen.

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