Mehr Rente haben Riester-Sparer auf jeden Fall. Mit Aktienfonds können sie außerdem die Chancen der Kapitalmärkte nutzen. Sie brauchen nur einen guten Fondssparplan oder eine fondsgebundene Versicherung.

Aktienanlage und Altersvorsorge halten viele für unvereinbar. Und die verheerende Börsenentwicklung seit dem Jahr 2000 scheint all jenen Recht zu geben, denen Aktiensparen für die Rente seit jeher zutiefst suspekt war.

Dennoch liegen die Skeptiker falsch. Bei nüchterner Betrachtung sind Aktien sogar ein gutes, weil renditeträchtiges Instrument zur Altersvorsorge. Daran können auch die zurückliegenden Krisenjahre nichts ändern.

So spricht auch nichts gegen Riester-Produkte, die sich auf Aktienfonds oder Mischfonds mit hohem Aktienanteil stützen. Sparer können zwischen Fondssparplänen und fondsgebundenen Rentenversicherungen wählen. Finanztest hat beide Varianten untersucht.

Sparpläne und Versicherungen

Obwohl es sich bei Fondssparplänen und fondsgebundenen Versicherungen um grundverschiedene Produkte handelt, sind sie doch in mancher Hinsicht vergleichbar.

Erstens sind es die einzigen beiden Möglichkeiten, Investmentfonds in die Riester-Rente einzubauen.

Zweitens bieten Sparpläne wie Versicherungen dem Anleger vergleichbare Garantien: Seine Eigenbeiträge und die Zulagen vom Staat sind ihm zu Rentenbeginn sicher. Wie viel dem Rentner später über das garantierte Minimum hinaus jeden Monat aufs Konto gebucht wird, hängt in beiden Fällen maßgeblich von der Entwicklung an den Kapital- und Zinsmärkten ab.

Riester-Fondssparpläne und fondsgebundene Versicherungen sind riskanter als andere Riester-Produkte. Wem eine bescheidene, aber sichere Rendite lieber ist als etwas Risiko und die Aussicht auf hohe Wertzuwächse, der sollte mit einer klassischen Rentenversicherung oder mit einem Banksparplan riestern. Sie garantieren mehr als den reinen Kapitalerhalt.

Eine höhere Anlagerendite als Null ist auch bei fondsgebundenen Rentenversicherungen mehr als wahrscheinlich. Nur wenn sein Fondsinvestment im Totalverlust endet, steht der Sparer am Ende mit den nackten Einzahlungen plus Zulagen da.

Bei einem reinen Aktienfondssparplan ist das Risiko höher: Bereits ein stagnierender Kurs des Aktienfonds kann zur Nullrendite führen.

Die Rendite hängt in beiden Fällen entscheidend von der Entwicklung der Fonds ab. Die Finanztest-Bewertung aus unserem monatlichen Fondsdauertest gibt Anlegern Auskunft, wie sich ein Fonds in den letzten fünf Jahren geschlagen hat. Leider liegt aber für etliche Fonds keine Bewertung vor, da sie eigens für die neuen Riester-Produkte aufgelegt wurden.

Neben den Fonds sind die Kosten wichtig, die die Anbieter vom Beitrag abziehen.

Ideal für junge Leute

Riester-Verträge mit Aktienfonds sind für junge Leute, die vielleicht 30 Jahre oder länger einzahlen, geradezu ideal. Die staatlich geförderte Altersvorsorge bietet eine Sicherheit, die normalen Fondssparplänen fehlt. Selbst wenn der Anleger extremes Pech hat und sich die Börsen auch langfristig miserabel entwickeln sollten, trägt er nur ein bescheidenes Risiko.

Der – unverzinste – Erhalt des eingezahlten Geldes ist bei Riester-Verträgen garantiert. Es kommt noch besser: Da ein großer Teil dieses Kapitals gar nicht vom Sparer selbst, sondern aus staatlichen Zulagen stammt und er außerdem über die Jahre erhebliche Steuervorteile hat, ist ihm sogar dann eine „persönliche Rendite“ gewiss, wenn das Riester-Produkt selbst keinen müden Cent erwirtschaftet.

