Riester - Wie berechtigt ist die Kritik an der Riester-Rente?

Bürokratie für Vorsorgesparer. Die Riester-Rente verärgert viele Anleger.

Die Riester-Rente steht in der Kritik, Verbraucher­verbände fordern ihre Abschaffung. Die Stiftung Warentest zeigt verschiedene Möglich­keiten für Sparer auf, sinn­voll fürs Alter vorzusorgen.

Neues Angebot statt Riester?

Der Verbraucherzentrale Bundes­verband, der Bund der Versicherten und die Bürgerbewegung Finanz­wende fordern einhellig: „Stoppt die Riester-Rente“. Nötig sei ein güns­tiges und einfaches Angebot der Zusatz­vorsorge, das öffent­lich organisiert sei. Laufende Riester-Verträge sollten wie bisher bespart werden können, die Sparer aber in das neue System wechseln können. Doch ist die Kritik berechtigt? Und: Wie sollten Sparer sich verhalten, um am besten fürs Alter vorzusorgen?

Wie steht die Stiftung Warentest zur Riester-Rente?

Vorab: Die eine Riester-Rente gibt es nicht, denn Riestern kann man in verschiedenen Formen: per Renten­versicherung, Fonds­sparplan, Fonds­police, Bauspar­vertrag, Bank­sparplan oder Immobiliendarlehen (Riester-Rente im Überblick: Versicherung, Sparplan, Fondspolice). Da kommt es schon auf die Wahl des richtigen Produkts an, wenn die Alters­vorsorge später passen soll. Zudem sind die Riester-Regeln bürokratisch und zum Teil sehr kompliziert, wie viele Leserfragen an uns zeigen. Das sorgt bei vielen Riester-Sparern für verständlichen Frust.

Unabhängig davon, ob Riester vereinfacht oder ein neues Produkt geschaffen werden sollte, stellt sich für jeden Bürger die Frage, wie er am sinn­vollsten fürs Alter vorsorgt. Hier lässt sich fest­halten: Aufgrund des gesunkenen Niveaus der gesetzlichen Rente ist eine private Vorsorge nötiger denn je. Und durch die staatlichen Zulagen und Steuer­vorteile ist Riester gerade für Familien sowie Gutverdiener anderen Anlageformen über­legen. Denn auch diese leiden unter der Nied­rigzins­phase.

Soll ich meinen laufenden Riester-Vertrag auflösen?

Wer schon einen Riester-Vertrag hat, sollte diesen auf jeden Fall weiter besparen. Das gilt insbesondere für Renten­versicherungen, die bereits vor vielen Jahren abge­schlossen wurden, denn diese bieten in der Regel sehr attraktive Konditionen. Sie haben oft noch eine garan­tierte Verzinsung, die weit über dem liegt, was andere Anlageformen derzeit bieten können.

Wer dennoch mit einer Kündigung lieb­äugelt, sollte wissen, dass er auch vor Eintritt in die Renten­phase seinen Vertrag förderschädlich kündigen kann (Riester-Auszahlungen: Geld oder Rente – so entscheiden Sie richtig). Zwar sind dann Zulagen und eventuelle Steuer­vorteile zurück­zuzahlen. Die in der Zwischen­zeit erzielten Erträge gehören aber der Sparerin oder dem Sparer.

Lohnt sich noch der Abschluss eines Riester-Vertrags?

Wer jetzt auf ein mögliches neues staatliches Vorsorgepro­dukt warten möchte, sollte wissen: Ob und wann ein solches Angebot kommt, ist derzeit noch offen. Wer bis dahin mit dem Riestern wartet oder gar bestehende Verträge auflöst, dem entgehen Zulagen und Steuer­vorteile.

Zweifler sollten daher ein flexibles Produkt wählen, also einen der nur noch selten angebotenen Riester-Banksparpläne oder einen Fondssparplan. Aus diesen Produkten ist ein Wechsel vergleichs­weise einfach möglich. Eine klassische Rentenversicherung oder eine Fondspolice haben den Nachteil, dass der Sparer die Kosten für die gesamte Vertrags­lauf­zeit in den ersten Jahren bezahlen muss. Wer nach wenigen Jahren kündigt, hat seinen Versicherungs­vertreter bezahlt, aber für sich selbst kaum gespart.

Wer hingegen ohne staatliche Auflagen privat vorsorgen möchte, dem empfehlen wir unser Pantoffel-Portfolio, einen auch für Anfänger leicht verständlichen Anlagemix aus Aktienfonds und Tages­geld.

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