In einem muss man Aktienmuffeln allerdings beipflichten: Fondssparen eignet sich nicht für jeden. Aktiensparpläne sind eine Langfristanlage. Sparer, die ihr Riester-Konto zwischenzeitlich zum Immobilienerwerb leeren wollen, lassen besser die Finger von Produkten mit hoher Aktienquote.

Für ihre Zwecke ist Berechenbarkeit das Maß aller Dinge. Es wäre schlimm, wenn eine Finanzierungslücke den ersehnten Hausbau infrage stellte. Genau das kann aber passieren, wenn ein Aktienfonds nach einem Börsencrash tief im Minus steckt.

Die Riester-Garantie würde in diesem Fall nichts nutzen, denn sie bezieht sich nur auf den Zeitpunkt des Renteneintritts. Bei vorzeitiger Kapitalentnahme sind auch hohe Verluste möglich.

Am besten Aktienfonds pur

Zahlt der Sparer aber kontinuierlich bis zum Rentenbeginn ein, hat er ein für Aktieninvestments ungewöhnlich hohes Maß an Sicherheit. Auf dieser Grund­lage ist eine möglichst hohe Aktienfondsquote vor allem bei langer Vertragslaufzeit die einzig sinnvolle Gestaltung solcher Riester-Verträge.

Man kann Riester-Sparpläne und fondsgebundene Versicherungen eben nicht mit einem herkömmlichen Fondssparplan vergleichen, der stets ein Verlustrisiko hat.

Wer sich unabhängig vom Lebensalter voll auf Aktienfonds einlassen möchte, findet in der UniProfiRente das geeignete Produkt.

Nur bei diesem Fondssparplan fließen die Eigenbeiträge und staatlichen Zulagen – nach Abzug des Ausgabeaufschlags – ungemindert in einen Aktienfonds, den weltweit anlegenden UniGlobal. Er schneidet in unserer regelmäßigen Fondsanalyse uneingeschränkt empfehlenswert ab.

Wenn der Sparer Glück hat und die Aktienmärkte in den ersten Einzahlungsjahren nach oben laufen oder nur geringe Verluste machen, wird sein Geld dauerhaft nur in diesen Aktienfonds gesteckt. Das Management muss dann überhaupt nicht eingreifen und kann den Sparplan einfach laufen lassen.

Kritisch wird es erst, wenn zwischenzeitlich sehr hohe Verluste auftreten. Dann zieht die Fondsgesellschaft Union Investment die Reißleine und schichtet so viel Kapital in einen Rentenfonds um, dass zum frühestmöglichen Rentenbeginn wenigstens die Beiträge gerettet sind.

Der Sparer hat auf jeden Fall die Option, in den letzten vier Vertragsjahren seine Gewinne umzuschichten.

Finanztest hält die UniProfiRente für ein überzeugendes Konzept. Aber man könnte es noch verbessern. So hat der Kunde keinen Einfluss auf die Fondsauswahl und er kann sein Kapital nicht zu jedem beliebigen Zeitpunkt umschichten.

Wer schon nach der halben Sparzeit hohe Gewinne angehäuft hat und diese sichern möchte, muss den Fondssparplan kündigen und das Geld zum Beispiel in einen Riester-Banksparplan einzahlen. Für den Umstieg würde Union Investment 50 Euro kassieren.

Mit Renditebremse

Leider steht Union Investment mit seiner 100-prozentigen Aktienfondsquote fast allein da. Bei den Sparplänen dit-Fondsvorsorge und Hansageneration-Plan fließen die Einzahlungen zum Beispiel in Misch- oder Dachfonds, die nur einen Teil in Aktien investieren. Das hilft dem Anbieter zwar, das Verlustrisiko zu begrenzen, vermindert aber auch die Chancen. Gleiches gilt für Activest oder Cominvest, die auf einen von der Laufzeit abhängigen Mix aus Aktien- und Rentenfonds setzen.

Einige Fondsgesellschaften bieten reine Aktienfonds-Sparpläne an, aber nur jungen Sparern. So ist die Deka-BonusRente nur dann über Jahrzehnte ein Aktienfonds-Sparplan, wenn sie vor dem 28. Lebensjahr abgeschlossen wird.

Bis zum 55. Lebensjahr fließen die Einzahlungen in einen globalen Aktienfonds, erst danach wird die Aktienquote gesenkt. Da es sich um einen neu aufgelegten Fonds handelt, gibt es für ihn noch keine Finanztest-Bewertung. Auch die DWS Top-rente Dynamik ist ein offensiver Sparplan – für junge Leute bis 39. Sie müssen darauf vertrauen, dass das DWS-Management ihr Geld geschickt auf verschiedene Aktienfonds verteilt und bei Umschichtungen ein glückliches Händchen hat. Die Voraussetzungen sind gut, denn die Toprente arbeitet unter anderem mit dem DWS Vermö­gens­bildungsfonds I und dem DWS Akkumula, die zu den besten internationalen Aktienfonds zählen.

Auch die meisten anderen Sparplananbieter bestimmen die Fonds selbst und lassen dem Sparer keine Wahl. Der Cominvest-Kunde darf aber wählen: zwischen dem weltweit anlegenden Fonds Fondis und dem europäischen Fondiropa. Doch einer schneidet in der Finanztest-Analyse fast so schlecht ab wie der andere.

Selbst Fonds wählen

Riester-Sparer, die ihre Fonds aus einer größeren Auswahl selbst wählen, kombinieren und bei Bedarf auch selbst ändern wollen, müssen auf eine fondsgebundene Versicherung setzen. Nur dort finden sie eine Auswahl, die diesen Namen auch verdient.

Besonders gut ist das Fondsangebot von CosmosDirekt. Dort kann der Sparer seine Beiträge nach Belieben zwischen Top-Fonds wie dem DWS Akkumula, dem DWS Intervest oder dem Templeton Growth aufteilen. Auch andere Gesellschaften bieten zumindest eine kleine Palette von Fonds, auf die der Kunde seine Sparraten verteilen kann.

Versicherer legen wenig in Fonds

Doch bei allen Versicherungen bleibt ein Wermutstropfen. Anders als bei Fondssparplänen wandert nur ein geringer Teil der Sparrate in die Fonds. Den größten Teil nutzen die Versicherer, um die Beitragsgarantie zu sichern.

Konkret läuft das so: Der Anbieter errechnet, welcher Teil der Sparrate notwendig ist, um bei einer festgelegten Verzinsung, dem so genannten Garantiezins, den Kapitalerhalt zum Rentenbeginn sicherzustellen. Derzeit liegt der Garantiezins noch bei 3,25 Prozent.

Von einer 500-Euro-Sparrate müssten stolze 264 Euro abgezwackt werden, wenn der Sparer noch 20 Jahre vom frühestmöglichen Rentenantritt entfernt ist. Denn diese 264 Euro würden bei einem Zinssatz von 3,25 Prozent nach 20 Jahren 500 Euro ergeben.

Theoretisch wären also 236 Euro für die Fondsanlage übrig. In Wirklichkeit ist der Betrag deutlich niedriger, da die Versicherung vorher ihre Kosten abzieht. Da der Garantiezins für Neuverträge ab dem 1. Januar 2004 auf 2,75 Prozent gesenkt wird, wandert dann noch weniger Geld in die Fondsanlage.

Bei günstigen Kapitalmärkten kann zusätzlich Geld in die Fonds fließen, wenn der Rentenversicherer mit dem Kapital für die Beitragsgarantie Überschüsse erwirtschaftet. Allerdings sind diese Überschüsse nicht zuverlässig kalkulierbar und bringen erst nach Jahren nennenswerte Fondszuflüsse.

Es dauert so sehr lange, bis viel Geld in Aktienfonds liegt. Dabei sollte möglichst früh möglichst viel Anlagekapital zur Verfügung stehen, damit der Langfristsparer unbesorgt auch schlechte Börsenphasen aussitzen kann. Davon sind fondsgebundene Versicherungen weit entfernt.

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